21.04.2021, Ausflug in die Nordostschweiz

Wenn ich früh aus dem Haus muss, so schlafe ich in der letzten Zeit nächtens immer schlechter. Bin heute schon um 5 Uhr hellwach, koche und trinke Kaffee und esse ein paar Clementinen ortanique. 6:05 Uhr verlasse ich meine Wohnung und spaziere in der Morgendämmerung gemütlich zum Bahnhof, wo um 6:20 Uhr der Postbus nach dem Brünig abfährt.

Ausblick aus dem Postauto, vom Gnoll aus Richtung Haslitälee

Um Luzern schon vor 8 Uhr zu erreichen, bin ich auf diese Busverbindung angewiesen. Die Züge der Zentralbahn fahren erst 1 Stunde später ab Brienz in die Zentralschweiz.

Ich bin verwundert wie viel Schnee, neben dem Gleisanlagen, auf dem Brünig noch vorhanden ist. Je weiter die Fahrt in die Zentralschweiz geht, desto mehr klart der Himmel auf.

Ausblick nach Lungern, der Lungernsee ist noch immer halb leer. Hinten rechts ist schon der Pilatus zu sehen. Ich
Letzte blicke zurück Richtung Berner Oberland

Oh je, vor der Bäckerei im Bahnhof ist eine lange Schlange von auf Kaffee und Gipfeli wartenden Reisenden. ich muss verzichten, bzw Kaffee+ bei den ab Zürich mitreisenden Freunden bestellen, da ich noch knapp 400 Meter entlang des Zuges bis zu den angedachten Sitzplätzen laufen muss. Mit diesen 16 Wagen-Zügen (2 8-teilige Triebzüge von Bombardier) kommt auch der Bahnhof Luzern an seine Kapazitätsgrenzen.

Dass der hintere achtteilige Triebzug in Zürich Hauptbahnhof abgehängt und als Erstes weggefahren werden muss, ist für mich neu.

Nach der Abfahrt in Luzern zeigt sich der Pilatus nun von der anderen, nördlichen Seite.

In Bildmitte ganz rechts, ist der Zugsschluss meines Interregios zu sehen.
Entlang dem Zugersee
Einfahrt in den Bahnhof Zug

Die schiere Länge des Zugs ist erst hier, in der letzten grossen Kurve im Zugerland, nördlich von Baar, richtig zu erkennen.

Im Hintergrund steht breit die Königin der Zentralschweiz, die Rigi.
Erster Ausblick auf den Zürichsee

Auch neu ist nämlich, dass ich mit diesem Interregio von Luzern über Zürich HB nach Winterthur — St. Gallen und sogar weiter durchs Rheintal bis nach Chur reisen könnte, ohne je einmal umzusteigen. Gab es so einen Zugslauf von Luzern nach Chur früher schon einmal?

Jetzt steigen drei Reisegefährten zu. Solange wir die Maskenpflicht strikte einhalten und nicht alle zusammen in einem Viererabteil sitzen, erachte ich die Corona-Ansteckungsgefahr als gering. Ich erhalte hier Kaffee und Gipfeli, herzlichen Dank an Rino und Peter!

2 1/4 Stunden nach der Abfahrt in Luzern erreichen wir die östlichste Schweizer Stadt am Bodensee, Rorschach. Wir haben eine halbe Stunde Zeit, bevor die Reise weiter geht. Diese nutzen wir aus um vom südlichen Bahnhofszugang aus einen Ausblick über die Stadt, den Bodensee bis nach Deutschland, und vor allem auf die immer noch grossen Gleisanlagen des Bahnhofs zu geniessen.

Eine viertel Stunde vor unserer Zugsabfahrt. Sehen wir unseren Zug der normalspurigen Rorschach-Heiden-Bergbahn, nun noch auf der Fahrt zu seinem Endbahnhof in Rohrschach Hafen, ein erstes Mal.

Die kleine RHB fährt uns nun nach Heiden, dem Luftkurort und Biedermeierdorf, knapp 400 Meter über dem Bodensee. Hast du bemerkt, die RHB, alles gross geschrieben, bezeichnet die kleine normalspurige Bahn mit einer Zahradstrecke, während die RhB, mit einem kleinen «h»in der Mitte, die grosse Schmalspurbahn ohne Zahnradstrecke, des Kantons Graubünden bezeichnet.

In Heiden haben wir knappe 10 Minuten Zeit, um vom Bahnhof zum 250 m entfernten Dorfplatz zu spazieren. Von hier aus fahren die Postautos, teils doppelstöckig, in alle Richtungen, ins Appenzellerland und auch direkt nach Sankt Gallen.

Wir aber fahren mit dem Postauto schon wieder runter, Richtung Bodensee beziehungsweise nach Rheineck, im Kanton Sankt Gallen.

Wiederum bleibt uns nur kurz Zeit, für einen Gang entlang des Bahnhofs zur Abfahrtstelle der Zahnradbahn RhW nach Walzenhausen.

Die Übrigbleibsel des alten Stellwerks im Bahnhof Rheineck hinterlassen einen desolaten Eindruck.

Die Bahn ist ein richtiger Exot: die Spurweite beträgt 1200 mm. Dies kommt daher, dass die ‚längere‘ Bergstrecke früher eine Standseilbahn war, wogegen das Tram zum Bahnhof nur 500 Meter kurz war. Die Bahn besitzt nur einen einzigen, allein fahrenden Triebwagen. Wenn der Triebwagen kaputt ist oder revidiert werden muss, muss ein Bus die Strecke bzw die Unterwegsstationen soweit überhaupt möglich, abfahren. Zudem gibt es auf der ganzen Bahnanlage nur gerade eine einzige Weiche.

Nur knappe 6 Minuten dauert die Fahrt mit der als S 26 bezeichneten Eisenbahn.

Der Luftkurort Walzenhausen liegt etwas tiefer aus Heiden, nur knapp 240 m über dem Bodensee. Die Aussicht ist aber auch von hier aus wunderschön. Das deutsche Ufer, wie auch Österreich, scheinen nicht allzuweit entfernt zu sein.

Zeit für das Mittagessen. In der Bäckerei gerade neben dem Bahnhof, sind alle drei Terrassentische besetzt.

100 Meter weiter finden wir die Pizzeria Gambrinus. Nicht lange nach der Ankunft erhalten hier einen Menüsalat, dann eine reichhaltig belegte Pizza und schlussendlich ein kleines Dessert.

Knapp 2 Stunden nach der Ankunft hier oben, betreten wir schon wieder den Zug runter nach Rheineck.

Grandioser Ausblick auf die Bahnstrecke, den Altrhein, das Rheindelta und zum gegenüber liegenden deutschen Ufer.

Umsteigen in eine S-Bahn die uns

über Sankt Margarethen ins

ETR 610, abgestellt im Bahnhof St. Margrethen. In der Schweiz müssen aus Kapazitätsgründen jeweils 2 vereinigte Züge fahren. Für die Reise in Österreich und Deutschland reicht 1 Triebzug
Vor den Hallen der Firma Stadler steht ein neuer 6-teiliger Kiss-Intercity für die österreichische Westbahn. Dies ist der 3. gleichartige Auftrag für die selbe Bahn.

Schwemmland des Alpenrheins und nach Altstätten bringt.

Die Schmalspurbahn von Altstätten nach Gais – St. Gallen sowie – Appenzell wurde 1975 zwischen Altstätten (Bahnhof) SBB und Altstätten Stadt eingestellt. Heute wären die Menschen froh, die Bahn bestünde noch und der stinkende und laute Strassenverkehr würde etwas eingedämmt.

Eigentlich haben wir Zeit für einen Rundgang durch das Städtchen. Ich verzichte, erledige lieber die Mengen anstehender elektronischer Post. Als es zu tröpfeln beginnt, sind allerdings auch die Freunde bald wieder am Bahnhof Altstätten Stadt.

Noch bis circa 2035 soll diese Bahn bestehen, bevor sie auf einen günstigeren (hahaha) Busbetrieb umgestellt werden soll. Wie bei allen diesen Studien und Evaluationsberichten üblich, werden die Kosten für die Strassenbenutzung, den notwendigen Ausbau der Strassen wegen schwereren, breiteren und längeren Pneufahrzeugen, sowie für den Bau von Haltestellenbuchten natürlich nicht den Kosten des Busbetriebs angelastet. Bei allen Umstellungen von Bahnstrecken auf Busbetrieb in der Schweiz seit 1848, waren die Kosten nach der Umstellung, um ein Mehrfaches höher als veranschlagt und haben die ursprünglichen Bau- und Betriebskosten der Bahn meistens erheblich übertroffen! Zudem werden die Folgen auf die Umwelt, Diesel anstelle von Strom, Pneuabrieb anstelle Eisenstaub gänzlich ausser acht gelassen.

Seit 1847 werden in der Schweiz insofern immer wieder diese gleichen Fehler gemacht! Bewusst oder unbewusst?! Warum?

Um 16 Uhr verlassen wir Altstätten. Bald führt die Bahnstrecke mit Hilfe des Zahnrads steil bergan.

Nun geniessen wir einen wunderbaren Ausblick auf die vom Alpenrhein geschaffene, fruchtbare 2-Länder Ebene Schweiz — Österreich.

Blick Richtung Montafon
Ungewohnter Ausblick zum Hohen Kasten (1794 Meter über Meer)

500 Höhenmeter über der Rheinebene erreichen wir das Schlachtdenkmal Stoss. Es erinnert an die Schlacht zwischen den Appenzellern und den Habsburgern im Jahre 1405. Obwohl die Österreicher 1200 Soldaten, dh 3 Mal mehr gut ausgerüstete Soldaten in die Schlacht schickten, als die Appenzeller, gewannen die von oben runter rennenden Appenzeller, gegen die von unten herauf angreifenden Habsburger rasch und trieben sie in die Flucht.

Nach der Überquerung der Passhöhe des Stoss erreichen wir um 20 Minuten nach 4 Uhr den Endbahnhof dieser Bahnlinie, Gais.

Hier müssen wir erneut umsteigen.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 wurden die Schmalspurbahnlinien Appenzell — Gais — Teufen — St. Gallen sowie die Linie Trogen — Spycher — St. Gallen zu einer Durchmesser-Strassenbahnlinie umgebaut. Seither verkehren hier ausschliesslich Stadler Strassenbahnfahrzeuge vom Typ Tango (wie bei der TPG in Genf und der BLT im Baselbiet).

Diese Tango haben ein Endabteil der 1. Klasse: Ledersitze und Gratiszeitung

Ein paar Minuten vor 17 Uhr erreichen wir St. Gallen.

Innert 10 Minuten fährt ein Voralpen-Express über Herisau — Degersheim — Wattwil — Rickentunnel — Uznach — Rapperswil — Seedamm —Pfäffikon SZ — Biberbrugg — Arth-Goldau nach Luzern.

Der Sitterviadukt der SBB, den wir hier sehen, ist bereits die 2. Eisenbahnbrücke an der fast gleichen Stelle. Die Brücke wurde mit Steinen verkleidet, besteht eigentlich aber aus Stampfbeton.

Genau unter dem 365 Meter langen BT Sitterviadukt, den wir hier befahren, geht die Urnäsch in der Sitter auf. Der 1910 erbaute Sitterviadukt (100 Meter lichte Höhe) ist durch seine Bauweise, einer über 100 Meter langen Fischbauchbrücke mit beidseitig anschliessenden Steinbogenbrücken ein schweizerisches Baudenkmal. Ein Besuch dieser Brücken lohnt sich, Es gibt sogar einen lokalen Brückenwanderweg

Jona, ein Vorort von Rapperswil

Auf dem Sedamm zwischen Rapperswil und Pfäffikon SZ
Freyenweijer oberhalb von Samstagern
Blick zurück zum Seedamm der den Zürichsee so radikal teilt.
Ausblick in den Talkessel von Schwyz
Markanter Gipfel der Mythen
Die Rigi, rechts, verschwindet fast unter den Gewitterwolken
Zug der Arth-Rigi-Bahn, abgestellt in Arth-Goldau. Die Strecke nach Arth am See ist schon jahrzehntelang eingestellt
Blick von der Südseite des Zugersees ins Steuerparadies Walchwil
Die Rigi sieht von der Küssnachterseite ganz anders aus
Das Verkehrshaus Luzern beherbergt auch Gleisbaufahrzeuge der Sersa
Ausblick zum Pilatus
Entlang dem Alpnachersee, Ausblick Richtung den Berner Alpen
Stanserhorn

Über 15 Stunden nach der Abreise von Brienz, erreiche ich meinen Heimat- und Wohnort um 21.31 Uhr wieder.

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