05.10.2019, normal- und schmalspurig an die Küste

Um 6 in der Früh weckt mich das schlechte Gewissen: Ich habe gestern meinen Tagebucheintrag nicht zu Ende geschrieben und auch nicht veröffentlich. Bis 7.07 Uhr reicht es mir nicht, ich bräuchte noch 10 Minten. Ich brauche jetzt zuerst aber mal ein Frühstück.

Überraschung, in der Hotellobby müssen wir den Lift in die Hotelgarage nehmen und unterirdisch ins Hotel Ibis laufen. Grund ist ein frühmorgentlicher Wasserrohrbruch, der unser Hotelrestaurant unter Wasser gesetzt hat.

Das Frühstück im Ibis ist chaotisch. Ich esse nur wenig und gehe dann vorzeitig zurück in mein Zimmer. Es bleibt mir jetzt die Zeit das Tagebuch fertig zu machen und zu publizieren.

8:10 Uhr aus dem Hotel zu Fuss runter zum Bahnhof.

8:49 Uhr fährt der Regio Richtung Kolobrzeg, dh gen Nordosten ab. Anderthalb Stunden fahren wir mit diesem Zug bis Gryfice/Greiffenberg.

Der Zug ist platschvoll. Am Zwischenziel bleibt keine Zeit zur Stadtbesichtigung, unser Extrazug, ein einzelner Triebwagen der Greifenberger Kleinbahn wartet.

Kaum eingestiegen fahren wir auch schon los. Die Schienen verschwinden im Grün des Grases. Der Gleiszustand ist schrecklich, die Schienen sind abgenutzt, Schienenstösse sind zum Teil abenteuerlich schief. Gut können wir sitzen, ansonsten würde es uns trotz der geringen Geschwindigkeit von 10-30 Stunden Kilometern immer mal wieder zu Boden schlagen.

Vor über 40 Jahren war ich das letzte Mal hier, damals fuhren noch fast alle Züge mit Dampf, heute stehen diese Loks im Museum.

Vom ehemals über 150 Kilometer langen Streckennetz dieser Schmalspurbahn (750 und 1000 mm) sind knapp 40 Kilometer übrig geblieben. Auf den ersten 30 Kilometern fahren nur noch Dienstzüge. Auf 10 Kilometern entlang der Küste verkehrt im Sommer ein Touristenzug. Die EU hat hierfür Geld gegeben, wahrscheinlich war dieses zwar für die ganze Strecke gedacht; Anstattdessen hat man aber nur diese 10 Touristenkilometer entlang der Küste ausgebaut, diese aber königlich! Überall entlang dieser 10 Kilometer stehen nun überdimensionierte Bahnhofsgebäude, Zwischenbahnsteige, die nie gebraucht werden und auch der Bahnkörper ist so gebaut, dass schwerste und schnellste Züge hier auf diesen 10 Kilometern verkehren könnten.

Tolle Schaukelreise während 100 Minuten, bis ans heutige Ende der Strecke. An den interessantesten Flecken machen wir Fotostopps mit Scheinanfahrten und Durchfahrten.

Auf den letzten paar Kilometern vor Pogorzelica fahren wir auf Sichtdistanz von weniger als 100 Metern hinter dem Touristenzug her.

„Kaisermanöver“ ans Ende des Zugs. Zeit für weitere Fotos und den schon lange nötigen ’Gang hinter die Büsche’.

Nicht lange nach dem komfortablen Touristenzug, starten auch wir zur Rückreise. So bleibt uns genügend Zeit für einen weiteren Fotohalt unterwegs auf freier Strecke.

In Trzesacz, einem kleinen Badeort, halten wir um 12.55 Uhr für die Mittagspause bis 15.30 Uhr an. Der Badestrand und diverse Gaststätten liegen nur ein paar 100 Meter nördlich des Bahnhofs.

Leider beginnt es gerade leicht zu nieseln. Also rein ins Restaurant. Ich esse Fisch mit viel Gemüse und Bratkartoffeln. Es bleibt noch genügend Zeit für ein Dessert in einem Café und einen Gang über die Seebrücke.

Zu früh zurück beim Bahnhof, bleibt uns noch etwas Zeit den Touristenzug zu besichtigen und dessen komfortable Toilette zu benutzen.

Pünktlich fahren wir zurück Richtung Greifenberg, machen aber unterwegs wiederum ein paar Fotohalte und Scheindurchfahrten.

In Greifenberg machen wir halt auf einem Strassenübergang, so dass wir nur ein paar Meter ins Eisenbahnmuseum laufen müssen.

All die schönen Dampfloks, unzählige Dienst- und Güterwagen, Rollschemel und Rollböcke stehen hier ungeschützt, dh unter freiem Himmel, jammerschade!

Das ganze nennt sich Aussenstelle des staatlichen Museums für Eisenbahngeschichte.

Während die meisten von uns in die Stadt gehen, lungere ich zusammen mit ein paar wenigen Eisenbahn Fans über die Anlagen der meterspurigen Kleinbahn und der benachbarten Normalspurbahn. Abgestellte Reisezugwagen, rostende Skelette von Personenwagen, Depot, Werkstätten, Rollschemelgrube, Personenbahnhof.

18:42 Uhr fahren wir mit dem letzten Zug zurück Richtung Stettin. Wir sitzen in einem echten Lumpensammler, fahren alle möglichen Bahnhöfe an (selbst den 25 km von der Stadt entfernten Flughafenbahnhof) und halten immer wieder mal für mehrere Minuten, so dass die Raucher unter den Fahrgästen ihrem Opfer frönen können.

Gegen 21:00 Uhr sind wir zurück in Stettin. Offizielle Verabschiedung, das herbstliche Funtreffen ist hier zu Ende. Herzlichen Dank an die Organisatoren!

Mit etlichen anderen Freunden gehe ich in die Gasthof Brauerei Stara Komenda.

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