26.08.2022, Donau – Moldau – Elbe

Habe recht gut geschlafen, wenn nur nicht ein rücksichtsloser Anwohner oder Besucher kurz nach Mitternacht seinen stinkenden Müll (verdorbener Fisch/Fleisch) unter meinem Fenster deponiert hätte. So erwachte ich und musste das Fenster schliessen.

Frühstück nach einer wohltuenden, weil mich kühlenden Dusche, erst um halb 9. Lustig, dass das Geschirr auch heute noch die Signete des Hotels enthält.

Dann aber packe ich mein Scherflein ein und verlasse den gastlichen Ort. Da ich noch viel Zeit habe, fahre ich mit einer Strassenbahn runter und über die Donau und wieder zurück zum Hauptbahnhof.

Mein EuroCity nach Praha hln steht 20 Minuten vor Abfahrt am östlichsten Bahnsteig. Er besteht aus nur 3 Wagen 2. Klasse und 1 Wagen der 1. Klasse der aber in der Mitte über eine Servicsstation bzw Küche verfügt. Die Folge ist ein ewiges Geläuf von mehr oder minder angetrunkenen Fahrgästen der Holzklasse zum Bierdepot. Schrecklich, keine ruhige Minute!

Bis Budweis geht es mit der Belegung des Wagens gut, dann aber wird es echt eng. Zudem wurde der Wagen aus einem 2.Klassewagen umgebaut. Ich habe Glück insofern ich erst gestern Abend gebucht habe und somit den ersten Sitz am Wagenanfang gekriegt habe. Im Gegensatz zu vielen anderen Reisenden habe ich somit einen richtigen Fensterplatz.

Kurz nach der Abfahrt überquert der Zug die Donau,

worauf er stetig steigend der tschechischen Grenze entgegeneilt.

Summerau, der österreichische Grenzbahnhof
Die Lokomotiven in Tschechien haben ein ganz anderes Aussehen als im “Westen“
Auch die Signale sind anders!

Kaum haben wir zwischen Summerau und Horni Dvorištė (auf deutsch Oberhaid) die tschechische Grenze überfahren kommen wir auch schon ins Einzugsgebiet der Moldau.

Kennst du die Moldau, mein Vaterland, ma vlast von Bedrich Smetana? Für mich ist das seit je her das schönste Erlebnis der Musik und Liebe fürs Vaterland.

Irgendwann in den letzten 20 Jahren, leider weiss ich das Jahr momentan nicht mehr, bin ich zusammen mit einem anderen Fernradler von der Elbemündung bis fast zur Moldauquelle geradelt, um dann an die Donau runter zu gleiten. Grandioses Erlebnis!

Irgendwann verspüre ich Hunger. Zuerst gibt es einen Gurken Salat; darauf ist ein Gulasch mit Bratkartoffeln und Krautsalat an der Reihe. Es mundet herrlich.

Kurz vor 2 Uhr nachmittags erreichen wir Ceske Budejovice, tschechisch Budweis. Ab hier ist der Zug der nun dem Lokalverkehr dient, gerammelt voll.

Veseli nad Ludnizi

16 Uhr erreichen wir den Zugsendbahnhof Praha hl.n. Endlich raus auf den Bahnsteig.

Kaum draussen, fährt der Zug 2 Minuten nach der offiziellen Ankunftszeit aus dem Bahnhof ab. Es herrscht ganz offiziell ein Mangel an Bahnsteiggleisen, denn kurz darauf ist das Gleis schon wieder belegt.

Dieser Mangel ist eine Folge der Freigabe der ursprünglich der Staatsbahn CD gehörenden Gleise für alle denkbaren Eisenbahn Verkehrsunternehmen (EVU). Viele dieser EVU bieten unregelmässig und mit teils veraltetem Rollmaterial wo es ihnen grad passt Verbindungen an. Hier in Tschechien ist so das Interrail zum Beispiel in den Zügen der nachstehenden 11 EVU nicht gültig: Arriva vlaky, AŽD Praha s.r.o.,GW Train Regio a.s., JHMD a.s., KŽC Doprava s.r.o., MBM rail s.r.o., Railway Capital a.s., RegioJet Bus, Slezské zemské dráhy o.p.s., Regiojet trains 1046/1047.

Für jede Gesellschaft gelten andere Fahrausweise zu unterschiedlichen Preisen. Eine gegenseitige Anerkennung von Fahrausweisen findet nicht statt.

Ich hoffe, diese von der EU gewollte Art des freien Schienenverkehrs werde im Personenverkehr in der Schweiz nie eingeführt werden.

Mein Anschlusszug müsste kurzum fahren. Er ist aber verspätet, das Gleis ist noch nicht bekannt. Ich warte mit vielen anderen Reisenden in der Unterführung vor den elektronischen Abfahrtsanzeigern.

Nach 10 Minuten gebe ich es auf, suche in der Bahnhofshalle vorne ein WC. Als ich gute 15 Minuten später wieder in die Unterführung komme, ist das Gleis bekannt und der Zug schon da und recht voll.

Ich muss mich aber nicht beeilen, der Zug wird erst mit einer Verspätung von über 30 Minuten abfahren.

Fahrende Überholung eines Vorortszugs

Kaum sind wir in Bewegung, findet die Fahrkartenkontrolle statt und anschliessend verteilt der Zugführer jedem Gast eine Flasche stilles Wasser.

Da die Klimaanlage überlastet ist, beziehungsweise nicht richtig arbeitet, werden sodann die Klapp-Fenster aufgerissen.

Im Zug buche ich ein gemäss Booking und anderen Applikationen wunderschönes Hotel mit Garten und anderem mehr.

Nach etwas über 1 Stunde Fahrzeit seit Prag, prasselt aus den vollen Wolken urplötzlich ein gewaltiges Gewitter hernieder und nässt uns ein. Kurz darauf erreichen wir Pardubice.

Schönes Mosaik an der Wand der Bahnhofshalle.

Ich suche lange Zeit vergebens nach einem Taxi. Jedes Mal wenn ich eines sehe und darauf zu laufe, wird es mir vor der Nase weggeschnappt. Endlich habe ich Glück.

Der Fahrer einer renommierten Taxigesellschaft will 100 und als ich Nachfrage 200 tschechische Kronen, dh knapp 8 €uro. Ein stolzer Preis in diesem Land. Ich habe plötzlich einen dumpfen Bauch. Die Distanz beträgt gemäss Routenplaner nur knapp 1.5 Kilometer. Im „Westen“ habe ich für Fahrten im gleichen Rayon zwischen 3.60 und 6 €uro bezahlt.

Ich mag aber nicht laufen, da es schon wieder tröpfelt. Im Hotel angekommen, verlangt der Fahrer plötzlich und ultimativ 10 Euro. Das ist Betrug (www.taxiprima.ch, Kennzeichen 6E5 8230). Plötzlich spricht der Herr auch nicht mehr Deutsch oder Englisch, wie vor der Fahrt.

Das gebuchte Hotel entspricht nicht den Bildern in Booking. In einem schmutzigen Café befindet sich eine Rezeption. Überall liegen, teils ausgefüllte Anmeldezettel herum. Das Zimmer, gemäss dem Rezeptionisten ein Appartement, ist nicht sonderlich sauber und riecht muffig.

Es verfügt weder über eine Terasse, noch eine Aussicht auf mehr als eine Quartierstrasse und Restaurant.

Immerhin ist der Mann sehr hilfsbereit, trägt mir den Koffer die Treppe rauf. Drinnen im Zimmer graust es mich!

Zum Glück sehe ich erst am kommenden Morgen die vielen kleinen Insekten, die da rumschwirren und zwischen Laken und Matratze und Bettstatt verschwinden und wieder raus kommen. Rasch wird mir aber klar, warum ich am ganzen Körper unzählige Einstiche habe.

Ich bleibe eine Nacht. Die Lust auf eine Verlängerungsnacht und eine Stadtbesichtigung ist mir so – wie auch der Appetit schon jetzt endgültig vergangen!

Das WLAN hängt sich immer wieder auf und muss neu gestartet werden. Die nächste Telefonantenne muss weit entfernt sein, ein versuchtes Gespräch bricht immer wieder ab.

Ich lese Zeitungen (zum Glück habe ich noch solche auf Papier mit dabei und schreibe irgendwann Tagebuch (https://hirschbrienz.blog)

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