02.04.2020, mit der Sommerzeit kam die Winterkälte

Pünktlich zum Ende der Winterzeit beziehungsweise dem Beginn der Sommerzeit ist es wieder eiskalt geworden. Die Temperaturen sinken in der Nacht auf bis zu 8° unter Null. Tagsüber bläst eine eisige Bise.

Ich mag nicht raus gehen beziehungsweise nicht länger als ein paar Mal für ein paar Minuten.

Mir gefällt’s in der Isolation, Habe endlich Zeit, mir mal wieder ein paar ältere Fotos anzuschauen

14. September 1958: sommerliches Familienfest auf der Terrasse des Giessbachhotels, ich sitze auf Mutters Schoss.
März 1963: Sonnenbad zusammen mit meiner Mutter auf der Terrasse “unseres“ Pfarrhauses in Saanen BE
04. April 1966: Spaziergang mit Grossvater am Quai auf der Trachtbachbrücke

Aber am Montag, 30.3.2020 muss ich dann doch raus, zuerst zur Lymphdrainage, anschliessend ins Spital zum Verbandswechsel. Trotz den vielen Schmerzmitteln, die ich auf Anraten des Arztes am Morgen früh geschluckt habe, gehe ich während der Behandlung fast die Wände hoch.

Wenn die Wunden jedes Mal wieder so stark ausgekratzt werden, wie sie eine Woche lang zugewachsen sind, dann wird das nie was – es ist zum Verzweifeln!

Die Werbung im Zug zwischen Interlaken West und Ost macht mich an: ich mag nicht mehr zu Hause sitzen und warten. Ich möchte gerne mal wieder Ferien, vielleicht sogar Interrailferien machen.

Auf der Heimfahrt sehe in Oberried aus den Augenwinkeln eine Herde von circa 30-50 Gämsen. Die Schneefallgrenze muss also tief runter gefallen sein.

Tolles Frühlingswetter, fast immer wolkenlos blau – wenn nur nicht diese stark blasende Bise mit ihrer eisigen Kälte wäre.

Am Mittwoch, 1.4.20 halte ich es drinnen nicht mehr aus.

Ich trinke meinen Frühstückskaffee dick angezogen draussen vor dem Haus und lese diverse elektronische Zeitungen. Bei mehreren Rundgängen ums Haus geniesse ich die sich nun jeden Augenblick verändernde Natur an Bäumen und Büschen, die spriessenden Blüten.

Lange halte ich es draussen aber doch nicht aus, diese verfluchte Bise.

Am späten Donnerstagnachmittag halte ich das Untätigsein nicht mehr aus: ich ziehe 3, nein 4 Shirts an, bevor ich mich aufs Rad lege. Zuerst radle ich am Ufer entlang,

ostwärts, dann den Berg rauf nach Schwanden und über Oberschwanden – Schried – Hofstetten – Ballenberg nach Brienzwiler.

Für die Talfahrt ins Aaretal muss ich mir trotz prallem Sonnenschein noch die Fleccejacke anziehen, es ist wirklich kalt.

Quer über die Landebahn des Militärflughafens fahre ich zur südlichen Talseite.

In der Goldey biege ich gegen Westen ab,

radle nun linksseitig des friedlich dahinplätschernden Oltschikanals dem Brienzersee zu. Die Aussicht zum Brienzerseegrat vom Brünigpass bis zum Harder ist gegenwärtig toll. Trotz der Nordlage sind die steilen Hänge jetzt schon, grösstenteils nur noch grün-weiss gesprenkelt, schön!

Einen weiteren kurzen Halt mache ich Aaregg.

Ich geniesse den Ausblick auf den aufgerauhten See und die von grösseren dunklen Wolken halb verdeckte Sonne.

Je näher ich dem Dorf komme, desto wärmer wird es.

Also gehe ich noch nicht heim, sondern radle noch weiter, auf der Hauptstrasse durchs Dorf, an der Kirche vorbei, zum Wildbach und weiter bis nach Ebligen.

Vom Zug aus ist mir schon etliche Male die schlimm aussehende Ruine des ehemaligen Gasthofs Hirschen aufgefallen.

Das langjährige Gerücht, wonach eine indische Gesellschaft, den ehemals so stolzen Hirschen, den ‘geschützten‘ Chaletbau mit der sonnigen Wirtsstube aufgekauft hat und hier jetzt etwas Neues errichten will, hat sich leider schon wieder bewahrheitet. Ein Inder aus Bern, hat 2017 den Gasthof halbgratis für schäbige 725’000 Franken ersteigert. Nun endlich wird an der Ruine gewerkelt.

Was wird hier wohl entstehen, schon wieder ein indisches Restaurant, schon wieder eine Übernachtungshotel für indische Bustouristen? Haben die schweizerischen Besitzer eigentlich nirgends mehr Anstand? Wird wie im Lindenhof in Brienz alles ins Ausland, primär in den Osten nach Indien oder China verkauft?

Dies sind die negativen Seiten unseres florierenden schweizerischen Tourismusgeschäfts!

Wenn ein Schweizer in Indien so eine Gaststätte kaufen möchte, ist das gesetzlich nicht möglich – wir Schweizer verkaufen aber Alles, auch unser Tafelsilber – Hauptsache es gibt kurzfristig noch etwas mehr Kohle! Kurzsichtige Politik – kein Wunder haben die Rechtsparteien wieder vermehrten Zulauf!

Die Sicht auf den See, auf Brienz und in die Natur ist gerade jetzt im Abendlicht (+-19 Uhr) einmalig schön.

Am Wildbach biege ich von der Hauptstrasse ab und fahre auf dem oberen Veloweg zur Bachtalen.

Über die Hängebrücke über den Ofenbielengraben rolle ich runter zum Hellgraben.

Hier ergibt sich die letzte gute Gelegenheit für Fotos auf Brienz und auf die Zentralbahn.

Am Erli vorbei radle ich alsdann zur Seematten

und über die Feldstrasse, die heutzutage mitten im Siedlungsgebiet liegt, zur Trachtlistrasse und heim, wo ich gerade rechtzeitig zur Tagesschau Hauptausgabe um 19.30 Uhr eintreffe.

Eine übersichtliche Darstellung der am Coronavirus Erkrankten und der Genesenen, sowie die Anzahl gestorbener Menschen jedes Landes, ist beim schweizerischen Fernsehen SRF offenbar nicht machbar.

Also stelle ich mir immer mal wieder etwas zusammen:

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