25.11.2018, 59+364: Rolf, ein liebenswerter Mann überrascht Familie, FreundInnen und Kollegen

Ich muss schon vor der Morgendämmerung, im abnehmenden Vollmond mein Heimetli verlassen, um rechtzeitig die Grossstadt an der Limmat zu erreichen.

Trotz tollen Lichtverhältnissen beschliesse ich, heute für einmal auf Fotos und Tagebuch zu verzichten, den Tag mit allen anderen Sinnen zu geniessen!

Rolf, mein Freund und ehemaliger Kollege, hat zu seiner Vor-Geburtstagsfeier eingeladen. Obwohl heute wichtige Eisenbahner nicht arbeiten, sondern zusammen mit Rolf feiern wollen, erreiche ich den nebligen Hauptbahnhof Zürich störungsfrei!

Um 09.25 Uhr sehe ich ihn, den noch 59 Jährigen, mit tief über die Ohren gezogener Strickmütze, zappelig und alleine unter der grossen Uhr in der Zürcher Bahnhofshalle stehen. Herzliche Begrüssung!

Immer mehr bekannte und unbekannte Gesichter finden sich ein. Kreativ gestaltete Vornamensschilder mit lustigen Symbolen, zB Nuggi, Familie, Drämmli, Flügelrad

und andere mehr werden zusammen mit der Sitzordnung verteilt.

Was hat Rolf wohl mit uns vor?

Kurz vor 10 Uhr, 3 elegante SBB-Triebfahrzeuge

stehen in unmittelbarer Nähe, marschieren wir zu den Perrons.

Was für eine Überraschung: Auf Gleis 12, im knapp 80-jährigen Triebfahrzeug von 1939, dem Churchill Doppelpfeil hat Rolf Plätze für uns reserviert.

Sir Winston Churchill reiste 1946 als Staatsgast in diesem Zug durch die Schweiz.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/SBB_RAe_4/8_1021

Die Tische sind reichlich gedeckt für diese Brunchfahrt im Kreise von liebenswerten Menschen.

Leider ist der Nebel dicht und die Scheiben beschlagen – das tut unserer guten Stimmung aber keinen Abbruch!

Wir verlassen Zürich, schon eifrig am Zmörgele, gen Norden. Über Wallisellen erreichen wir auf der neuen Überwerfung des Hüerlisteins die Strecke der ehemaligen schweizerischen Nationalbahn (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schweizerische_Nationalbahn), der wir bis zu unserem kommerziellen Zwischenhalt am Untersee des Bodensees folgen werden.

Von der ehemaligen Maggifabrik (https://www.nzz.ch/article7Y17T-1.365897) in Kemptthal ist nicht mehr viel zu sehen. Bald darauf erreichen wir die Eulachstadt Winterthur, wo wir einen technischen Halt einlegen müssen.

Die leider mehr schlecht denn recht zu verstehende SBB Reiseleiterin macht unterdessen auf die Sehenswürdigkeiten im Nebel aufmerksam und auf die 4 bedeutenden Brückenbauwerke der Eisenbahn, die wir heute befahren oder zumindest sehen werden.

Auf der Nationalbahn fahren wir bald darauf durchs Zürich Weinland und dem Tal der Thur entgegen. Die Thurbrücke kurz vor Ossingen ist, obwohl die Scheiben noch immer beschlagen sind und die Aussicht sehr beschränkt ist, ein Fotohalt wert.

Diese Thurbrücke ist die bedeutendste noch erhaltene Eisenbahn-Gitterbrücke der Schweiz mit eisernen Pfeilern.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Thurbrücke_Ossingen

Nun steigt die Strecke wieder an. Links und rechts sind Weinberge zu erahnen. Wir fahren westlich des Stammerbergs vorbei nach Etzwilen — Stein am Rhein — Eschenz.

Vollgefressen haben wir hier eine knappe halbe Stunde Zeit uns die Füsse zu vertreten und Eschenz im Nebel zu geiessen.

Der Freihof, wo eine Kleincousine von mir wohnt und wo ich ein paar Mal im Landdienst war, wäre nicht allzu weit entfernt. Ich bleibe aber lieber bei der Truppe, versuche die Sonne zu erahnen, die wohl bald durchbrechen wird — einen kurzen Durchbruchversuch, wenn auch ohne gravierende Folgen, macht vorderhand aber nur der Rote Pfeil.

Auf die ausdrückliche Aufforderung von Rolf hin, nehme ich mein Öpfelhändy nun doch aus der Tasche und beginne ein paar arrangierte Fotos zu schiessen.

Kaum sind alle Reisenden wieder im Zug und wir aus Eschenz in Richtung Westen, gen Schaffhausen abgefahren, bricht die Sonne durch. Der wolkenlos blaue Himmel heitert uns noch weiter auf.

Auf der Fachwerkbrücke die Feuerthalen mit Schaffhausen verbindet, können wir einen weiteren kurzen Halt einlegen.

Grandiose Aussicht auf Munot, Altstadt und Rhein.

Kurzum fahren wir weiter

in den Emmersbergtunnel, erreichen in einer grossen Kurve Richtung Süden

den Bahnhof Schaffhausen und können ohne Anzuhalten durchfahren.

Nicht weit ist es nun bis Neuhausen, wo unser Zug immer langsamer wird. Nach der Durchfahrt zwischen diversen Gebäuden der ehemaligen SIG (Eisenbahn- und Waffenfabriken, https://de.m.wikipedia.org/wiki/SIG_Combibloc_Group) und dem Gebäude der eben erst eröffneten Smilestones Miniaturwelt (https://www.smilestones.ch) geniessen wir einen Panoramablick

auf den Rheinfall, das Schloss Laufen am Rheinfall und die gemauerte Eisenbahnbrücke oberhalb des Rheinfalls. Der Rhein führt immer noch sehr wenig Wasser! Schade, dass wir hier nicht anhalten können.

Im Niemandsland zwischen der Schweiz und Deutschland tauchen wir wieder ein in den dichten grauen Nebel. Wieder beschlagen sich die Fensterscheiben und werden von unermüdlichen Mitfahrenden klar geputzt, Danke!

Kaum haben wir wieder Schweizer Boden unter den Rädern verlangsamt der Lokführer die Fahrt ein letztes Mal nur für uns.

Wir fahren nämlich über die einen knappen halben Kilometer lange, 50 m hohe, unter Kulturgutschutz und Denkmalschutz stehende, eiserne Fachwerkbrücke von Eglisau (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnbrücke_Eglisau).

Kurz vor 14 Uhr erreichen wir auf Gleis 16 wiederrum unseren Ausgangspunkt Zürich HB.

Lieben Dank Rolf, für die Einladung zu diesem Brunch und dieser trotz Nebel heiteren Rundfahrt!

Zusammen mit ein paar Eisenbahnern darf ich noch Rolfs Wohnung und seine Spur 1 Eisenbahn, Massstab 1:32, Spurweite 45 Milimeter besichtigen.

Ich war zwar schon ein paar Mal bei Rolf, ich staune aber immer mehr mit welcher Präzision und Detailgenauigkeit Rolf an seiner, fast die ganze Wohnung beherrschende Anlage arbeitet!

Tolle Sache, gestandene Eisenbahner aller Berufszweige befassen sich in ihrer wohlverdienten Freizeit ernsthaft mit dem fahrenlassen dieser Züge.

Alle Lokomotiven und Züge werden nadisna in Betrieb genommen, verlassen den Schattenbahnhof, drehen ein paar Runden auf der Anlage und werden wieder fein säuberlich abgestellt!

Erst kurz vor 19 Uhr, schon längst ist es finstere Nacht, mache ich mich auf den Heimweg.

Kurz unterhalb des Brünigpass hat der Nebel ein Ende. Bald darauf sehe ich den noch immer fast vollen Mond hell vom Himmel auf den Brienzersee und die umliegenden Berge scheinen.

Ein wunderschöner Tag neigt sich dem Ende zu, herzlichen Dank lieber Rolf!

Ein Gedanke zu “25.11.2018, 59+364: Rolf, ein liebenswerter Mann überrascht Familie, FreundInnen und Kollegen

  1. Lieber Christoph – Ganz herzlichen Dank für Deinen spannenden und mit passenden Bildern geschmückten Bericht über meinen «Jubiläums-Tag». Du hast mich damit freudig überrascht – Danke, Rolf

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