19.03.2019, schon wieder in ein neues Land

Hin und wieder frage ich mich schon, wie gut die Rezeptionisten ihre Hotels kennen. Ich habe ein Doppelbett bestellt und bestätigt erhalten, der Mann an der Theke hat mir das Doppelbett (nicht 2 Einzelbetten mit Besucherritze) bestätigt, erhalten habe ich dennoch 2 kurze Einzelbetten, wenn auch ohne Bettstatt. Die Klimaanlage liess sich nicht regulieren, also habe ich das Fenster über Nacht, trotz fernem Strassenlärm offen gelassen.

Erwache schon etwas vor 6 Uhr. Versuche die Upload-Probleme zur iCloud, die ich gestern sofort nach dem Übertritt in Orbans abgeschottetes Ungarn hatte, zu beheben.

Bitte Feedback geben, ob das Tagebuch lesbar und auch Bilder im Tagebuch sichtbar sind!

Das im Zimmerpreis inkludierte Frühstück gibt es erst ab 7 Uhr, ich muss also aufs Essen verzichten, mein Bauch dankts!

Im Bahnhof werden für 07.05 Uhr an der grossen Anzeigetafel 4 Intercitys nach Bukarest angezeigt, wovon nur bei zweien ein Gleis angezeigt wird. Andauernd schwafelt eine schlecht verständliche Lautsprecherstimme etwas von wegen Bahnersatzbus und Inkonvenienzentschädigung. Gemäss MAV Auskunftsbüro darf ich ganz normal einsteigen. Der Inlandsteil des Zuges wird auf einer Teilstrecke durch Busse ersetzt.

Pünktlich auf die Sekunde fahren wir ab. Der nach Craiova-Bukarest durchgehende Wagen ist aussen versifft und innen dreckig. Die Luft ist staubig. Mit heller oder sauberer Kleidung möchte ich mich nicht auf diese Polster setzen!

Habe Hunger, esse bald einmal mein gestern Abend bei Spar gekauftes und jetzt nach Kunststoff stinkendes Sandwich.

Bin erstaunt über die vielen Langsamfahrstellen und über die grosse Anzahl gepflasterter aber unbewachter oder mit Halbschranken ausgerüsteten Strassenübergänge. Viele Leute und Autos stehen bereit, die Schranken zu umfahren! 😖

Hin und wieder gibt’s gellende Pfiffe und eine Schnellbremsung, aber zum Glück kein Unfall!

Viele verkehrende Reisezüge, Park+Rail ist hier in Ungern offensichtlich ein Erfolgsrezept. Das Gleis ist miserabel schlecht, abgefahren, Schwellen fehlen, fühle mich zeitweise wie auf hoher See, obwohl der Zug während Kilometer nur mit 20-40 km/h verkehrt

Die letzten 15 Kilometer vor der Grenze zu Rumänien ist das Gleis neu mit top ausgebauten Bahnhöfen, einmal mit 2 zusätzlichen Doppelbahnsteigen, noch ohne Gleisanschluss.

40 Minuten Aufenthalt in Lököshaza, Grenzaustrittsbahnhof. Die Kontrolle der 2 Wagen ist innert 10 Minuten abgeschlossen. Zwischen Ungarn und Rumänien gibt es momentan nur ein Gleis, das ist erst noch marode. Nach dem Abbau von einem Gleis, wird nun offenbar eine neue Doppelspur gebaut.

Curtici, Grenzeintrittsbahnhof nach Rumänien, wiederum über 30 Minuten Aufenthalt für nichts! Die Gleise und Fahrleitungsanlagen in Rumänien sind dank unbeschränktem EU-Geldmitteleinsatz, neu, üppig, übertrieben ausgebaut.

Südlich von Arad wurde die Gleislage zwar etwas verbessert, noch immer aber ist’s eine Schaukelreise.

Was mich aber immer mehr und sehr stört:ab Szolnok in der östlichen Mitte Ungarns, hat der Dreck in der Landschaft immer mehr zugenommen. Hier in Rumänien ist es schlimm!!! Keiner trägt Sorge zur Natur. Die Abfallentsorgung findet auf und neben den Strassen und Gleisen statt! Von Zeit zu Zeit wird versucht den Anfall zu verbrennen, wobei nebst Asche und toten Tieren viel Dreck übrig bleibt.

13.30 Uhr kommen wir in Timisoara Nord, zu deutsch Temeswar an. Erneut eine halbe Stunde Aufenthalt. Ich bleibe trotz exzellenten Spaziermöglichkeiten auf dem Perron im Wagen sitzen, mag mein Gepäck nicht allein lassen. Allzuviele neugierige Blicke von Zugspaziergängern verharren immer wieder auf meinem Gepäck.

Beim Blick in die Umgebung wir mir klar, warum so viele Tauben den Bahnhof bevölkern. 3 Gleise nebenan steht ein Getreidezug! Nicht nur das Dach ist dicht bevölkert von fressenden bzw pickenden Friedenstauben.

In Timisoara wurde ein erster Klassewagen, ein Speisewagen und mehrere andere Wagen angehängt. Ich verzichte darauf umzuziehen, sitze hier im Volk jetzt recht bequem.

Nun führt die Bahnlinie gen Südosten nach Caransebeś. Im Tal des Bachs Prisian steigt die Strecke stetig an. Auf 470 Meter über Meer durchfahren wir einen Scheiteltunnel.

Nun geht es abwärts, im östlichsten Tal des Banats rollen wir der Donau entgegen.

In Orschowa, knapp 20 Kilometer östlich bzw flussabwärts des eisernen Tors erreichen wir die grosse, breite, blau Donau. Der Fluss wird hier durch das Stauwehr von Drobeta Turnu Severin zu einem mächtigen See aufgestaut.

Wunderbares Abendlicht am Fluss, dem wir nun knapp 20 Kilometer weit folgen.

Der Zug fährt auf den Gebirgsstrecken meistens mit 15-30 Stundenkilometern, selten mal darüber. Dank elektronischem Tacho kann ich das Tempo gut messen. In der Ebene sind es zwischen 55 und 65 km/h, sofern es nicht gerade wieder ein maroder Streckenabschnitt ist, der nur mit 10-30 km/h befahren werden darf. Ich habe das Gefühl, die CFR, Caile Ferate Romane, die rumänische Staatsbahn, habe seit der rumänischen Revolution 1989, noch nicht so sehr vorwärts gemacht. An den meisten Bahnhöfen muss noch immer im Dreck ein- und ausgestiegen werden, der Reisekomfort ist gering, es ist lärmig und stinkt allenthalben — das Personal ist aber sehr freundlich, spricht leider keine Fremdsprache und zuckt auf Fragen hin häufiger mal mit den Schultern.

Immer wieder verschwindet die Sonne hinter den Hügeln, um Minuten später aus einem Taleinschnitt dann wieder feuerrot den Zug zu beleuchten.

10 Kilometer östlich der Stadt verlässt die Eisenbahn den “Bach“ und steigt erneut an. Durch noch nicht belaubte Eichenwälder und Waldbrandgebiete steigt die Strecke in Serpentinen erneut steil an.

Mal links, dann rechts eröffnen sich fast ungestörte Ausblicke aufs Tiefland und die mattgrau schimmernde Donau. Einzigartig schön!!!

Von hier oben erhasche ich um 18.35 Uhr ein letztes Mal am heutigen Tag, die unten an der Donau schon längst untergegangene Sonne. Nun dunkelt es rasch, ich schreibe Tagebuch, lasse den Tag Revue passieren und harre der Ankunft in Craiova nach 20.12 Uhr.

Pechschwarze Nacht, der Mond steht zwar hoch am Himmel, aber ich mache mir dennoch ein paar Sorgen. An den letzten 2 Haltebahnhöfen vor Craiova müssen die Reisenden zum Teil im Dreck aussteigen bzw über einen halben Meter unter dem untersten Trittbrett runter klettern.

Nur 6 Minuten verspätet erreichen wir meinen heutigen Zielbahnhof UND der Zug hält am Hausbahnsteig, danke!

Ich laufe vorsichtig durch schlecht beleuchtete Strassen Richtung Hotel. Die Gehwege sind komplett zuparkiert und da wo es auf den Trottoir Platz hat, hat es immer wieder, teils recht tiefe Löche, teils mit Wasser gefüllt — ich will nicht verunfallen.

Gutes rumänisches Abendessen mit Bergenbier und Honig-Nuss-Omelette

2 Gedanken zu “19.03.2019, schon wieder in ein neues Land

  1. Ciao Christoph, Tagebuch lesbar, Bilder nicht sichtbar. Deine Berichte lasse ich mir immer auf der Zunge zergehen. Danke und Gruess 😎 Robi

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