04.09.2019, Heerenveen

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Heerenveen

War müde, schlafe deshalb bis kurz vor 9 Uhr. Nach einem ausgedehnten Frühstück marschiere ich quer durch die Stadt ins Pflege- und Demenzheim Anna Schotanus. Wie schon beim letzten Besuch fällt mir hier die allgemeine Fröhlichkeit der Menschen, der Betreuten und Betreuenden, auf.

Als Anneke mich sieht, huscht ein Lachen über ihr Gesicht. Sie erkennt mich, herzliche Begrüssung. Anneke spricht fast ausschliesslich niederländisch, nur wenn ich ihr Fotos von Brienz und von Bern zeige, wechselt sie für ein paar Augenblicke ins Berndeutsche.

Anneke und Klaus im Anna Schotanus Pflegeheim

Wegen ihres speziellen Tagesprogramms erhält sie schon vor 12 Uhr, vor allen andere etwas zu essen. Anneke geniesst es, dass ich ihr Essen und Trinken gebe.

Gegen halb eins fahren wir im Behindertenbus zusammen mit 2 Pflegefachfrauen nach Haskerpoort (https://haskerpoort.nl). Das Krematorium ist ein moderner, futuristischer Bau (so muss eine Startrampe in den Himmel aussehen).

Anneke ist guten Mutes, trotzdem dass heute ihr Mann und Lebenspartner Klaus Pischinger, *07.10.1939, +28.08.2019, seinen letzten Weg antritt. Entgegen der Annahme von ein paar FreundInnen, weiss und versteht Anneke sehr wohl, dass sie sich heute von ihrem Klaus verabschieden muss.

Todesanzeige erhalten von und zum Abdruck genehmigt durch Hanno Pischinger

Ich bin trotz des traurigen Moments sehr glücklich, dass ich Anneke, heute auf dem letzten Weg ihres Mannes Klaus begleiten darf. Anneke und Klaus waren seit mehr als 30 Jahren beste Freunde von meinen Eltern und von mir. Wir haben bis zu ihrem Wegzug nach Heerenveen immer wieder gemeinsam etwas unternommen.

Herzliche Begrüssung durch die bereits wartenden Trauerfamilien und vorallem durch die vielen niederländischen FreundInnen aus der Grossregion Heerenveen.

Eindrückliche Trauerfeier unter Mitwirkung des Beerdigungsunternehmers, von Hanno Pischinger dem Bruder von Klaus, sowie von Harold de Bock, einem guten Freund von Klaus und Cousin von Anneke. Harold de Bock erzählt herzergreifend aus dem Leben und den Begegnungen mit Anneke und Klas, danke!

Ich gestatte mir, nachstehend die von ihm abgegebene deutsche Übersetzung seiner Erinnerungsrede, einfach so einzufügen:

Lieber Klaus und Anneke, Liebe Klaus und Anneke,

Familie, Freunde und Bekannte von Anneke und Klaus – aus Holland, Deutschland und der Schweiz.

Ich möchte heute einige Erinnerungen an Klaus mit Ihnen teilen. Und werde das aufNiederländisch tun. Den Deutschen und Schweizer Teilnehmern steht eine deutsche Übersetzung zur Verfügung.

Meine Name ist Harold de Bock. Anneke ist meine zweite Cousine. Annekes Mutter Woltjeund meine Mutter Jeltje waren Cousins, die zeitlebens in engem Kontakt miteinander standen. Meine Freundschaft mit Anneke entwickelte sich von dem Moment an, als sie in den sechziger Jahren Amsterdam verließ und nach Bern zog, und ich als Studentin ihr Zimmer in Amsterdam übernahm. 

Klaus, es muss 40 Jahre her sein, seit Clary und ich dich kennengelernt haben. An einem sonnigen Tag im Garten meiner Tante Wols in Oudeschoot anlässlich ihres Geburtstages. Für Anneke einen energischen und fröhlichen Mann, hatten wir uns gerade gedacht. Klaus, danach haben wir regelmäßig Kontakt gehalten und dich in der Schweiz besucht. Ich erwähne heute einige wichtige Erinnerungen zum Abschied.


Ungefähr 30 Jahren her. Clary und ich waren mit unseren damals sehr kleinen Söhnen nach die Vogesen zu Langlaufen gegangen. Als wir dort ankamen, war die Welt grün. Kein Schnee in Sicht und auch nicht zu erwarten. Wir haben gerade beschlossen, in die schneesichere Schweiz weiterzufahren. Wir haben dich und Anneke in Bern angerufen und sind zu dir gefahren. Klaus, mit deiner typischen fahrt sind wir gleich zum Bahnhof gefahren, wo Wintersportbroschüren sein könnten. Denken Sie daran: Das Internet existierte damals noch nicht. Und ja, diese Broschüren waren da. Du bist ins Telefon gestiegen und hast in kürzester Zeit einen tollen Wintersportplatz für uns gefunden. Wir waren dir so dankbar!

Langlauf ist ein roter Faden in unserer gemeinsamen Geschichte. Betrachte dich unseren wunderschönen Skiurlaub zusammen im Schweizer Rhonetal, Reckingen bei Goms, einem Lieblingsort von dir und Anneke. Später haben wir ein paar Mal mit dir Langlauf gemacht in Gantrisch wo du und Anneke einen Einstieg mit Ticketverkauf für die schönen Loipen hatten. Aus einem kleinen Holzhaus mit einer Topfheizung für die Wärme. Die Hütte befand sich zuerst an einem kalten Ort im Schatten des Waldes. Du hast dann das ganze Haus auf die andere Straßenseite verlegt, schön und sonnig. Da Anneke dort auf einer Bank sitzen konnte, als Langlaufen aufgrund von Knieoperationen für sie nicht mehr möglich war. Ich habe die bemerkenswerteste Skierinnerung an einem Langlauftag in Zweisimmen. Vor langer Zeit. Clary und ich – und unsere Kinder – waren noch Anfänger im Vergleich zu Anneke und dir. An einem bestimmten Punkt sagtest du: Ich gehe! Mit großer Geschwindigkeit bist du über die anspruchsvollen Loipen von Zweisimmen verschwunden. Eine halbe Stunde später warst du zurück. Du hattest zu viel von deinen Ski verlangt, der Richter war komplett in zwei Teile zerbrochen, der vordere Teil war komplett fertig. Es konnte nicht schaden: du könntest den Tag bei uns auch leicht auf anderthalb Ski verbringen. Das machte einen großen Eindruck auf uns.


Und Klaus, der persönliche Kontakt zwischen uns hat sich auch im Laufe der Jahre entwickelt. Du wolltest zum Beispiel über die Familiengeschichte vergangener Zeiten hören. Und als du vor ein paar Jahren damit begann, Annekes Versorgung in Bern zu organisieren und das schweizerische Recht vorschreibt, dass du dich um eine back-up kümmern müsste, erschien es dir nützlich, dass ich das sein sollte. Was ein Papiergeschäft was das! Und diese Papierhandlung war nicht weniger, als Anneke zu Anna Schotanus zog. Du wurdest aufgrund gesetzlicher Vorschriften und Pflichten in Bezug auf Mentoring und Verwaltung überlastet mit Papieren und Reglungen die auch für niederländisch sprechenden schwer zu verstehen sind. Wir haben es geschafft, in ein paar Sitzungen alles in Ordnung zu bringen, unsere letzte Sitzung war erst vor zwei Monaten. Das gab dir eine willkommene Ruhe, denn du wurdestplötzlich mit deinen eigenen zunehmenden Gesundheitsproblemen konfrontiert.

Rest leistete auch die Unterstützung, die du von Nachbarn und Freunden in Oudeschoot undHeerenveen erhieltest. Insbesondere deine Nachbarn Geert Jan und Saakje waren für dich eine sehr wichtige Unterstützung; du könntest immer mit Fragen zu ihnen gehen, für Geselligkeit, oder um Hilfe zu erhalten.


Ich erinnere mich auch an deine Videos und Fotos von Internet die du per E-Mail und später über WhatsApp gesendet haben. Es waren Stimmungen, eine Art Moodboard. Immer mit positiver und optimistischer Bedeutung. Das letzte, das du mir vor einem Monat gesendet hast, war am 28. Juli. Zwei Fotos. Der erste. Ein Baum mit Zweigen in Form eines Herzens, in den geschrieben steht: Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Guten Morgen“. Ich antwortete: Richtig! Und gleich darauf hast du gesendet ein Foto von einem Skûtsje Segelboot, die mit voller Geschwindigkeit scharf segelte. Kein zusätzlicher Text. 

Symbolisch denke ich jetzt. Ein paar Tage später hast du deine Lebenskurs gewechselt nach einen fernen Hafen, indem du Schutz gegen die Stürme finden würdest, die in Ihrem Leben eingetreten waren. Lieber Klaus, ruhe in Frieden.

Foto von und mit Genehmigung von Hanno Pischinger

Nach der Abschiedsfeier sitzen wir bei Kaffee und Kuchen, im Vorraum des Abschiedsraums zusammen, tauschen uns aus, sinnieren über Klaus und Anneke, geniessen den Moment im Kreis von Freundinnen und Freunden.

Herzliche Verabschiedung von Anneke, die bald einmal zusammen mit den beiden Pflegefachfrauen im Rollstuhlbus ins Heim zurückgefahren wird.

Am späteren Nachmittag bringen mich Freunde von Anneke und Klaus zurück in mein Hotel.

Ich bin erledigt!

Nachmittagsschläfchen!

Abendessen kurz vor 21 Uhr.

Danke Klaus für die Freundschaft mit Dir!w

Ich hoffe, dass Anneke jetzt wo Klaus nicht mehr kommt, er war bis Dato fast täglich bei seiner geliebten Frau, häufigen Besuch von ihren FreundInnen aus der Region um Heerenveen erhält!

Ich nehme mir vor Anneke 1-2 Mal jährlich zu besuchen.

Ein Gedanke zu “04.09.2019, Heerenveen

  1. Lieber Christoph,
    für diese Zeilen , kommt von mir ein goßes D A N K E.
    Alles Gute und weiter schöne Beiträge.
    L.G. Hanno

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