04.05.2019, Manchester-Leeds-Glasgow-Dundee

Habe nicht schlecht geschlafen, nachdem ich heute im ganz jungen Tag zum Tagesabschluss des vorigen Tags noch ein Moonraker Strong Ale (https://en.m.wikipedia.org/wiki/J.W._Lees_Brewery) getrunken habe.

Habe mich gestern entschieden, heute noch einmal nach Glasgow zu fahren, um den vergessenen aber vom Hotel gefundenen England-Zwischenstecker doch noch zu holen. An der Strecke über Carlisle wird an diesem Wochenende über längere Strecken gearbeitet, ich müsste 2 Mal eine Stunde im Bus fahren und 4-5 Mal umsteigen. Also habe ich mich für die Ostküsten-Strecke über Leeds – York -Newcastle upon Tyne – Edinburgh entschieden und gestern Abend noch Sitzplätze reserviert.

Es war nicht viele los, also habe ich mich der Dame am Schalter als pensionierter Eisenbahner anvertraut und mit ihr über dieses und jenes diskutiert. Das Schlimmste seien die verschiedenen Bahngesellschaften auf ein und denselben Strecken, der Wirrwarr der diversen Tarife und die divergierenden Kundenwünsche. Von Manchester nach Leeds fahren 5 verschiedene Bahngesellschaften auf der gleichen Strecke, aber zu unterschiedlichen Zeiten und mit je nach Tageszeit und Wochentag unterschiedlichen Preisen und Ermässigungen, ein heilloses Durcheinander!

Prächtiges, wenn auch eher kühles Wetter. Verzichte beim Frühstücken auf Milchprodukte, ausgenommen beim Cappuccino. Habe hinterher weniger Bauchschmerzen. Ich frage mich, warum ich jetzt lötzlich, im Alter, so stark auf Lactose reagiere!?

10.15 Uhr aus dem Hotel die paar wenigen Schritte in den Bahnhof rein. Ich bin nicht erstaunt, dass heute Morgen schon wieder viele, bleichhäutige und vorallem junge Männer in kurzen Hosen durch die Gegend laufen. Mir wären die angezeigten 9 Grad Celsius aber viel zu kalt.

Der ’Expresszug’ nach Leeds hält in etwa alle 5-10 Minuten und wird wie der Anschlusszug nach Glasgow von “Crosscountry by Arriva“ geführt und besteht nur aus einem 3-teiligen Dieseltriebwagenzug. Sehr schöne Reise über Land und auf der nordenglischen Gebirgsbahnstrecke über bzw durch das Penninen-Gebirge.

Parallel zur Eisenbahn (3 Tunnel, wovon 2 stillgelegt) verläuft ein Schiffskanal für die bekannten Narrowboats (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Narrowboat). Die Scheiteltunnel sind etwas über 5 Kilometer lang und haben eine sehr interessante Geschichte (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Standedge-Tunnels).

Umsteigen in Leeds. Grosser Bahnhof mit beidseitig sehr vielen Kopfgleisen. Auch die durchgehenden Gleise sind in 3-4 Sektoren unterteilt und von verschiedenen Zügen belegt. Aufgrund der vielen Bahngesellschaften sind die meisten Züge aber nur 2-5 Wagen kurz.

Vor den Abfahrtsmonitoren herrscht ein heilloses Durcheinander. Sehe heute hier zum 2. Mal einen riesigen 8-seitiges Abfahrtsmonitor mit alfabetisch aufgeführten Zugzielen inklusive Uhrzeit und Gleis.

Mein Anschlussexpress nach Glasgow besteht aus 5 Wagen und ist bei Ankunft schon heillos überbelegt. Der Service ist nicht gerade berauschend, dafür aber umso höflicher. Mein reservierter Sitzplatz wird selbstverständlich unaufgefordert, ohne dass ich etwas sage frei gegeben. Im 28-plätzigen Abteil sitzt eine 16 Leute umfassende Gruppe auf verschiedenen Plätzen verteilt. Sie sind alle schon recht angeheitert. Während die Männer aber immer ruhiger werden und nadisna einschlafen, beginnen die ordentlich angeheiterten Frauen immer häufiger zu keifen, schreien, quietschen und kichern.

Eine knappe Stunde vor der geplanten Ankunft in Glasgow fällt die letzte Toilette aus. Kurz nach Edinburgh wird der Zug immer langsamer. Wir schleichen einer S-Bahn hinterher. 40 Minuten zu spät erreichen wir Glasgow.

Hole im Hotel Artto den vor 2 Tagen vergessenen britischen Zwischenstecker ab. Die Stadt scheint im Ausnahmezustand zu sein. Fussballmatches, Rockkonzerte und Wochenende. Überall Gegröle, Bier saufende ‘Verrückte‘. Die Hotelzimmerpreise sind um 100 Prozent gestiegen. Trotzdem sind viele Unterkünfte ausgebucht.

Ich verzichte, fühle mich in dieser Welt sowieso nicht wohl. Gehe zurück in den Bahnhof und plane den weiteren Tagesverlauf. Carlisle wäre einen Besuch wert aber ich mag nicht auf halber Strecke auf den Bahnersatzbus umsteigen. Edinburgh mag ich heute auch nicht bleiben. Buche ein Zimmer in Bahnhofshotel in Dundee. Erst in etwas mehr als einer Stunde fährt der nächste Zug, aber ab Queen Street Station.

Gemütlicher Stadtspaziergang, mehrheitlich durch Fussgängerzonen. Hier sehe ich endliche die ersten Schottenröcke am Mann.

Der Bahnhof ist recht voll, aber der Zug nach Aberdeen ist übervoll. Anstatt 3 Wagen mit 1. Klasse sind es heute wegen eines Defekts nur 2 Wagen und nur Standard Klasse. Die Sitze sind sehr eng, ich kann selbst mit angezogenen Beinen nur knapp sitzen.

Wunderschöne Reise durch gebirgige Landschaften in die Spätnachmittagssonne, teils entlang dem Tay.

Mit ein paar Minuten Verspätung erreichen wir um 20.10 Dundee.

Das von mir gebuchte Hotel, erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommen, liegt wie ein Gipfeli quer über den Bahngleisen.

Ich kriege das schönste, vielleicht aber auch lärmigste Zimmer, grad über dem nordwärts führenden Bahnsteiggleis

und habe eine wunderbare Aussicht auf die Brücke über den Tay. Kommt Dir da auch der Theodor Fontane und seine Ballade “Die Brück‘ am Tay“ in den Sinn? Sie handelt vom Einsturz der Firth-of-Tay-Brücke hier in Schottland am 28. Dezember 1879, der mit einem Eisenbahnzug 75 Menschen in den Tod riss.

Schade, dass das Fenster nicht geöffnet werden kann. Henusode, ich beschliesse grad eine 2. Nacht zu bleiben und morgen eventuell von hier aus die Brücke über den Forth zu besichtigen.

Zuerst aber habe ich nun mal Hunger. In der Stadt

gibt es ein Fischrestaurant ‘Tailend‘ (https://www.thetailend.co.uk), das empfohlen wird.

Entscheide mich für einen geräucherten Schellfisch (leider etwas zu trocken) pappige Fritten und ein Glas Pino Grigio.

Stolzer Preis von 25 Pfund, nun ist mir klar warum hier in diesem Kellerrstaurant fast niemand isst!

Während des Schreibens des Tagebuchs gönne ich mir mal wieder einen Whiskey, einen Redbreast (https://redbreastwhiskey.com/en-EN/)

Kurz nach 1 Uhr bin ich schlafensbereit wieder in meinem Zimmer

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