30.03.2017, entlang der Küste gen Süden und nach Osten

Ich habe recht gut geschlafen. Allerdings musste ich mich 2 Mal neu zudecken, bzw. die dünnen und kurzen Wolldecken neu ausrichten, aber ich schlafe eben tausendmal lieber mit offenem Fenster als mit Klimaanlagenheizungswärme.
Kurzer Spaziergang, 7 Uhr Frühstück, 08.30 Abfahrt. Kürzest mögliche Stadtrundfahrt bevor wir auf der SH8 entlang der Küste nach Süden rollen. 

Nicht weit hinter der Stadt beginnt die Strasse teils recht heftig anzusteigen. Die guten Böden wurden terrassiert um Ackerflächen zu erhalten. Olivenbäume sind die Übrigbleibsel, die Äcker vergangen zusehends. 

Es ist verrückt wie viele Bergwälder hier in den vergangenen Jahrzehnten abgeholzt oder von Waldbränden vernichtet worden sind. Erdrutsche und zunehmende Errosion sind die Folge, niemand scheint die Gefahr wahrzunehmen. Immer wieder sind Abrutschstellen, gefährliche Risse und Ausschwemmungen im Strassenbelag zu sehen.

Die Strasse führt mitten durch den Llogara Nationalpark (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Llogara) bevor wir endlich den gleichnamigen Pass auf rund 1028 Metern über Meer erreichen. Kurzer ‚Bisi‘- und Foto-Stopp, bevor es in Serpentinen der Berg runter geht.

Ein unendliches Auf und Ab entlang der Küste. Kaffeehalt in der Bucht von Palermo, ja Porto Palermo (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Porto_Palermo) liegt auch in Albanien. Hier gibt es eine Festung und einen U-Boot-Bunker der albanischen Marine. Schöne Blumen am Wegesrand, glasklares Wasser am Meeresstrand. Etwas weiter vom Strand entfernt sind Aquakulturen (runde Fischkäfige) zu sehen.

Kurz nach 13 Uhr erreichen wir Saranda (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Saranda), die südlichste Stadt unserer Reise. Mittagspause direkt am Strand mit Blick auf die Stadt. Herrliches Essen mit Gemüsesuppe, Brot, Joghurtbrei, viel Salat, verschiedenem Fleisch mit Reis, Linzerkuchen, Wein, Wasser und echtem Kaffee.

Mit vollem Bauch fahren wir 2 Stunden später auf der SH99, die teils sogar noch schmaler ist als die SH8, gen Osten. Durch ein weitläufiges fruchtbares Delta, entlang von Kraftwerks- und Bewässerungsgräben führt der Weg. Dann geht’s steil bergauf, aussen vorbei an entlegensten Bergdörfern, auf den Muzinapass, auf knapp 800 Metern über Meer.

Bald öffnet sich der Blick auf eine breite, fruchtbare Talebene. Der Fluss Drino/Drin (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Drino) führt viel Wasser. Im Süden sind die Schneeberge des Pindargebirges(?) an der Grenze zu Griechenland zu sehen. 

Noch 30 Kilometer im Tal gen Norden. Wir erreichen unser Tagesziel Gjirokastër (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gjirokastra) kurz vor 17 Uhr. Einchecken im Hotel am Anfang der Altstadt, direkt unterhalb der Burganlage. Ein paar Minuten relaxen und Aussicht geniessen. Mein Zimmer im 3.Stock hat zwar kein Fenster, aber eine herrliche Aussicht vom Badezimmerfenster. 

Alsdann treffen wir uns schon wieder vor dem Hotel für eine gemeinsame Stadtbesichtigung mit den guten Erklärungen unseres albanischen Reiseleiters Cultin. 

Auf einer Terasse geniessen wir einen Apéro, lassen den Tag Revue passieren und betrachten wie die Berge rot werden bevor sie in der Dunkelheit der Nacht verschwinden.

20 Uhr Abendessen, echte albanische Küche, ich esse zu viel, dies ist meinen schönen Linien abträglich, werde nach der Heimkehr nach Brienz ei paar Tage/Wochen fasten müssen!

Ein Gedanke zu “30.03.2017, entlang der Küste gen Süden und nach Osten

  1. Lieber Christoph,
    lese mit viel Genuss deine Blog-Beiträge. Wunderschön: gelungene Fotos, interessante Beobachtungen und erst noch Übersetzung eines albanischen Fahrplan-Hinweises!
    Beim Betrachten und Lesen kommt in mir fast ein wenig Heimweh auf.
    Fantastisch das Wunder, das die albanischen Eisenbahner ermöglicht haben: euch per Eisenbahn durch Albanien zu kutschieren. Ihr habt ja gesehen in welchem Zustand die Bahn und die Geleise sind. Eigentlich müsste ein so vernachlässigter Transportbetrieb auch eine schlechte Organisation und Arbeitsmoral zur Folge haben. Aber wenn es um die Ehre und Respekt geht, können die Albaner Unmögliches leisten. Die haben sicher Tag und Nacht gearbeitet und viel improvisiert, um euch in ihrem Sonntagsgewand zu empfangen. Deshalb grossen Respekt, was sie zustande gebracht haben. Albanien ist wie schon oft für Überraschungen zu haben. Menschlich hat mich das Land auch immer wieder berührt.

    Hier noch ein kleiner Geleise-Movie mit Lokalkolorit (Bilder und Musik/Geräusche) von der Strecke Tirana – Shkodër:
    http://www.ostpol.de/beitrag/4041-die_wiederentdeckung_der_langsamkeit

    Rruga e mbarë!

    Madeleine
    PS: zu dem Abholzen der Bergwälder, Erosion und Abrutschen des Strassenbelages: Die Implosion der Diktatur anfangs der 90ger Jahre hat Menschen zurückgelassen, die total auf sich allein zurückgeworfen waren und jeder versuchte für sich im grossen Chaos zu überleben. In der Armut lebt man von der Hand in den Mund (mit dem Holz zu feuern oder die Ziegen in die Wälder zu treiben) oder versuchte auszuwandern, wenn die Familie ein wenig Geld für die Schlepper gespart hat . Die in der Diktaturzeit errichteten Terassen werden infolgedessen nicht mehr unterhalten. In der Diktatur hat man Planung und Organisation negativ erlebt, zum Staat hat man ein gebrochenes Verhältnis und oft sind die Politiker und Beamte korrupt (wie in vielen Balkanländern). Die Folge von all dem sind immer noch spürbar und Einstellugnenlassen sich nicht so schnell verändern. Deshalb, nochmals, habe ich so grossen Respekt, dass die albanischen Eisenbahmer eine Extra-Reise mit 80 Leuten möglich gemacht haben.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.