18.5.2012, reale Bahnfahrt und Träume unserer Reiseleiterin

Ich habe nicht schlecht geschlafen, obwohl ich ein Zimmer zur Strasse hin hatte. 

Bereits um 6:45 Uhr beginnt das Frühstück. Ein Gedränge herrscht, furchtbar: Mal gehen die Brötchen aus, dann fehlt Aufschnitt und Käse, dann spinnt die Cafémaschine und die Gäste erhalten energische für den korrekten Gebrauch derselben, dann fehlt Butter. Irgendwann gebe ich es auf, höre auf zu essen, gehe in mein Zimmer und packe. Kurz vor 8:00 Uhr ist mein Koffer bereits im Bus verladen.
Mit der Erlaubnis von Lucia (2. Reiseleiterin; danke) gehe ich vor der Gruppe zum Bahnhof runter um den Betrieb zu bestaunen und zu fotografieren. 

08.31 Uhr, auf die Minute pünktlich fährt unser Zug bestehend aus einer Diesellokomotive und zwei Wagen zum Bahnhof raus, abwärts, ins Tal runter, Richtung Macomer. Die Strecke wurde offensichtlich modernisiert, all die unzähligen kurvigen Abschnitte sind verschwunden, 

der Zug fährt doppelt so schnell wie noch vor zehn Jahren. Nach 70 Minuten erreichen wir Macomer, Endbahnhof. Hier müssen wir umsteigen auf die Normalspurbahn nach Norden, d.h. nach Olbia.

Während die meisten anderen Mitreisenden zum Kaffee gehen, besichtige ich mit ein paar Unentwegten die herumstehenden Züge der 950 Milimeterbahn.

Auf Gleis 4 steht ein neuer Stadler Triebwagenzug, Dieselmotor läuft, Schienenbusfahrer und Instruktor im Führerstand.

Plötzlich eilts, schnell zum Normalspurbahnhof laufen, 
10:20 Uhr schleicht sich ein dreiteiliger CAF Zug in den Bahnhof ein. Einsteigen und schon geht es los. Trotz Wildleder-Plastiksitzen und Dieselmotoren reist es sich ganz gut in diesem spanischen Triebzug.

11:51 Uhr erreichen wir Olbia, wo wir schon von unseren Busfahrern erwartet werden. Ein paar Kilometer zur Stadt raus halten wir schon wieder an, besuchen eine Gaststätte und genießen einen Teller Pasta sowie ein Schnitzel mit drum und dran.

Der Nachmittag gehört dann ganz unserer Schweizer Reiseleiterin und ihrer Art von Touristenführung: mit dem Bus reisen wir entlang der Costa Smeralda und dem Meer gen Norden bis Porto Cervo. Hier müssen wir umsteigen auf eine Gummibahn (Traktor mit 2 Personenanhängern, kaschiert als Dampfeisenbahn). Durch die Nobelstrassen des mondänen Orts geht die Tour, vorbei an mit hohen Mauern abgeschirmten Luxusvillen, schrecklich, absolut öd. Das ist wie eine Rundfahrt durchs Villenparadies an Zürichs Goldküste. Was soll dieser Scheiss? 


Alsdann weist Sie die Fahrer an, uns nach Capriccioli zu kutschieren. Hier besucht Sie mit uns den östlichen grobkörnigen Sandstrand, ihren Lieblingsstrand. Das Sonnenlicht sei an diesem Strand am Nachmittag am schönsten. Naja, schön ist es, aber ich hätte eigentlich lieber den westlichen Schildkrötenstrand besucht.

Nach 17 Uhr dürfen wir endlich ins Hotel Nibaru (http://www.hotelnibaru.it/?lang=de#), wo wir vorhin schon vorbeigefahren sind. Zimmerbezug, Relaxen, Tagebuch schreiben und/oder Apéro. 19:00 Uhr Abfahrt per Bus zum Abendessen irgendwo an der Küste oder im Niemandsland! Uschi zeigt uns noch diese und jene Örtlichkeiten, Aussichtspunkte wo sonst immer reiche Leute unterwegs seien – sie möchte mehr Geld haben – ist die Frau gaga?

Abendessen ist in einer Campingzelt-Gartenwirtschaft am Strand. Es luftet teilweise böig kalt und dauert extrem lange, bis endlich serviert wird. Auch in dieser Gastwirtschaft scheinen zwischendurch mal Mängel zu herrschen. Schade so ein Abschlussnachtessen auf Sardinien zu geniessen. 

Immerhin, Uschi kümmert sich vorzüglich und liebevoll um uns, fragt hundert Mal nach ob Alles iO sei. Keiner Traut sich was zu sagen, aber hinterher zwitschern etliche, ungefragt wie eine grosse Schar Spatzen, über den Abend

Uschi, bitte bereite Dich das nächste Mal auf die von Dir begleitete Reise, die Reisteilnehmer, deren Interessen und die Art der Gruppe vor. Nimm Rücksicht auf die Bedürfnisse deiner Kunden und Mitreisenden, anstatt deine Lüste befriedigen zu wollen! Frische deine Kenntnisse über das von Dir bewohnte Land und seine Bewohner auf, rede auch über das Negative, anstatt dich in Lobhudeleien zu übergeben. Und ‚last but not least: rede mit deinen Kunden und nicht über sie, rede auch mit Dritten nie über die Zweiten, auch nicht in einer den Dritten fremden Sprache!

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