07.10.2019, Heimreise, im Transit durch Deutschland

Habe wunderbar gut geschlafen. Es ist empfindlich kühl geworden letzte Nacht, 0.6 – 1.2 Grad Celsius je nach Thermometer.

Frühstück gegen 8. Im 4 Sterne Novotel ist es auch heute morgen nicht möglich, dass die Kaffeemaschine nicht mehrfach kaputt oder zumindest für geraume Zeit ausser Betrieb geht. Endlich nach einer halben Stunde gibt es Kaffee, die Bustouristen haben da längst aufgegeben und sind gegangen.

Auch der Abräumservice funktioniert noch immer kommunistisch: Zuerst werden alle gebrauchten Tassen eingesammelt und in die Küche gebracht, dann die Gläser, dann separat alle weiteren Utensilien. Aufs Saubermachen der Tische hingegen wird trotzdem verzichtet, das muss offenbar jeder Mensch selber machen, ich könnte mich ärgern, aber das nützt ja doch nichts!

Ich verlasse das Hotel kurz nach 9 Uhr und spaziere gemütlich zum Stettiner Hauptbahnhof runter. Ich habe viel Zeit, kann noch allerlei Besichtigungen machen und den langen Bahnsteig komplett ablaufen.

Der Zug nach Berlin Gesundbrunnen besteht heute aus 4 Teilen, viel zu viel Platz. Sitze ganz vorne.

Der Lokführer bemerkt meinen interessierten Blick vorne raus sehr schnell und bemüht sich sofort krampfhaft darum, auch den kleinsten Spalt der freien Aussicht mit Tüchern, Uniformteilen und anderem mehr zu verunmöglichen.

Bei jeder Kurve rutscht der Vorhang umher, der Lokführer steht während der Fahrt jedes Mal auf um den Vorhang neu richten, was einmal sogar zu einer Schnellbremsung führt – armer Kerl, was hat der wohl zu verbergen?!

11.53 in Gesundbrunnen, 59 Minuten Aufenthalt, „toller Anschluss“, hahaha! Spaziere durch den Bahnhof. Auch hier ist es noch immer empfindlich kalt, 2 Grad Celsius. Esse Currywurst.

Endlich fährt mein ICE nach Frankfurt Main Südbahnhof ein. Die Wagen sind mal wieder falsch geordnet. Henusode.

Schöne Fahrt durch die Herbstlandschaft. Über Nacht haben die Laubbäume ihre Farbe geändert.

Kurz bevor wir das ehemalige Ost-Deutschland verlassen, sind südlich der Bahnlinie die recht hohen Kaliberge zu sehen.

Verrückt was für „Zeitbomben“ die Bevölkerung bedrohen: Als Monte Kali (oder auch Kaliberg, Kalimandscharo) werden umgangssprachlich mehrere künstlich geschaffene bergartige Abraumhalden in Deutschland bezeichnet, die aus kommerziell nicht verwertbaren Überresten der Kalisalzproduktion bestehen.

Sie stellen ein großes ökologisches Problem dar, weil das Salz mit den Niederschlägen abgewaschen wird und Böden, Grundwasser und Oberflächengewässer in der Umgebung belastet.

Der höchste Kaliberg ist der Monte Kali bei Heringen (Werra) in Hessen; er überragt die Umgebung um etwa 200 Meter (Gipfel etwa ). 

Der Zuglauf ist abstrus komisch: über die Schnellfahrstrecke rollen wir nach Halle – Erfurt und weiter nach Eisenach. Anstatt Bebra rechts liegen zu lassen und direkt Richtung Frankfurt am Main zu verkehren, rollen wir dann aber auf der alten langsamen Hauptstrecke nach Norden und unterqueren die Nord-Süd Schnellfahrstrecke.

Ungefähr 2 x 50 Kilometer beträgt die Umwegstrecke. Jetzt wird mir klar, warum so wenige Reisende in diesem Zug zum Flughafen Frankfurt sitzen.

Nach einem 15-minütigen Halt in Kassel Wilhelmshöhe, inklusive dem Kopf machen, rollen wir nun auf der Schnellfahrstrecke, überqueren die Bahnstrecke auf der wir eine knappe Stunde vorher nordwärts gefahren sind, rollen an Bebra vorbei Richtung Süden.

Umsteigen in Frankfurt Main Südbahnhof. Diese Bahnhof wird offenbar immer wichtiger als alternativer Umsteigepunkt zu Frankfurt Main Hauptbahnhof.

Mit ein paar Minuten Verspätung fährt auch mein Intercityexpress Richtung Zürich Hauptbahnhof ab. Wenn der Zug immer so schnell fahren sollte, müsste ich mich um meinen Anschluss in Basel SBB nicht sorgen.

In Biblis ist aber schon wieder ein Problem. Wir kommen neben einem Intercity ICE drei nach Stuttgart zum stehen. Personen im Gleis. Nach ungefähr 25 Minuten Warten geht es dann aber doch weiter Richtung Mannheim – Karlsruhe – Offenburg.

Mit 30 Minuten Verspätung erreichen wir den badischen Bahnhof von Basel. Erneut hören wir eine nachdenklich machende Durchsage der Zugchefin: Bevor die Reise weitergehen kann nach Basel SBB, wo dieser Zug heute ausnahmsweise endet, warten wir noch auf Anschlussreisende aus einem 1 Stunde verspäteten Intercity Express aus dem Rheinland.

Mir wird klar bzw immer klarer, warum alle Welt über diese katastrophale deutsche Bahn flucht!

Mit 50 Minuten Verspätung erreichen wir den schweizerischen Bahnhof Basel SBB. Nun ist klar, dass ich Brienz heute nicht mehr mit dem Zug erreichen kann. Es reicht gerade noch um im Bahnhof ein Mineralwasser zu kaufen, dann fährt auch schon mein Zug Richtung Interlaken Ost ab.

Bestelle mir das Brienz Taxi (zum einheimischen Preis von 60 Franken bis Brienz). 1 Minute nach Mitternacht erreiche ich Interlaken Ost. Schon werde ich erwartet und kurzum fahren wir über die Autobahn heimwärts.

Daheim in Brienz erwartet mich ein wunderbarer Sternenhimmel, die Berge scheinen weiss. Heute morgen werde ich gewahr, dass alle Berge rundherum weiss überzuckert sind.

Ein Gedanke zu “07.10.2019, Heimreise, im Transit durch Deutschland

  1. Welcome back, Christoph.. wieder ein spannender und amüsant beschriebener Reisebericht vom kleinen Fun-Treffen. Danke Dir, Rolf

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