27.04.2019, Hannah ist vorbeigestürmt oder doch noch nicht?

Bin froh, dass ich gestern noch rechtzeitig heim gekommen bin. Teils waren dann von drinnen Leute zu sehen, die sich unfreiwillig bewegten. Gemäss den Zeitungsberichten wurden gestern tatsächlich Sturmspitzen von über 150 km/h gemessen. Diverse Fischerboote bzw deren Besitzer mussten in sichere Häfen verbracht werden, sowie Leute aus Häusern und Autos gerettet werden.

Überall liegen noch abgerissene Äste oder umgefallene bzw demolierte Gerüste herum.

Viele Leute stehen heute morgen ganz offensichtlich neben den Schuhen. Mein Frühstück inklusive Morgenzeitung wird jeweils schneller abgeräumt als ich neue Waren wie Besteck, Essen, Getränke herantragen. Beim 3. Mal gebe ich entnervt auf, esse den Rest in meinen Händen und gehe dann ins Zimmer.

Es ist schön zu sehen wie auch die ihren geduldig in der Schlange stehen können und warten bis sie an der Reihe sind. Kaum sind sie aber durch die Bahnsteigsperre hindurch, wird ungehemmt gedrängelt und geschubst, bis sie dann beim Einsteigen in die Wagen wieder in der Schlange stehen.

Fahre mit dem Intercity um 11.25 nach Limerick Junction.

Dieses Mal ist es eine Lok die 9 Wagen, inklusive den motorisierten Steuerwagen schiebt.

Die Wagen wirken sehr geräumig, allerdings sind die Sitzpositionen, die nur elektrisch verstellt werden können, doch recht ungewohnt. Zusätzlich sind die Fensterscheiben blau getönt, was der Landschaft einen kalten Touch verpasst.

Naja, für 1 Stunde wird es gehen. Bevor es losgeht, lasse ich mir vom Kellner einen frisch aufgebrühten Kaffee servieren. Sofort fällt aber das unangenehme Rucken und Zucken dank der automatischen spanischen Klauenkupplungen auf.

Die Landschaft schaut komisch aus, so unwirklich!

12:22 Uhr in Limerick Junction, mache ich ein paar Fotos. Ich habe Mühe mich auf den Beinen zu halten, der Wind bläst immer noch ganz toll.

Steige also kurz vor Abfahrt in den Intercity nach Limerick, das wir eine gute halbe Stunde später erreichen.

Ich wollte hier eigentlich einen stündigen Stadtrundgang machen, verzichte aber angesichts der immer wieder auftretenden heftigen Regenfälle, Stürme und dem umherfliegenden Abfall notgedrungen da drauf.

14:10 Uhr gehe ich zum 2 Wagen Intercityzug nach Galway. Auf dem Bahnsteig spricht mich ein irischer Eisenbahner recht forsch und unfreundlich an, was ich denn hier wolle, wohin ich denn wolle, ich müsse zuerst meinen Fahrausweis vorweisen. Ich entgegne, andere Reisende zeigten auch nichts, zeige ihm dann aber doch mein Interrail.

Seine knappe Antwort, er kenne die anderen Reisenden. Als ich ihm noch einmal etwas entgegne, meint er nur knapp, ich könne ja den Zug verpassen und mich beim Bahnhofsvorstand da hinten im Büro beschweren.

Bin froh, habe ich frühzeitig Platz genommen. Es gibt nur die zweite Klasse, in enger Vorortszügebestuhlung. Bereits vor der Abfahrt ist der Zug komplett voll besetzt, inklusive aller Notsitze. Stehplätze bzw Sitzplätze auf dem Boden, wo er denn nicht von Gepäck, Haustieren, Fahrrädern belegt ist, für alle “zu spät“ gekommenen.

Es ist so eng dass ich mich zum Fotografieren nicht einmal recken kann. Hundslausig, dieser Service der irischen Eisenbahnen. Dies sei jeden Tag so, berichtet mir ein wortkarger Mitreisender.

Viertel nach vier in Galway.

Beim Verlassen des Bahnhofs fällt mir dieses tolle, ungefähr 1 x 3 m grosse Poster auf:

Habe mir ein Hotelzimmer 200 Meter vom Bahnhof entfernt reserviert. Uff, das 100 Euro teure “The Lane“ entpuppt sich als ein absoluter Reinfall! In einer dunklen Seitengasse gelegen, wo ich mich nachts nicht mehr hinein traute, befindet sich eine kleine eingeklemmte Rezeption. Äusserst freundlicher Empfang, nach Bezahlung des Zimmerpreises geht es mit dem modernen Aufzug in die dritte Etage. In den anderen Etagen, wo der Lift nicht hält, sind gemäss Angabe des Besitzers, der mich zum Zimmer geleitet, Budget Hostels, die nur über Treppen zu erreichen sind. Mein “geräumiges“ Zimmer hat maximal 10 Quadratmeter, zusätzlich 3 Quadratmeter Korridor. Die ’geräumige‘ Dusche ist etwa ein Viertel so gross wie die meinige zu Hause. Nicht einmal auf dem WC kann ich bequem sitzen, weil ein heisser Radiator im Weg ist. Das Fenster kann zwar geöffnet werden, die Aussicht ist aber nicht überwältigend, zudem lärmt unten eine scheppernde Klimaanlage. Immerhin, das Zimmer verfügt über eine Nespresso-Maschine! Bevor ich die Maschine selber benutzen kann, höre ich sie in den angrenzenden Zimmer links und rechts laufen. Auch alle Gespräche muss ich, ob ich will oder nicht, mitverfolgen. Aufgrund der Zimmergrösse hat es leider auch keinen Platz für nur einen einzigen Stuhl oder eine richtige Garderobe oder um einen Koffer zu öffnen..

Henusode, ich lade nur kurz meine Akkus und Relaxe. In der Stadt ist es tatsächlich überall sehr sauber!

Spaziergang in und durch die äusserst belebte Altstadt. Viel Volk, teils ein Gedränge. Alle die Platz haben, sitzen draussen, aber auch drinnen sind die Dutzenden von Pubs gut besetzt.

Ich laufe runter bis zum Fluss Corrib und über dessen Brücke. Das Wasser aus dem obenan liegenden Lough Corrib, der ungefähr 30 km lang ist, fliesst rasch ab, es geht der Ebbe zu.

Wie viele andere Naturliebhaber wandere ich auf dem Rechner Flussufer zum Nimmo‘s Pier und der Mündung entgegen.

Ich beobachte Wasservögel, Strandläufer, Fitnesssüchtige und die eindrückliche Natur sowie das nahende Unwetter, das dann aber doch an der Stadt vorbeizieht.

Der Wind ist eisig, ich bin froh habe ich mir noch eine Fleecejacke gekauft. Immer wieder spazieren aber Iren in kurzen Hosen und Frauen in äusserst knapp bemessenen Miniröcken vorbei. Winterhartes oder verrücktes Volk?!

Als die Sonne endgültig hinter den Wolken verschwunden ist, kehre ich um, staune auf einer Tafel welche Tiere hier der Bucht von Galway Alles zu sehen sein sollen.

Dann spaziere ich gemütlich wieder zur Stadt, durchs Fussgängerparadies und ins Hotel.

Ich mag in dem immer grösser werdenden Gedränge nicht einkehren.

Ich kaufe mir unterwegs eine Packung Schokolade Cookies und einen Tetrapack Cranberrysaft.

Gegen 20 Uhr daheim, das Zimmer ist eisig kalt und nicht beheizbar. Im Zimmer rechts läuft deswegen der Föhn.

Ich entkleide mich und schlüpfe unter die warme Bettdecke. Draussen und in den Fensterritzen pfeift wahrscheinlich immer noch der Frühlingssturm Hannah.

Erwache erst zwischen 5 bis 6 Uhr am Folgetag und beginne nun meine Tageserlebnisse zu notieren.

Angesichts des immer noch anhaltenden nassen, stürmischen und kalten Wetters habe ich mich entschlossen nach Belfast zu reisen!

Allerdings fährt mein Zug um 8.05 Uhr.

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