05.01.2021, 1. Ausflug im neuen Jahr

Ich wünsche allen Lebewesen, inklusive uns Menschen, inklusive dir, jederzeit von Herzen Alles Gute und Liebe, Frieden und Seelenheil für jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde – jeden Augenblick deines Lebens!

Eigentlich wollte ich meinen ersten Tagesausflug im neuen Jahr schon gestern, am 4. Januar 2021, bei strahlendem Sonnenschein über dem Nebel, machen. Nach dem ersten Besuch im Spital wo mir meine Wunden an den Füssen gut behandelt wurden (warum kenne ich nur das schlechte Wort «malträtieren»? Kann mir jemand von euch das Gegenteil von malträtieren sagen?), war ich so müde das ich heimfahren und mich hinlegen musste.

Henusode! Heute soll die Sonne auch noch scheinen, bevor es morgen dann wieder zu schneien beginnen soll und für die nächsten zehn Tage schlechtes Wetter angesagt ist.

Ich habe allerdings Mühe mich aufzuraffen, muss noch dies und jenes erledigen und verlasse deshalb mein Heimetli erst nach dem Mittagessen.

Die Hochnebeldecke hängt heute etliches höher als wie gestern. Über dem südlichen Bödeli scheint anders als gestern keine Sonne.

Umsteigen in Interlaken Ost. Entgegen dem Fahrplan besteht der Zug nur aus einem Zugsteil nach Grindelwald.

Beim Passieren von Wilderswil sehe ich auf dem Gleis nebenan 2 Güterwagen der Schynige Platte Bahn SPB, die trotz erheblichem Unterschied in der Bauart, Länge und Achsenzahl eine identische Gattungsbezeichnung haben!?!

Ich bin verwundert, dass es trotz der zunehmenden Höhe in Burglauenen, wo das älteste Wasserkraftwerk der Jungfrau Bahnen steht, nicht wesentlich mehr Schnee hat.

1 Stunde nach der Abfahrt in Brienz (bzw knapp 90 Minuten nach Abfahrt in Bern) sehe ich endlich den Eiger vor mir aufragen.

Kurzum, nämlich in der neuen Haltestelle Grindelwald Terminal muss ich aus- beziehungsweise umsteigen. Der letzte Zahnstangenabschnitt unterhalb von Grindelwald beginnt seit dem Bau des Eiger Express etwas weiter unten, so dass die Haltestelle komplett drin ist.

Selbstgefällig erbaute Haltestelle ohne jeglichen Komfort, mit einem einseitigen Abgang. Während die ausgestiegenen Skifahrer Richtung Gondelbahn hetzen und erste müde Wintersportler auf das Perron kommen, nehme ich es gemütlich, schaue mir die Anlage an und versuche zu erraten warum die Bahnhofsarchitekten wohl so miserabel konstruiert haben.

Der Weg vom Bahnsteig zu den Luftseilbahnen ist heute schon zu klein dimensioniert. Es ist ein Drängeln, Drücken und Schubsen vom Übelsten. Es ist gut haben mehr als 90 Prozent der Skifahrer heutzutage Helme auf dem Kopf; sehr viele tragen ihre Skis trotz Verbot auf den Schultern, drehen sich immer mal wieder um und schlagen die Skis den anderen Skifahrenden an den Kopf bzw Helm. Sehr viele Wintersportler haben unterdessen ihre Masken unters Kinn gezogen, etliche rauchen Zigaretten, auf Vorschriften und Gebote wird nicht geachtet und Rücksicht auf andere Menschen wird nicht gewährt.

Nur rund 300 Meter sind bis zu den Gondelbahnen zu laufen. 2 kurze Rollbänder zwischen der Unterführung und der Gondelbahnhalle sollen müde Wintersportler unterstützen.

Rechts raus fährt die 10er Gondelbahn auf den Männlichen; im Hintergrund sieht Mensch die Gondeln des Eiger Express

Relativ wenig Personal in den Gondelbahnhallen dafür umso mehr Kameras.

Grosszügige Verkaufslokalitäten. Wer ein Ticket will, muss zuerst aber ein Nummerticket am Versteckten und nicht gross angeschriebenen Automaten ziehen, sonst gibt es nichts!

Obwohl klar beschriftet, nehmen die meisten Leute ein Nummerticket für Gruppenreisende, bemerken hinterher bzw. teils erst am Schalter ihren Irrtum und ziehen eine weitere Nummer. Andere wiederum ziehen extra eine Nummer für Gruppenreisende, werden somit sofort bedient; mit gespielt hilfloser Unschuldsmiene entschuldigen sie sich am Schalter und werden deswegen sofort bedient.

Ich muss keine Nummer ziehen, benötige kein weiteres Billett. Die Bergbahnenkarte, die ich im Sommer für 100 Franken zu meinem FVP (Eisenbahner) GA gekauft habe, ist auch auf dem neuen Eiger-Express gültig.

Der Einstiegsbereich vor der Gondel ist klar markiert. Bodenmarkierungen zeigen, leider aber wenig Corona konform, wie Menschen sich aufzustellen haben, um in die langsam vorbei fahrenden Gondeln einzusteigen.

Jede der 44 Gondeln bietet Platz für 26 Reisende auf geheizten Sitzplätzen in total 4 Sitzreihen. Für die Skis sind im Boden der Gondeln, extra formatierte Löcher ausgespart worden, so dass die Skis stehen können. Daran dass ein grosser Teil der Wintersportler heute aber auf Snowboards den Berg runter rutscht, hat offenbar niemand gedacht.

Ein Dutzend WintersportlerInnen nimmt neben beziehungsweise hinter mir Platz. Mehr als zehn Mitreisende starren die ganze Fahrt lang auf den Bildschirm ihres Mobilfons und haben kein Interesse für die Landschaft oder ihre Mitreisenden. Mehrere der ausnahmslos jüngeren Leute haben ihre Skischuhe selbstverständlich auf leere Polster ihnen gegenüber ausgestreckt.

Einer versucht aus lauter Langeweile mit einem Messerchen an einem Sitz gegenüber zu schnitzen. Erst als ich mich räuspere und grad was sagen will, beendet er sein Treiben und wird ganz rot im Gesicht.

Schöne Panoramafahrt, im untersten Streckenteil in Tannenhöhe, im mittleren Streckenabschnitt in grosser Höhe, weit über den höchsten Tannenwipfeln.

Mit etwas weniger als 30 Stundenkilometern schweben wir fast unmerklich über verschneite Tannenwälder und Alpen.

Kurzer Ausblick auf einen Ortsteil von Grindelwald;
das Wetterhornmassiv ragt aus dem Nebel.

Knapp 6.5 Kilometer lang ist die 3S-Luftseilbahn. Sie überwindet dabei 1’385 Höhenmeter. Nebelfetzen streichen um die Gondeln herum.

Ich werde die Fahrt wohl mehrmals machen können, ohne mich je zu langweilen. Es gibt so vieles zu entdecken.

50 Meter unter der Gondel verläuft die Strecke der Wengernalpbahn WAB.

Allein die Suche des Stollenlochs bzw die Fenster in der Eigernordwand braucht viel Zeit. Mit Hilfe des Links findest aber auch Du die richtige Stelle! Noch schöner ist es wenn Du einen Ausflug dorthin buchst.

Nach knapp 15 Minuten, erreichen wir die in die Felsen gesprengte Gipfelstation Eigergletscher.

Durch einen auch wieder mit Rollband ausgestatteten Felsentunnel erreicht der Reisende nun die grosse, neue Bahnhofshalle, ein Stockwerk über den Gleisen der Jungfraubahn.

Neu müssen ausnahmslos alle Reisende, auch diejenigen welche mit den Wengernalpbahn über Lauterbrunnen-Wengen, als auch über Grindelwald Brandegg anreisen und bereits auf der Kleinen Scheidegg in den Zug der Jungfraubahnen umgestiegen sind, hier in Eigergletscher erneut umsteigen.

Jede Stunde wird eine Verbindung von+nach der Kleinen Scheidegg und alle 30 Minuten ein „Shuttle“ von+nach Jungfraujoch angeboten (PDF Fahrplan).

Anders als beim Schienenverkehr sonst üblich, kann zudem auch im Bahnhof Eigergletscher neu an der Wärme und mit unterstützenden Aufzügen, Rolltreppen und -bändern in den Zug Richtung Jungfraujoch umgestiegen werden.

Dieses Gleis ist mit einem Tor ausgestattet, das sich kurz vor der Zugsfahrt öffnet und hinterher sofort wieder schliesst.

Jene Reisenden die unbedingt mit der Zahnradbahn via Kleine Scheidegg reisen wollen, müssen hier im Eigergletscher die Überführung benützend,

auf das nicht geräumte Perron auf Gleis 1 umsteigen.

Dies ist das Werk des umtriebigen Direktors der Jungfraubahnen, Urs Kessler. Der aus Gsteigwiler stammende, 5-10 Jahre jüngere Urs, hat sein Berufsleben als Bahnbetriebsdisponent, anders als ich bei den SBB, bei den BLS begonnen. Er machte kurz nach Lehrabschluss diverse Weiterbildungen in Marketing und Management. Vor über 30 Jahren startete er sodann seine Karriere bei der Jungfraubahnengruppe.

Die ursprüngliche Idee des Schlitzohrs Urs war, ein Aufzug im Berginnern von Lauterbrunnen aufs Jungfraujoch. Als die Idee aus Komfortgründen (allzu schnell grosse Höhenunterschiede) verworfen wurde, sollte eine Luftseilbahn ab Grindelwald Grund, als Ersatz für die Zahnradbahnen zum Eigergletscher und einen Aufzug im Berginnern bis zum Jungfraujoch gebaut werden.

Bevor er seine 1. Etappe, eine 3S-Luftseilbahn zum Eigergletscher realisieren konnte, rangen ihm die Gemeinden im Tal, Lauterbrunnen und Grindelwald, das Versprechen ab, die Zahnradbahnen auf den Berg weiterhin zu betreiben.

Welche Reisenden fahren noch mit den Zahnradbahnen über Grindelwald bzw Lauterbrunnen, wenn sie 1-2 zusätzliche Male umsteigen müssen?!

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Pluspunkt für die Gondelbahn, allerdings einer zugunsten der Jungfraubahnengruppe, ist die Tatsache, dass die Reisenden nicht mehr die Dörfer Grindelwald und Lauterbrunnen besuchen und dort konsumieren. Sie geben ihr Geld in den bahneigenen Konsumtempeln in Grindelwald Terminal, der Zwischenstation Eigergletscher und in der Bergstation Jungfraujoch aus!

Der die ganze Bahnengruppe dirigierende Multimillionär Urs Kessler hat zudem für sich und seine vermögende Kundschaft den Platinum Club erschaffen. Für “nur“ 12‘000 Schweizer Franken pro Jahr dürfen Inhaber in einer VIP Gondel reisen, sowie in Lounges an den Stationen im Luxus schwelgen!

Buvetten und Nudelshops hier oben sind geöffnet, nicht aber bediente Gaststätten Allerdings ist nur der Corona bedingte «ausser Haus» Konsum erlaubt. So kommt es, dass unzählige Sportler auf den Böden der Bahnhofshalle und auf Treppen sitzen und hier Erholungspausen machen undoder ihr Mittagessen einnehmen.

Selbstverständlich, dass die meisten hier drin wie auch in den Gondeln keine Masken tragen bzw. ihre Halsschläuche runtergezogen haben.

In der Umsteigehalle herrscht dicke Luft, ich behalte meine Maske auf!

Nachdem ich meinen Bahnhofsrundgang beendet habe, laufe ich wiederum in Gondelbahnstation.

Anders als auf der Hinfahrt, bin ich alleine, werde nicht gedrängt einzusteigen, kann in aller Ruhe fotografieren.

Auch in der 26 Personen Kabine bin ich alleine, kann mich also bewegen, auf alle Seiten rausschauen und die Fahrt in trauter Einsamkeit runter nach Grindelwald geniessen.

Anders als bei der Hinreise, hat sich der Hochnebel nun ganz dicht ins Tal rein verschoben. in der Mitte der Strecke gleite ich nun also sanft in den dicken Nebel.

Die Nebelfahrt erinnert mich ans Dampfbad in der Sauna.

Ganz unverhofft taucht plötzlich Grindelwald auf.

Im Zug der Berner Oberlandbahn sind die Sitzplätze der zweiten Klasse fast alle belegt. Viele, vor allem junge Reisende, ziehen es vor, anstatt zu stehen auf dem Boden und im WC zu sitzen. Notausgänge sind mit Skis und Schneebrettern zugestellt, Abfall des Tages allüberall, nur nicht in den vorgesehenen Behältnissen.

Noch ein paar Schlussgedanken und Fragen: Warum wünschen Menschen ihren Mitmenschen primär zum Jahreswechsel alles Gute? So wie am Ende des 31. Dezembers die Jahreszahl wechselt, wechselt alle 24 Stunden die Tageszahl, auch jede Sekunde ist neu und einzigartig, schon bald Vergangenheit und wird nie mehr wiederkommen! Besondere Wünsche zum Jahreswechsel sind in meinen Augen deshalb verfehlt, ja falsch und verwerflich.

Ich wünsche allen Lebewesen, inklusive uns Menschen und inklusive dir, jederzeit von Herzen Alles Gute und Liebe, Frieden und Seelenheil für jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde – jeden Augenblick des Lebens!

5 Gedanken zu “05.01.2021, 1. Ausflug im neuen Jahr

  1. Danke Markus, freut mich sehr wenn der Blog Dir gefällt. Du findest hier übrigens noch sehr viel mehr Ausflüge in der Schweiz und primär im Berner Oberland. Ich habe in den letzten 5 Jahren jeweils auch von den Funtreffen der schwulen Eisenbahnfreunde, von SERV-Reisen, Interrailreise. und von der Schwedenfahrt mit dem Krokodil berichtet.

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  2. Hallo Christoph schön gemacht dein Blog ! gefällt mir sehr und gibt mir Idee diese Orte zu Besuchen !

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  3. Lieber Christoph
    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht und die vielen tollen Fotos. Deine treffenden Kommentare habe ich wie immer mit grossem Interesse gelesen. Ich werde bei meinen Gruppenreisen aber weiterhin die Zahnradbahnen benützen. Das Zwangsumsteigen habe ich auch bemerkt, meine Bemerkung dazu ist nicht druckfähig. Ich freue mich auf Deine weiteren Berichte, ich lese jeden mit grossem Vergnügen. Alles Gute und herzliche Grüsse
    Edwin

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