24.04.2019, gibt es heute richtiges irisches Wetter?

Die Wolken fliegen tief heute Morgen, allerdings scheint trotzdem die Sonne. Regentropfen sind in der Luft, erreichen aber den Boden nicht, noch nicht.

Ich entscheide mich, heute eine Eisenbahnreise nach Rosslare Europort zu unternehmen. Zumindest die erste Hälfte der ungefähr 150 km langen Strecke soll sehr interessant sein, da sie zumeist am Meer entlang führt.

Der Fahrplan dieser Strecke ist äusserst kurios: nur 3 Intercity-Zugspaare, die die ganze Strecke befahren und ausserhalb der Vorortsstrecke jeden Bahnhof bedienen. Auf den ersten 30 Kilometern fährt mindestens jede halbe Stunde ein elektrischer Vorortszug.

Der Rest der Strecke ist nicht elektrifiziert. Die Fahrpläne zwischen Vorortszügen und Intercitys sind offensichtlich nicht abgestimmt, Überholgleise fehlen. Deshalb fahren bzw schleichen wir schon einen halben Kilometer nach der Abfahrt in Dublin im Blockabstand hinter einer S-Bahn her, mässen immer wieder mal anhalten, grünes Licht abwarten und erhalten doch keine Verspätung oder allerhöchstens 3 Minuten. Für die Gesamtstrecke benötigen wir gemäss Fahrplan 3 Stunden.

Zwischenfrage: heisst es eigentlich Dablin, Döblin, Dublin, Düblin bzw in welchen Sprachen spricht Frau/Mann was? Heute im Verlaufe des Stanges habe ich alle 4 Aussprachen mehrfach gehört!

Alle Züge hier in Irland sind sauberer als alle Züge in der Schweiz in den letzten 20 Jahren. Mein 4-teiliger Dieseltriebzug von Hyundai Rotem class 22000 (https://en.m.wikipedia.org/wiki/IE_22000_Class) scheint neuer, frei von Graffiti und vorallem sauberer. Der Zug kommt direkt aus der Wagenwäsche, Wassertropfen sind zu sehen.

Auch innen ist der Zug sauber und trotz über 10 Jahren in Diensten weder abgewetzt noch unappetitlich.

In der Tat sehr schöne Reise, teils auf Meereshöhe, hinter einer Schutzmauer die den Zug vor der brandenden Gischt schützen soll, teils aber auch in den Felswänden auf der gleichen Höhe wie die hier nistenden Albatrosse.

2 Mal geht es auch weiter weg vom Meer, durch teils “tief“ eingeschnittene Flusstäler.

Die Gleise sind tipptopp. Mann sieht, dass die Strecke, überall kündigen mehrere Tafeln dies an, seit 2006 dank der Co- Finanzierung durch die EU, topmodern ausgebaut wird. Die Bauarbeiten stehen offenbar kurz vor dem Abschluss.

Güterverkehr auf der Schiene ist aber Vergangenheit bzw Geschichte. Die Anschluss-, Freiverlade- und Überholungs- und Kreuzungsgleise wurden entfernt, jede Haltestelle und ehemalige Bahnhöfe hat genau 2 Aussenbahnsteige, mittels Unter- oder Überführung erschlossen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen werden dagegen mit Autos durch die Gegend gekarrt und somit aus der Gemeinschaft ausgeklammert!

Südlich der eigentlichen Vorortsbahn gibt es unzählige unbewachte Bahnbergänge. Viele davon haben Gates die immer geschlossen sind bzw nur für die Durchfahrt von Autos kurz geöffnet werden. An ein paar wenigen Bahnhöfen gibt es auch noch echte Bahnsteigkontrollen!

Auf der Fahrt nach Rosslare sitze ich links, mit teilweisem Blick aufs Meer. Auf der Heimreise sitze ich wiederum in Fahrtrichtung links mit Blick ins Landesinnere. Nie wird es mir auch nur ein paar Sekunden langweilig, immer gibt’s es etwas Interessantes zu entdecken.

Kurz vor Ende der Hinfahrt, in Rosslare Strand beginnt es zu nieseln. Das trübt die Sicht doch beträchtlich, dabei wäre die Strecke, mitten durchs Dorf und am Strand entlang sehr interessant. Der Zug schleicht hier nur 5 Meilen langsam dahin.

Recht komisch muten die Signale und Geschwindigkeitsbeschränkungen an. Bei Weichen gilt normalerweise 30 bzw 50 bei gerader Fahrt, bei der Fahrt über den ablenkenden Strang hingegen 20. Im Vorortsbereich gilt für Züge über Brücken häufig 50 – 60, für Lokomotiven hingegen maximal 20.

Rot+weisse Lichter verheissen Halt wenn sie waagrecht leuchten; das Gleiche in senkrechter Form heisst aber langsame Fahrt.

Beidseits den Gleisen weiden Schafe, Rinder, milchkühe mit schweren Eutern und Pferde, hin und wieder auch alle zusammen. Einmal sehe ich einen Hasen, mehrmals diverse Hühnervögel. In den Klippen nisten Möven, Albatrosse und Scharben.

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