28.04.2019, von EU Irland nach nicht mehr EU Nordirland

Erwache zwischen 5 bis 6 Uhr. Noch immer reisst der Sturm alles was nicht fest sitzt mit sich. Trinke einen Kaffee und plane die kommenden Tage. Angesichts des immer noch anhaltenden nassen, stürmischen und kalten Wetters entschliesse ich mich nach Belfast zu reisen.

Der erste Intercity fährt um 8.05 Uhr. Habe vorher noch etwas Zeit, mit dem notieren meiner gestrigen Tageserlebnisse zu starten.

Rechtzeitig aus dem Hotel. Ducke mich unter dem Regen durch und haste zum Bahnhof. Lange Schlangen vor dem Kiosk und Kaffee.

Bin verwundert, dass das Ausfahrtssignal schön grün leuchtet und der Fahrer mit dem Gashebel spielt, als möchte er sofort und nicht erst in einer Viertelstunde losfahren.

Verzichte darauf mich mit Reisebeschäftigung für den Magen einzudecken, sichere mir angesichts gemachter Erfahrungen raschestens einen Sitzplatz im schon gut besetzten Zug.

09.38 halten wir in Tullamore. Endlich regnet es mal nicht mehr. Noch immer lastet aber schwerer, gleichförmiger, trübsinnig machender Nebel über dem Land. Von hier, aus diesem Kaff hatte ich auch mal einen Whiskey.

Die Geschwindigkeit des Zugs ist zwischen den häufigen Haltebahnhöfen teils so hoch 155-160 km/h und gleichzeitig der Gleiszustand so schlecht, dass es mir nicht gelangt flüssig zu schreiben. Hin und wieder ist “der Seegang“ ganz schön gefürchtig.

11 vor 11 erreichen wir unser erstes Etappenziel. Dublin Heuston. Umsteigen auf die Strassenbahn zum Conolly Bahnhof. Die alle 8-10 Minuten verkehrenden Strassenbahnen sind randvoll. Erst nach einer Viertelstunde wird es besser.

11.22 am Conolly Bahnhof. Noch ist nicht Boarding Zeit. Ich muss also in den Warteraum, wie hunderte anderer Reisenden auch.

Endlich, 15 Minuten vor Abfahrt des Enterprise-Express wird der Zug fürs Einsteigen freigegeben. Strenge Fahrkartenkontrolle ausser für mich. Als der Kontrolleur den Umschlag meines Interrails sieht, winkt er mich durch. Wie bisher immer, wurde mein Fahrausweis noch nie richtig kontrolliert.

Ich könnte also auf der nächsten Reise nur einen Interrail-Umschlag mit mir führen und gratis reisen. Kaum sitzen die meisten Reisenden der 1. Klasse, wird schon vor der Abfahrt ein Orangen- oder Apfelsaft serviert und die Menükarte abgegeben.

5 unterschiedlich reichhaltige Frühstücke zwischen 7.85 und 11.90 €uro können bestellt werden. Ich entscheide mich für das volle Frühstück und muss dann wie alle anderen Fahrgäste die sich für das volle Programm entschieden haben, warten, bis dass diejenigen die nur Kaffee oder Tee bestellt haben, bedient worden sind. Henusode.

Die Landschaft ist zuerst flach, die Äcker werden, so dünkt es mich immer kleiner. Ein kurzes Stück führt die Strecke auch am Meer entlang. Entlang der Strecke von Dublin nach Belfast ist wohnt fast die Hälfte der 6 Millionen Einwohner von Irland.

Langsam wird es hügelig, erste “Berge“ werden sichtbar. Dann überqueren wir auch schon die noch unsichtbare Grenze zwischen EU Irland und dem englischen, bald nicht mehr EU Nordirland.

Was wird sich hier wohl mit dem Brexit verändern? Habe in den letzten Tagen bei Supermärkten Bank und Post diverse Prospekte und Unterlagen gesehen, die sich mit dem Austritt von Grossbritannien aus der EU befassen.

14:15 Uhr erreichen wir Belfast Lannon Place. Ich habe anfangs gemeint, der Zug fahre nach Victoria Station und habe mir da in der Nähe ein Hotelzimmer gebucht.

Nun spaziere ich halt durch die Stadt und habe Zeit erste schöne Gebäude zu sehen.

Solche sinnstiftenden Schilder sollten auch bei uns an gewissen Orten platziert werden!

Das Zimmer im Radisson Park Inn kostet mit 63 bzw 65 Euro je Nacht und inklusive Frühstück etwas mehr als die Hälfte dessen, was ich für das Kämmerchen in Galway bezahlt habe.

Das Zimmer ist sehr modern, farbenfroh und mit neuen Möbeln ausgestattet. Insgesamt ist es auch circa dreimal so gross wie das Zimmer in Galway.

Genug wie genug, zuerst muss ich nun Relaxen, Batterien laden, ein kurzes Nachmittagsschläfchen tun.

Beim Anziehen reisst mein Hosengurt. Nun ist es bewiesen, das Ledersiegel war falsch, es war ein billiger Kunststoffgurt. Schon der zweite Gürtel der auf dieser Reise kaputt geht.

Die Damen an der Rezeption können oder wollen mir nicht helfen, sie zocken nur mit den Schultern, als ich sie nach Schnur oder Schuhbändeln frage.

Mit einer Hand in der Hosentasche, damit meine Hose nicht auf die Knöchel runter fällt, verlasse ich das Hotel und gehe auf die Sonntagssuche.

Nicht weit entfernt findet eine Renovation eines Gebäudes statt. In eine Abfallmulde sind mehrere Tischlampen hineingeworfen worden. Ich nehme eine raus, und schneide das Lampenkabel ab.

Mit diesem Gurtersatz kann ich momentan leben.

Es dämmert. Ich kehre um laufe wieder Richtung Hotel, muss aber das intensiv schön beleuchtete Rathaus anschauen.

Hinter dem Hotel befinden sich Gebäude von BBC.

In unmittelbarer Nachbarschaft kehre ich in eine Gaststätte namens Nando’s ein. Bin unsicher ob und wie ich bestellen kann oder muss.

Ein freundlicher Kellner begrüsst mich und erklärt mir, der ich Mühe habe seinen Dialekt zu verstehen, geduldig das System:

Speisekarte studieren, an der ersten Bar bestellen und bezahlen, auf die Speisen warten und an der zweiten und dritten Bar die Beilagen zusammenstellen und an der vierten Bar die Getränke entgegennehmen.

Ich erkläre dem Kellner, ich müsse die Gaststätte wohl verlassen, ich hätte, insbesondere wenn ich ein Tablett balancieren müsste, gewisse Gleichgewichtsprobleme.

Kein Problem, er hilft mir bei der Auswahl des Essens, stellt die Dinge zusammen und bringt sie mir an meinen Tisch. Das ist ein ausgezeichneter Service, danke!

Auch diese sinnstiftende Angabe, sollte bei uns auf Flaschen-Etiketten für Bier, Alkopops, Wein und

andere alkoholische Getränke aufgedruckt werden müssen!

Gegen 23 Uhr zurück ins Hotel, Mails und News lesen, Tagebuch schreiben.

Ein Gedanke zu “28.04.2019, von EU Irland nach nicht mehr EU Nordirland

  1. Lieber Christoph, herzlichen Dank fuer Deine Reiseberichte. Leider ist es hier in Holland auch nicht besser mit dem Wetter, nass und kalt. Dies ist mein letzter Kommentar vor meiner Abreise nach Riol, am Donnerstag. Erst ab Mitte Mai kann ich wieder am PC nachsehen was Neu ist. Alles Gute fuer Dich, sei gegruesst Klaus

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