17.03.2019, … Uf u dervo, eifach uf u dervo

(für diejenigen, die meine Vatersprache nicht verstehen: aufgestanden und weggefahren). Es sind dies die letzten Worte aus dem Song von Gölä, einem schweizerischen Möchtegern-Büezer, Blödschnuri der Nation und Schnulzensänger. So hiess aber auch ein, während über 10 Jahren gesendetes schweizerisches TV-Format über Landsleute die ihr Glück in der Fremde suchten.

Soweit bin ich nicht, noch nicht und werde ich auch nie sein! Und im Gegensatz zu Gölä, der von einer neuen Heimat an der Sonne singt, aber die Schweiz noch kaum je verlassen hat, sondern lieber an einer Bierflasche hängt, habe ich mich heute früh aufgemacht, bekannte und unbekannte Gefilde zu besuchen und in ein paar Tagen oder Wochen wiederum glückselig und freudig heimzukehren in mein schönes Heimatland.

Noch immer packt mich in der Nacht vor der Abreise jeweils eine gewisse Nervosität, die auch meinen Schlaf stört. Ich reise vorderhand nicht mehr mit meinem Reiserucksack, sondern mit einem kleinen Rollkoffer und einem Wanderrucksack. Das Köfferchen wird nicht voll, aber ich weiss bis 5 Minuten bevor ich die Wohnung verlassen muss jeweils nicht, was ich vergessen habe, einzupacken.

Den Morgenhimmel zieren Schlieren, ein typisches Schlechtwetterzeichen. Henusode, ich fahre bald gen Osten. 7.02 ab Brienz, in Oberried weidet oberhalb des Bahnhofs noch immer ein Rudel Gämsen. Es wird also nochmals schneien. Umsteigen in Interlaken Ost. Um 7.50 in Spiez, 15 Minuten Zeit für Kaffee und/oder obligatorische Platzreservation. Entscheide mich für die Sitzplatzreservationen in den 3 heutigen Zügen und habe Glück, kriege noch 3 Mal einen Fensterplatz.

In unserem Entenschnabelzug ist das Ristorante geschlossen. Nach der Frage eines Reisenden beim Zugchef, wann es denn Kaffee gäbe, kommt am Lautsprecher die Durchsage, wegen eines Defekts an der Kaffeemaschine, sei der Restaurantwagen heute geschlossen. Ohalätz!

Kaum haben wir die Schweiz verlassen, stehen wir in Italien, im Bahnhof Varzo, auf dem Abstellgleis, Gleisbauarbeiten, Einspurbetrieb – wir müssen die Vorbeifahrt eines anderen Entenschnabels abwarten.

Um 17 Minuten verspätete Ankunft in Domodossola. Weiterfahrt mit 30 Minuten Verspätung wegen ungewöhnlich langer Grenzkontrollen durch die Italiener.

Am Langensee beginnt es zu nieseln. Die Berge im Norden, gegen die Schweiz hin sind allesamt von Wolken verhangen. 11.10 Uhr, Ankunft in Milano Centrale.

Trinke in der Cafeteria einen Cappuccino und esse ein Schoggigipfeli, weil es keine “Brioche vuoto“ mehr gibt.

Gemütlicher Spaziergang zu meinem Frecciarossa. Die fetten+dicken Ledersessel mit den fixen Armlehnen haben mir noch nie gefallen. Wenigstens sind sie bequem.

Es reisen ab Milano heute in diesem Wagen nur knapp 10 Leute mit. Henusode, so kann ich wenigstens in Fahrrichtung sitzen. Schon bald werden von einem Steward mit weissen Handschuhen die neuesten Tageszeitungen verteilt und anschliessend Chips, Blutorangensaft und Wasser kredenzt.

Geniesse die Reise mit Hochgeschwindigkeit gen Osten. Der Himmel klart zusehends auf.

Während der Fahrt über Damm und Brücke von VE Mestre nach Venezia Santa Lucia ist sogar die Sonne zu sehen.

Pünktlich 14.10 in Venedig, Bahnhofs- und Eisenbahnfotos, Spaziergang über den Bahnhofplatz. Am Kanal setze ich mich auf einen steinernen Poller und geniesse die Aussicht, sowie die Stimmung.

Kurz vor 15 Uhr verspüre ich Hunger. Spaziere durch die Rio Terà Lista de Spagna gen Osten. Es hat mir vielzuviele Leute hier.

Kurzerhand betrete ich die Trattoria Povoledo. Ich bestelle einen gemischten Gemüsesalat mit gekochtem Tintenfisch, Wasser und einen Viertel Rotwein. Hhmmm, herrlich mundet es mir, während ich den Schiffsverkehr auf dem grossen Kanal beobachte.

Satt verlasse ich die Terrasse um 15.35, bin bald darauf am Bahnhof, mache noch einmal ein paar Fotos und steige in meinen Railjet nach Wien.

5 Sekunden bevor der Sekundenzeiger springt, fahren wir um 15:54:55 los. Sonne-Wolkenspiel während der Zug zum Festland und gen Norden fährt.

In Udine ist es schon am Dämmern. Auch hier hängen die Wolken sehr tief. Die Pontebbana, zu deutsch Pontafelbahn von hier nach Treviso an der italienisch-österischen Grenze musste in den letzten 20 Jahre wegen Steinschlagproblemen komplett neu gebaut werden. Knapp die Hälfte der 90 Kilometer verlaufen seither leider in Tunneln, jammerschade!

19.11 in Villach. Hier schliesse ich den heutigen Reisetag ab. Nach Hotelbezug am Bahnhofplatz und kurzem Relaxen, spaziere ich durch die Innenstadt bis an das Flussufer der Drau.

Vor 14 Jahren haben wir auf einer Radtour von Basel entlang dem Rhein, über Albula und Reschen, durch Vinschgau und Puschtertal und entlang der Drau hier in Villach in der 3. Woche übernachtet.

Eine tolle Tour zusammen mit Günter aus Emden. Ein paar Tage später haben wir in Maribor am TV die Live-Berichte über die Unwetter in Brienz von August 2005 gesehen.

Im goldenen Lamm trinke ich ein dunkles Villacher, esse ein Salätchen und Kärntner Käsnudeln und geniessse zum Abschluss mit Waldbeeren gratinierte Mascarponecreme.

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