19.02.2019, schöne, wenn auch chaotische Heimreise

Ich geniesse ein langes Frühstück verbunden mit ausführlicher Lektüre mehrerer Papierzeitungen. Es war gestern rund um den Fund der nicht zu entschärfenden 250 Kilogramm Fliegerbombe auf der Stadtgrenze Nürnberg-Fürth und deren Sprengung abends um 23 Uhr ja mächtig etwas los.

Gegen 11 bin ich am Hauptbahnhof.

Uuiuiui, das sieht aber gar nicht gut aus: die Deutsche Bahn scheint im Chaos zu versinken. Kein Fernzug mit einer Verspätung von weniger als einer Stunde wird angezeigt. Entschliesse mich, schon heute heimzufahren und jetzt den nächsten ICE nach Frankfurt am Main zu besteigen.

Schöne wenn auch zögerlicher Reisebeginn, immer wieder mal stehen andere Züge im Weg. Auf den meisten Bahnhöfen die wir durchfahren, stehen Mengen an potentiellen Reisenden, die auf eine Transportmöglichkeit warten.

Kurz nach 13 Uhr im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main (Ffm). Gemäss Online-Fahrplanauskunft gibt es einen „Rückwärtsanachluss“. Die schnellen Züge gen Süden, zur Schweiz hin, sind auch hier zwischen 55 und 110 Minuten verspätet.

Was ich nicht verstehe, warum warten auch die verspäteten ICE auf andere verspätete ICE Anschlusszüge???

Die ICE sind übervoll mit quengelnden, rüpelhaften und rücksichtslosen Businessmen, so dass ich 2 Mal die Weiterreise verschiebe, wieder aussteige und durch den Bahnhof flaniere.

Viel Arbeit wartet an so einem Tag auf die immer noch real existierenden männlichen, älteren Rotkäppchen der deutschen Bahn.

Schlussendlich fahre ich mit einem Ersatzzug aus normalen IC-Wagen nach Ffm Flughafen, der nach einer erneuten Spitzkehre mich nach Mannheim weiterbefördert.

Blödes Vis-à-vis, eine Frau stellt mir ihren Rucksack vor bzw auf die Füsse. Auf meine Aufforderung hin, den Rucksack weg zu nehmen, kontert sie mich hässig an, der Rucksack sei zu schwer, sie möge ihn nicht bewegen! Als ich ihr anerbiete ihn woanders hin zu stellen, giftet sie mich furchtbar an. Die übrigen Mitreisenden im Abteil schütteln ihre Köpfe und schweigen.

Wir sind alle froh, in Mannheim erneut umsteigen zu müssen.

Erwische einen auf andere Anschlussreisende wartenden ICE nach Basel Bad. Die Strecke in die Schweiz ist wegen eines entgleisten ICE immer noch komplett gesperrt.

Ich frage mich aber, wie ich bei dem gegebenen online Fahrplan in Basel SBB umsteigen soll, denn der Halt soll ja entfallen.

Ich mag mich nicht einmischen in den Streit um Sitzplätze, gehe in den Speisewagen, wo ich einen gedeckten 4er Tisch für mich allein erhalte.

Bestelle und geniesse ein Weissbier, eine frisch zubereitete Tomatenmarksuppe,

einen Grünkohltopf mit Kasseler und Mettenden, ein Milchreis mit Kirschenkompott und einen Kaffee — aaaahhhh wie ich das Reisen geniessen kann!

In Freiburg im Breisgau startet ein Durchsagenmarathon (4 Mal je in Deutsch und Englisch) der Zugchefin: „Unser Zug fährt nur bis Basel deutscher Bahnhof. Dies gilt nur heute so. Sie müssen dort alle aussteigen. Vor dem Bahnhofsgebäude wartet ein Bus. Sobald alle Reisenden aus dem Zug ausgestiegen und in den Bus eingestiegen sind, fährt der Bus los und bringt sie zum Schweizer Bahnhof in Basel, wo sie dann in die Züge nach Italien, die Schweiz und nach Frankreich umsteigen können. Bitte planen Sie eine Fahrezeitverlängerung von 15 Minuten ein.“ (unterdessen lauscht und lacht der halbe Wagen, auch das Personal der DB kann es sich nicht verkneifen).

Ich würde der Frau gerne die Frage stellen, ob es so grosse Busse gibt, um die mehrere hundert Reisenden aufzunehmen.

Die Durchsage des Ganzen in englisch verkommt dann vollends zur Witznummer.

17.50 erreichen wir den badischen Bahnhof. Auch hier Chaos und verwirrende Zugabfahrtsanzeigen.

Wie zu meiner Basler Zeit fahren auch jetzt 2 Tramlinien (1+2), sowie die Buslinie 30 auf ziemlich direktem Weg zum Bahnhof SBB. Die meisten Reisenden stürmen die vollends überfüllten Busse des 30ers, die mit “Bahnhof SBB“ angeschrieben sind und die nach Fahrplan fahren. Ich fahre im Tram, sitzend.

Kurz nach 17 Uhr erreiche ich den Bahnhof SBB.

17.31 mit einem ehemaligen Cessoalpino FIAT-Neigezug nach Spiez, Umsteigen in die BLS nach Interlaken Ost und mit einem Fink der Zentralbahn heim nach Brienz.

Im Süd-Osten steht ein grosser, heller Vollmond überm Brienzersee am Himmel.

Herrlich, so, daheim empfangen zu werden!

2 Gedanken zu “19.02.2019, schöne, wenn auch chaotische Heimreise

  1. Lieber Christoph, wie immer sind Deine Reiseberichte lesenswert. Es gibt halt immer neue Ueberraschungen wie die Bombe. Was man so findet … ist ja gut und soll nicht im Boden schlummern. So war das Halt mit dem Bumbum vor so langer Zeit. Ehrlich, ich bin froh haben wir den nicht gewonnen! Wuerden wir dann BESSER leben. Haetten wir diese Freihait des Reisens! Ich warte auf Deinen naechsten Reisebericht, bis dann viele Gruesse aus Holland, Klaus

    Gefällt 1 Person

  2. Lieber Christoph, eigentlich beneide ich Dich nicht um Deine chaotische Heimreise! Da haben wir es dochbesser in der schönen Schweiz. Den wunderschönen Vollmond habe ich von unserem Küchenfenster aus fotografiert, ohne Umweg über Deutschland! Fred und ich wünschen Dir gute Erholung von deiner Reise und grüssen Dich herzlich.

    >

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.