04.10.2020, Ballyana

Schon kurz vor 7 Uhr stehe ich an diesem Sonntag morgen auf. Verdammt früh — aber ich bin ja pensioniert, mache nur noch freiwillige Arbeit und Vergnügen! 🥴🤣

Kurz nach 7:30 Uhr rolle ich im Zug schon den Brienzersee entlang gen Westen. Das Wetter scheint je weiter ich Richtung Unterland fahre, desto schöner zu werden. Im Hasli ist es hingegen, je länger desto dunkler.

Irgendwann bzw irgendwo zwischen Interlaken und Spiez schlafe bzw döse ich ein und

erwache erst wieder bei der Überquerung des Murgtals, zwischen Roggwil-Wynau und Murgenthal, 5 Minuten vor Ankunft in Olten.

Aussteigen, Rundgang durch den Bahnhof – hier arbeitete ich zwischen 1980 und 1984. Anschliessend Kaffee und Gipfeli im Buffet.

10.05 sitze ich in einem RE und sehe die ersten Mitglieder “meiner Family“. Aussteigen in Schönenwerd. Bin ganz verwundert, dass die Perrons hier immer noch mit den Hilfstritten aus Lochblechen ausgerüstet sind.

Zusammen mit Urs wandere ich den kürzesten Weg Richtung Ballyana. Eine grössere Gruppe Berner hat sich hingegen entschlossen, die Bahn zu unterqueren und einen anderen, längeren Weg zu spazieren oder im Bus zu fahren, henusode.

Gegen 10.45 treten wir in die Ausstellungsräume der Ballyana ein, wo uns Philipp Abegg, der Präsident des Stiftungsrates und des Vereines Ballyana bereits erwartet.

Herzliche Begrüssung und einleitende Worte bevor sich die grosse Gruppe aufteilt. Ich kenne den Bally-Park von Besuchen während des ersten Lehrjahrs und während meiner Zeit in Olten.

Mal schauen, vielleicht habe ich hinterher noch Lust zum lustwandeln.

Philipp Abegg führt uns als 1. durch die Firmen- und Familiengeschichte der Bally, zeigt wie der Ursprung aus der Bandproduktion stammte. Später entstanden Gummibänder, Hosenträger, Elastische Bordüren für Schuhe. Der Schuh stand also nicht am Anfang der Firmengeschichte der Bally, sondern die Produktion von Bändern aller Art. Die alten Maschinen die ursprünglich mit Wasserkraft (Bally Park mit Wasserkanal) liefen, werden nun elektrisch angetrieben. Philipp demonstriert uns diverse Maschinen der Bandproduktion und auch der Schuhfabrikation.

Die Firmengeschichte des 1851 in der Schweiz gegründeten Unternehmens ist einer der interessantesten Wirtschaftsfälle der Schweiz: Zwei Kriege hatte das Unternehmen überstanden, in den 50er- bis 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Bally zur Marke der Gewinner des Wirtschaftswunders und expandierte weltweit. Geschäfte an den besten Lagen, der Aufstieg schien nicht zu bremsen, bis es kam, wie es bei Familienunternehmen oft kommt: In den 70er-Jahren zogen sich die Mitglieder der Gründerfamilie aus der Geschäftsleitung zurück. Bally, dem Fußbekleidungslieferaten einer gesamten Nation, ging es nicht wirklich gut, Billigimporte, die Welt an sich – was auch immer.

Anfang 1977 erwarb der Schweizer Werner K. Rey die Aktienmehrheit von Bally. Bereits im Herbst desselben Jahres nutzte er seine Vormachtsstellung, um das Unternehmen mit einem Gewinn von 30 Millionen Franken an die Oerlikon-Bührle Holding zu verkaufen. Was Rey damals machte, nennt man betrügerischen Bankrott. Ich erinnere mich an eine Foto, als er nach seiner Flucht auf die Bahamas gefasst wurde und mit einer Fussfessel in die Kamera lächelte.

Der drohende Untergang des einzig wichtigen Schuhlabels der Schweiz hat unser Land erschüttert. Vergleichbares gab es erst Jahrzehnte später mit dem Ruin der Swissair. Das Ende schien absehbar.

1999 wurde Bally an die texanische Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group verkauft, die im Jahr 2000 die Schuhproduktion in Schönenwerd einstellte und den Firmensitz nach Caslano im Tessin verlegte. Damit begann die wundersame Wiederbelebung der Marke.

Irgendwo gelesen: …. nach wie vor kann man ein Bally-Produkt vermutlich nur dann ruinieren, indem man mit einem Panzer drüberfährt. Solche Werte haben wir gerne, heute, in einer Welt, die zunehmend unter Wasser steht…..

Nur am Rand gestreift wird das Thema Arbeitsbedingungen, Arbeitsfriede, Arbeiterfreizeit (Bally-Park), Corporate Identity – Erscheinungsbild der Firma Bally. Erinnerst Du dich noch an das Bally-Signet und die Bally-Schuläden an den besten Lagen der Städte?

Der 2. Teil umfasst die Sonderausstellung «Bally Monsieur – Der Herrenschuh seit 1851»

Welches Schuhwerk trägt der modebewusste Herr in den 1920er Jahren? Seit wann gibt es den «klassischen» Herrenschuh? Mit welchen Werbemitteln bringt Bally seine Modeschöpfungen «an den Mann»? Und welche Schuhe kauft Mann heute bei Bally? (Text auf der Website von Ballyana geklaut).

Auch hier zeigt uns Philipp Abegg sehr lebhaft die Geschichte des Herrenschuhs und die Entwicklung in den letzten 170 Jahren.

Wer weiterhin wissbegierig bzw. neugierig ist, darf für den 3. Teil zusammen mit Philipp ins Archiv runtersteigen. Philipp hat nämlich in Kleinarbeit, uns besonders interessierende Aspekte der Familiengeschichte der Bally hervorgesucht. Auch in dieser Unternehmerfamilie gab es ein paar Schwule (von Lesben ist wie gewohnt nirgends die Rede). Diese Männer führten teils ein sehr offenes Leben, obwohl Homosexualität bis in die jüngste Zeit nicht nur verpönt war, sondern offen lebende Schwule wo und wann immer möglich, verfolgt und abgeurteilt wurden.

Noch 1982 wurde mir vom Bahnhofinspektor in Olten und der SBB Personalabteilung in Luzern, unter Androhung von Strafverfolgung wegen Pädophilie verboten, männliche Lehrlinge im Bahnhof Olten auszubilden und auch sonst mit ihnen in Kontakt zu treten.

Herzlichen Dank Philippe für deine Ausführungen und deine Untermalungen der Geschichte mit (transkribierten) Briefen und Gemälden, Diapositiven und Fotos.

Ich bin müde und mag deshalb nicht an die weiteren Veranstaltungen von Aargay am heutigen Nachmittag.

Also fahre ich mit Bus und Bahn kreuz und quer durch den Kanton Aargau.

4 Fotos aus Obermuhen (WSB bzw AVA Strecke Aarau – Schöftland
In Suhr Kreuz die AVA die SBB AUF GLEICHEM NIVEAU

Mitte Nachmittag reise ich im Reusstal nach Rotkreuz und

Auf der Reussbrücke, westlich von Rotkreuz

weiter Richtung Heimat,

Am Rootsee entlang
Ist‘s ein aktiver Vulkan oder treibts mal wieder ein Drachen am Pilatus?
Das Stanserhorn ist hingegen frei von Gewölk.
Diffuses Licht knapp nördlich von Gm Sarnersee
Zwischen Sarnersee und Giswil
Aufstieg nach Kaiserstuhl
Blick zurück nach Giswil
Auch der Lungernsee zeigt sich in unterschiedlichem Licht
Diese Seen sieht Mann normalweise nur im Frühjahr, zur Schneeschmelze. Offenbar war die Niederschlagsmenge der vergangenen Tage recht gross!

über den Brünig und heim an den

Ausblick zum Talgrund und Richtung Engelhörner.

Brienzersee

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