20.03.2020, keine neuen Nachrichten aus dem Bundeshaus

Der Freitagvormittag ist reserviert für den Besuch der Wundsprechstunde im Spital Interlaken in Unterseen.

Um 10 Uhr spaziere ich durchs Dorf Richtung See und Bahnhof. Ich bin Alleine auf weiter Flur.

Die mehrheitlich ältere Bevölkerung hier in diesem Dorfteil hat die unsinnigen, weil unpräzisen Weisungen des Bundesrates ernst genommen. Sie sitzen nun in ihren Häusern und werden erst recht krank, anstatt zumindest in den eigenen Gärten oder weiter weg alleine spazieren oder radfahren zu gehen.

Seit heute herrscht in Unterseen ein anderes Regime: Strikte Zutrittskontrolle am Spitaleingang, Ärzte und alle übrigen Fachleute tragen Mundmasken zum Schutz ihrer Patienten, es sind nur noch wenige zu behandelnde Menschen ambulant hier, die Behandlung konzentriert sich auf wenige Räume, d.h. zeitweise umschwirren mich 2-3 Fachpersonen.

Wie schon seit Anfang der Krise werden vor jedem Behandlungsschritt die Handschuhe gewechselt und zwischendurch auch mal die Hände desinfiziert. Nach 10 gezählten Handschuhwechseln höre ich auf mit zählen, obwohl die Behandlung noch nicht ganz fertig ist!

Nach Entfernung der Klebverbände und deren Begutachtung wird der alte Honigbelag auf meinen Wunden entfernt.

Ja, Honig aus Australien/Neuseeland, der nicht so Umweltverschmutzt ist wie unser hiesiger Honig, soll die Heilung effektiver ermöglichen. Nach einer kurzen Feuchtphase mit Salzwasser, wird die Wunde ein weiteres Mal begutachtet und versucht Rückstände zu entfernen, was höllisch schmerzt. Also dauert die Salzwassernassphase noch etwas länger und nasser, bevor die Wunden noch einmal ausgeputzt und ungesundes Gewebe mit der Pinzette entfernt wird. Mich dünkt in der letzten Zeit, dass bei jedem Besuch im Spital wiederum alles neugewachsene Material entfernt würde.

Die Wundränder werden sodann mit Zinksalbe behandelt. Der neue Tubenhonig fliesst jetzt direkt auf die Wunden und das ganze bevor der Honig verläuft, sofort zugeklebt.

Nichts Neues aus Bern — Stille!

Haben unsere Bundesräte endlich begriffen was wir SchweizerInnen wollen? Ausgangssperre, denn nur so halten wir SchweizerInnen uns an die Gesetze! Nein, noch nichts Neues!

Nach 14 Uhr beschliesse ich, trotz drohenden Gewitterwolken, einen kurzen Radausflug zu machen.

Auf der 1905 geplanten, aber zum Glück nicht ausgeführten ersten Trasse der Brienzerseeuferbahn, der heutigen Oberdorfstrasse radle ich ab der Gärbi Richtung Westen. Bei der Holzbildhauerschule biege ich dann allerdings ab zum Rybiweg, der bald steil gen Westen ansteigt.

Kurz nach der Millibachbrücke (Mühlebach) auf der rechten Seite war früher ein kleiner Spickel, wo ich als Kind zusammen mit meinem Grossvater häufig allerlei, auch giftige Schlangen beobachten konnte. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Die Schlangen mussten wohl 300 Meter weiter gen Westen, zu den neu errichteten Trockenmauern umziehen. Zuhause habe ich im Flurnamenlexikon nachgeschlagen: die Flur dort heisst offiziell “Wurmengarten“, was gleichbedeutend ist mit Schlangengarten.

Die Strasse gehet nun steil bergauf.

In der ersten Haarnadelkurve verlasse ich den oberen Rad– und Wanderweg nach Oberried, Um weiter bergauf zu radeln. Kurz darauf, im Schnabel, begegnet mir eine Liegeradfahrerin auf Talfahrt. Ha schön, gibt es noch andere LigaradlerInnen in Brienz. Die Frau ist zusammen mit ihrem Mann vor nicht allzu langer Zeit von einem Vorort von Bern aus hierher umgezogen. Kurze Zeit zum Dorfen in genügendem Abstand.

Ab dem Gwand (Grenze) wird die Aussicht über den See immer schöner. Bei der letzten Haarnadelkurve der Strasse, auf einer Höhe von 816 m über Meer, d.h. rund 250 m über dem See, fahre ich zuerst einmal geradeaus um den Millibach aus etwas näherer Umgebung zu sehen.

Dann fahre ich bergauf bis ans Ende der Strasse. Ja, der Gwandwald hat in den letzten Stürmen schon sehr gelitten!

Auf der Talfahrt geniesse ich immer wieder die grandiose Aussicht auf den Brienzersee, die Giessbach Wasserfälle, mein Dorf und das obere Aaretal. Zudem ergibt sich die Gelegenheit für diverse Gespräche.

Erst beim Runterkommen, sehe ich im Bifing, etwas oberhalb des Wurmengartens eine kleine Herde von Mutschen, braunen, hornlosen Brienzer Ziegen, herrliche, neugierige Tiere.

Als ich anhalte rennen alle sofort her und begutachten mich.

E so schön, solche Ziegen hätten meine Grossmutter und mein Grossvater, und später auch ich, immer gerne für unser Mätteli gehabt. Schade wurde nie was daraus!

Trotz ein paar Regentropfen fahre ich noch dem Millibach entlang bergauf, um die neue Bachverbauung zu sehen.

Es wurde in den letzten Jahren enorm viel gebaut und verbaut hier in Brienz. Auf den letzten schönen Matten stehen nun riesige Ein- und Mehrfamilienhäuser!

Schade diese Zersiedelung. Zudem benötigen die Bewohner allesamt ein Fahrzeug um die täglichen Einkäufe erledigen zu können und zur Schule zu gehen.

Bei etlichen Häusern frage ich mich, wieso die Bauvorschriften beziehungsweise die Bauverwaltung Brienz so etwas Scheussliches zugelassen haben!

Über Langachri und Louweli radle ich dem Rauwenhag am Trachtbach zu.

Die grossen Wurfstein-Schutzdämme bzw -Mauern zwischen Rothornbahn und Trachtbach, die nach der Unwetterkatastrophe von Brienz im Jahr 2005 erstellt worden sind, sind immer noch ganz kahl. Ich glaube nicht daran, dass diese Mauern mal überwachsen sein werden.

Da es nun doch vermehrt tropft, halte ich seltener an, sondern lasse mein Rad talwärts an meine Heimadresse an der Trachtlistrasse 1 rollen.

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