02.09.2022, Heireis!

Ausblick aus dem Hotelzimmer

Gemütliches Frühstück nach 9 Uhr. Die Welt wäre heute Morgen so schön und friedlich, wenn da nur nicht diese gehetzten Frauen, zumeist Radfahrerinnen und Motorradfahrerinnen wären, die sich überall und immer wieder vordrängen und reklamieren. Ich hätte nicht schlecht Lust, mich auch heute tatkräftig für meine Rechte einzusetzen; ich lasse es aber bleiben und esse anstattdessen in einem anderen Gastraum!

Es wird Zeit mal wieder in den eigenen vier Wänden zu schlafen und zu leben. Also mache ich mich heute Mittag auf die Heimreise. Es ist übrigens recht viel kühler hier in Memmingen im Allgäu, als wie vorher in der Mitte Deutschlands und in Tschechien.

Kurz nach 11 Uhr verlasse ich das Hotel weisses Ross und spaziere gemütlich in Richtung Bahnhof. Unterwegs mache ich immer mal wieder eine Pause, beobachte das Treiben und staune.

Übernächtigte Reisende auf dem Bahnsteig gegenüber

Ich beschliesse mit einem RE von Go Ahead, um 12.06 nach Lindau Insel zu reisen. Go Ahead ist ein deutschlandweit tätiges Verkehrunternehmen. Diese Gesellschaft führt auf der Strecke sowohl langsame (RB) wie auch beschleunigtte Regionalzüge (RE). Go Ahead fährt hier primär mit Flirt Zügen von Stadler. Unterwegs gibt es mehrmals mehrminütige Halte.

In der Einfahrt zum Bahnhof Leutkirch kündigt der Triebfahrzeugführer einen voraussichtlich 7 Minuten langen Aufenthalt mit folgenden Worten an: Geschätzte Damen und Herren, werte Reisende, wir treffen jetzt dann in Leutkirch ein. Dort hat dieser Zug einen fahrplanmässigen Aufenthalt von ungefähr 7 Minuten bis um 12:36 Uhr. Nutzen Sie doch die Gelegenheit um Aufzustehen und den Zug für ein paar Minuten zu verlassen. Geniessen sie auf dem Bahnsteig die frische Luft oder machen sie eine Rauchpause. Wir werden sie rechtzeitig darauf aufmerksam machen, wann sie wieder einsteigen müssen und wir weiterfahren wollen. Toll! Auch ich stehe auf und trete hinaus auf den Bahnsteig, Geniesse die frische und noch kühle Luft und staune in die grünen Schrebergärten.

Dann, nach der Aufforderung durch den Lokführer und dem energischen Winken von 2 DB Sicherheitsmännern und nachdem alle Reisenden eingestiegen sind, geht die Reise wieder weiter.

Für was begleiten eigentlich 2 Sicherheitsmänner der DB diesen Zug? Sie fühlen sich der Sicherheit der Reisenden und des Zugs offensichtlich nicht eben verpflichtet: bereits kurz nach der Abfahrt in Memmingen gibt es einen wüsten Streit ganz hinten im Flirt. Die 2 bulligen Männer hören den Streit offenbar nicht, denn sie flegeln sich in je einer 4er-Gruppe der 8 Sitzplätze grossen 1. Klasse, spielen auf ihren Mobiltelefonen bzw Geniessen ein Schläfchen und haben mich, der für die erste Klasse bezahlt hat, quasi rauskatapultiert! Ich sitze in der 2. Klasse und staune und höre Alles!

Ich geniesse die geruhsame Reise durch die Apfelplantagen am Abhang zum Bodensee.

Auf die Minute pünktlich erreichen wir Lindau-Insel, den früheren Hauptbahnhof von Lindau. Endstation.

Ich steige aus bzw um in einen elektrischen ÖBB Talent mit Werbung für das Salzburgerland. Kurz überlege ich mir, die Reise über den Arlberg noch einmal in Angriff zu nehmen. Aber nein ich muss jetzt nach Hause, schauen ob die Trauben an der Südfront meines Hauses reif sind.

Kurzum fahren wir ab. In Lindau-Reutin, dem heutigen neuen Haupbahnhof evon Lindau gibt es den ersten Halt. Eine schiere Menge von Go Ahead Zügen ist hier abgestellt.

In Bregenz muss ich schon wieder umsteigen. Das angezeigte Abfahrtsgleis kann nicht möglich sein, es wird nämlich umgegraben. Schlussendlich finde ich in letzter Minute meinen Anschlusszug in die Schweiz, nach St. Margrethen auf Gleis 1.

Hier im schweizerischen Grenzbahnhof, muss ich zum 3.Mal innerhalb von weniger als einer Stunde umsteigen. Es reicht knapp die Zeit für ein paar Fotos von neuen STADLER-Zügen,

bevor mein Bombardier-Doppelstöcker Richtung St. Gallen einfährt. Der Reisekomfort hat sich seit der letzten Fahrt in dieser Zugserie nun stark verbessert.

In St.Gallen habe ich genau 30 Minuten Zeit um Schweizer Geld an einem Bankomaten zu beziehen, eine Rauchwurst im Dunkelbrot und ein Mineralwasser zu kaufen und später im Zug zu geniessen

Pünktlich um 15.05 fährt mein Voralpen-Express nach Luzern ab. Rasch gewinnt der Zug an Höhe, fährt auf einem riesigen Viadukt über das Sittertobel,

durchs appenzellische Voralpenland in den Toggenburg.

In Wattwil verschwindet die Bahnstrecke in denk 8.6 Kilometer langen, schnurgeraden Eisenbahntunnel (wo gibt es sowas sonst noch?), der ein stetiges Gefälle von 15 Promille aufweist. Bei guten Witterungs- und Windverhältnissen kann von Wattwil aus, das Tunnelende des Rickentunnels im Süden wahrgenommen werden. In Rapperswil überrascht mich Kollege und Freund Rolf Blöchlinger.

Gemeinsam können wir nun über den Damm nach Pfäffikon (Schwyz) und weiter über den Hinterhof nach Biberbrugg und über das Rothenturmer Hochmoor

und den Sunnenberg nach Arth-Goldau fahren. Das letzten Teilstück bis n Luzern fahren entlang des südlichen Zugersees, dem Küssnachtersee und dem Luzernersee.

Bei der Ankunft prasselt ein gewaltiges aber zum Glück nur kurzes Gewitter hernieder. Wir lassen uns Zeit. Bald ist es wieder am trocknen, so dass wir mit Trolleybus 1 in Richtung Rootsee fahren können. Hier treffen wir für den monatlichen Stammtisch, heute in der Libelle auf etliche PinkRail’er. Gemeinsam verbringen wir in Gesellschaft von anderen aktiven und pensionierten schwulen Eisenbahnern und Freunden einen schönen Abend.

Um 22.12 fährt mein Zug bis Giswil. Von hier geht nur noch ein Bus und auch nur bis Lungern, zur Dorfkapelle. 23.25 holt mich Alice mit ihrem Brienzer Taxi hier ab und fährt mich heim.

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