31.08.2022, Grenzfahrt durch ehemalige Tagebaugebiete

Habe gut, wenn auch nur kurz geschlafen. Der frühe Vogel fängt den Hirsch, oder wie geht dieser Spruch? Jedenfalls bin ich noch fast alleine beim Frühstück um 7 Uhr.

Der Frühstücksservice von Ibis hat sehr nachgelassen. Die geschlagenen Eier sind ausgetrocknet, die 3 Minuten Eier hart gekocht, gebratener Speck und Wurst fehlen gänzlich, der Käse ist pappig, Früchte fehlen, ebenso Fruchtsäfte. Gestern Morgen um halb 10 gab es nicht mal mehr Orangensaft. Gemäss einer Ibis Mitarbeitenden war der Tagesvorrat erschöpft! Einzig Brot, Butter und Marmelade sind wie eh und je!

Um 9 Uhr bin ich bereits am Hauptbahnhof. Erstaunlich viele Reisende auf dem Bahnsteig. Ein Grossaufgebot der Polizei wartet ebenfalls auf den EuroCity. Fast pünktlich verlasse ich Dresden in Richtung Südosten.

Das Elbetal und der Ausblick in die sächsische Schweiz sind jetzt am frühe Morgen noch viel schöner wie gestern Nachmittag.

Zwischen Bad Schandau und der böhmischen Schweiz auf der anderen Seite der Grenze mit Tschechien sind am anderen Ufer etliche verbrannte Wälder zu sehen.

Mit Ereichen der tschechischen Stadt Decin schliesst sich ein Kreis. Ein paar Tage früher habe ich hier das Elbetal verlassen und bin über die Eisenbahnbrücke und vorbei am nur kurz sichtbaren Kloster Richtung Riesengebirge gereist.

10.18 erreichen wir Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe). Ich habe kurz Zeit den Ausblick auf das ‚Schlosshotel‘ Větruše zu geniessen und mich im intensiv modernisierten Bahnhof mit Rolltreppen, Rampen, Aufzug, von und zu den Bahnsteigen umzusehen.

Die Zeit reicht auch um ein paar Schritte aus dem Bahnhof heraus zu machen. Der erste Blick zur Stadt hin erinnert mich an französische Kleinstädte.

10.43 Uhr geht die Reise weiter, nun nach Südwesten, Richtung Karlovy Vary (Karlsbad). Ich bin ganz verwundert, den neuesten Zug auf dieser Strecke anzutreffen. Modernste Ausstattung, kabelfreies Laden von Handys (Mobiltelefonen)n, neu designte WCS, neu geformte und angeordnete Sitze, usw.

Seit meiner letzten Reise durchs Tschechische Kohlebecken vor üboer über 40 Jahren wurde an dieser Eisenbahnstrecke nach Chomutov und weiter nach Cheb und Deutschland sehr vieles getan.

Die Strecke wurde mehrmals verlegt und neu gebaut bzw abgebaut, viele neue Seen und Bachläufe sind entstanden — heute ist die Landschaft viel grüner. Ich konnte damals kaum Atmen, die Luft war total dreckig vom Kohlestaub. Es lag immer so ein gelblicher Nebel über der Landschaft.

12:50 Uhr erreichen wir Karlovy Vary (Karlsbad). Ich war schon etliche Male in dieser Bäder- und Kurstadt, wenn auch noch nie am oberen Bahnhof. Dennoch steige ich heute und hier nicht aus, sondern spare mir das für eine andere Reise auf.

Eine knappe Viertelstunde später erreichen wir Sokolov. Hier steige ich aus bzw um.

Zuerst wird das neue Gleis falsch angegeben. Als ich am Billettschalter danach frage, bescheiden mir die Damen, sie wüssten nicht wo der Zug nach Kraslice abführen würde, sie seien nur für den Fahrausweisverkauf zuständig. Als ich insistiere erhalte ich liebenswürdigerweise dann aber doch einen Zettel mit der Verbindung, woraus hervorgeht, dass der Zug auf Gleis 1, genauer gesagt auf dem 3. Gleis vom Bahnhofsgebäude aus gesehen abfährt. Also wieder runter in die Unterführung und hoch aufs Perron wo ich angekommen bin, ‚ich liebe‘ diese gegen ihre Kunden gerichteten Spielchen von Eisenbahnern.

Mein Zug fährt eine Minute nach der offiziellen Abfahrtszeit ein. Während sich der Strom ankommender Reisenden auf den Bahnsteig ergiesst und wir eintreten, sprintet der Triebfahrzeugführer in seinen Badelatschen an die neue Zugspitze und fährt sofort ab; das war nun wirklich eine Kurzwende!

Schöne Reise durch ausgedehnte Wälder, bis dass die Fahrkartenkontrolleurin kommt. InterRail sei in diesem Zug nicht gültig, obwohl die Interrail-App etwas anderes sage. Ich solle nun sofort mein Billett bei ihr kaufen. Bei meinem versuchten Einwand, unterbricht sie mich, droht mir mit einer Notbremsung auf freier Strecke und einem Rauswurf von mir. Ich will es nicht darauf ankommen lassen und bezahle für die 28 Kilometer die verlangten 45 Kronen, ca 1.80 €uro.

Als sie weit genug weg ist, sagen mir 2 Tschechen, die offenbar fast täglich pendeln, die Frau sei ganz schlimm; vor ein paar Wochen sei ein junger Rucksacktourist bei Regenwetter mitten im Wald aus dem Zug weg gewiesen worden. Ich widme mich wieder meinem Hobby, dem Triebfahrzeugführer durch die Glasscheibe zuzuschauen. lässig sitzt er da, widmet sich seinem Handyspiel oder schreibt eine Meldung, wobei er alle 15-30 Sekunden aufschaut, das Totmannpedal betätigt und die Strecke beobachtet.

In Rotava steigen alle aus. 2 Tscheche bedeuten mir mitzukommen, es gibt heute SEV, nein nicht schweizerischer Eisenbahnerverband, sondern Schienersatzverkehr im Autobus.

Erst in Kraslice, dem letzten Bahnhof in Tschechien, halten wir wieder an. Hier wartet eine Stadler RegioShuttle der Vogtlandbahn auf seine Fahrgäste.

Die vermeintlich letzte Fahrstrecke des heutigen Tags dauert 100 Minuten und führt über Klingenthal – Falkenstein nach Zwickau. In Klingenthal habe ich vor 20 Jahren auf meiner Radtour von der Schweiz über den Erzgebirgskammweg nach Berlin meine heutige Eisenbahnfahrstrecke gekreuzt.

In Zwickau angekommen streife ich durch den Bahnhof und mir wird klar, dass ich heute nicht hier übernachten möchte. Zum Glück habe ich noch nichts gebucht.

Als fahre ich 40 Minuten nach der Ankunft hier in Hof in einem Regioexpress weiter nach Hof. Ich habe leider nicht bedacht, dass heute der letzte Tag des 9 €uro -Tickets ist. Der Zug ist randvoll, auch in den Gängen stehen die Leute dicht an dicht. Auf Klappsitzen sitzen häufi mehr als eine Person und selbst Klo sind etwa ein halbes Dutzend 9 €uroReisende. In der ersten Viertelstunde der Reise muss also auch ich stehen und kann nicht zur ersten Klasse ganz vorne hingehen. Immerhin überlassen mir jüngere Reisende nach den ersten 20 Minuten einen freien Sitzplatz in der 2. Klasse.

17.40 erreichen wir Hof.

Ich habe unterdessen im Hotel Burghof, wo ich kurz vor oder nach der Wende zuletzt übernachtet habe, in nächster Nähe zum Bahnhof, ein Zimmer reserviert und beziehe dieses nun sofort.

Nach einer kurzen Phase der Ruhe wandere ich durch die ehemalige Grenzstadt der BRD zum Bruderstaat DDR.

Beim Eindunkeln kehre ich auf dem Heimweg in die älteste Gastwirtschaft der Stadt ein: Rotes Roß.

Hier geniesse ich ein dunkles Weissbier der örtlichen Brauerei Scherdel. Hinterher esse ich 2 panierte Schnitzel, komplett zugedeckt von gedünsteten Zwiebelringen garniert mit echten Bratkartoffeln. Sowas Gutes gibt es im Osten der Republik leider nirgends mehr!

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