21.03.2019, 5. Reisetag – 5. Land

Muss noch einmal früh um 06.30 Uhr aufstehen. Die Hotelrezeptionistin hat mir, da es Frühstück erst ab halb 8 gibt, einen kleinen Lunchsack vorbereitet.

Kurz nach 7 Uhr spaziere ich zum Bahnhof. Kaufe am Weg einen Käsekuchen und trinke einen schnelllöslichen gefriergetrockneten heissen Espresso.

Muss meinen Zug bzw das Gleis 24 suchen.

Es ist ein vierteiliger elektrischer Desiro von Siemens.

Ich setze mich ins vorderste Abteil rein. Dieses ist, wie ich erst später erfahre, eigentlich für Eisenbahner und Behinderte reserviert. Auch Touristen werden also geduldet.

Landschaft geniessen, dem Triebwagenführer über die Schultern schauen,

Frühstücken, Diskussionen mit “Kollegen“ (der Lohn eines Zugchefs beträgt 500 Euro, 1 kleiner Kaffee kostet 50 Cents). Fast 2 Dutzend Eisenbahner sitzen auf Dienstfahrt im Zug. Lokführer, Rangierer, Cargoleute. Auch eine Frau aus der Zentrale ist dabei.

Sie steigt an vielen Bahnhöfen kurz aus und übergibt den Rotkäppchen, gegen bis zu 15 Unterschriften, unzählige papierne Dokumente.

Als einer der BDZ Mitarbeiter sich seines Pullovers entledigt, springt sofort einer seiner Kollegen herbei und tätschelt unterbautem Gelächter dessen Bauch. Als ich geraume Zeit später, weil es im Wagen derart heiss geworden ist, meinen Pullover ebenfalls ausziehe und mein T-Shirt hochgeht und meinen Bauch freimacht, springt sofort einer herbei, drückt meine Bauchwürste, deutet auf seinen Kollegen, macht eine mir unverständliche Aussage und alle lachen!

Wegen allzuviele Unterschriften haben wir bald 15 Minuten Verspätung, die wir aber 5 Minuten vor dem Zugsziel in General Todorov wieder einholen.

Umsteigen und Zeit für ein Schwätzchen. Mein Zug macht Kopf und fährt nach einer Spitzkehre nach Petritsch, 10 Kilometer westlich. 8 Personale müssen ebenfalls nach Kulata, dh umsteigen. Der Zug für die letzten 8 Kilometer besteht aus einem 2. Klassewagen und einer BDZ Cargo gehörenden Rangierlokomotive der Baureihe 61 für Rangierdienste, Güterzüge und leichte Reisezüge. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 50 Meilen, bzw 80 km/h.

11.55 erreichen wir Kulata, Grenzbahnhof, 1 knapper Kilometer nördlich der Grenze.

Yvonne und Michali erwarten mich freudig am Perron. Herzliche Begrüssung, ich bin glücklich, die 2 Freunde gesund zu sehen, wieder zu sehen. Empfangsfotos. Es gibt vieles zu erzählen und nachzufragen. Michali behändigt sich sofort meines Gepäcks, verstaut es im Auto. Da die grüne Versicherungskarte fehlt, wollen wir raschestens über die Grenze nach Griechenland!

Gute 10 Kilometer in Kilometer, in Neo Petritsi gibt es im Dorf einen ersten griechischen Kaffee, bevor wir 3 Kilometer weiter in Vyroneia den dortigen Bahnhof besichtigen sollen. Die beiden haben für mich ein tolles Besichtigungs- Beobachtungs- und Reiseprogramm vorbereitet! Vielen lieben Danke! Im ehemaligen Bahnhofsgebäude befindet sich heute eine Taverne, die wirklich sehenswert ist. Appetithappen mit einem grossen Schluck kräftigenden Tsipouro.

Michali besucht noch kurz nach Ortsmuseum mit ausgestopften und lebendigen Kriechtieren von hier und aus Afrika. Wir helfen derweilen den abgemagerten Hunden der Region zu überleben.

Weiterfahrt zu einer Molkerei für Büffelmilch. Leider ist alles zu, wir müssen auf die Eiskrem aus Büffelmilch momentan leider verzichten.

Als Ersatz fährt uns Michali zum Nonnen-Kloster von Timios Prodromos (Johannes der Vorläufer), hoch über der Ortschaft Akritochori hoch, von wo aus wir eine herrlichen Ausblick auf den Kerkini-See und das ganze Umland geniessen können. Auf den hinter dem Kloster aufragenden Bergen verläuft die Grenze zwischen Griechenland und Bulgarien, sowie der Republik Nordmazedonien.

Dann aber müssen wir ans Ufer des Kerkinisees fahren, uns auf die Suche nach den Wasserbüffeln und den Vögeln machen.

Der See wird übrigens vom Wasser des Strymonas gespiesen. Dies ist der Fluss in dessen Tal die Eisenbahnlinie zwischen Bulgarien und Griechenland verläuft, auf der ich hergefahren bin. Der Seespiegel liegt nur noch knapp 30 Meter über Meer, der See selbst ist maximal 31.5 Meter tief, 14.5 Kilometer lang und ungefähr 27 Quadrakilometer gross.

Der See und sein Umland sind insbesondere bei Beobachtern von Wasservögeln und als Heimat von Hunderten Wasserbüffeln bekannt.

Michali fährt diverse Beobachtungsplätze und -türme an. Wasserbüffel sind nirgends zu sehen. Dafür sind aber in allen Dörfern, unzählige, teils dicht beieinander, von wartenden Störchen besetzte Nester zu sehen. Die Männer kommen lange vor den Störchinnen und besetzen Nester und bessern diese aus.

Am südlichen Ende des Kerkini-Sees sehen wir aus der Ferne etliche schwimmende und auch fliegende Pelikane, sowie Schwäne und vielerlei Reiher, Enten und Möwen.

Wir beschliessen schon früh, heute Abend hier in der Nähe des Sees in einem Hotel zu übernachten. In Lithotopos hat Yvonne eine gute, und weit herum empfohlene Unterkunft gesehen. Das Hotel Erodios liegt etwas über der Ortschaft und dem See. Der Zimmerpreis liegt leider höher als der bei Booking.com offerierte Preis. Es ist nicht nur mir unverständlich, warum Hoteliers nicht freiwillig bereit sind, dem Zufallsgast die gleichen Preise zu gewähren! Wir sind wahrscheinlich die einzigen Gäste für Heute Nacht, aber morgen Abend ist das Hotel gemäss Buchungsplattformen komplett ausgebucht. Yvonne und Michali verhandeln lange und schlussendlich, dank Tablet-Printscreen von Booking.com, erfolgreich für den gleichen Preis. Von 40.50 Euro je Zimmer inklusive Frühstück.

Nach Zimmerbezug und kurzem Relaxen geniessen wir einen Apero auf der Hotelterasse, bevor uns die Kälte zum

Abendessen ins Haus scheucht.

Ich bin ko, mag heute nicht mehr Tagebuch schreiben, sondern gehe kurzum schlafen.

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