23.09.2016, Brienz – Berlin

Endlich mal wieder für länger als 18 Stunden munterwegs. In den letzten Stunden vor der Abreise frage ich mich mehrmals, warum es mir mit zunehmendem Alter so furchtbar schwerfällt meine Schneckenhaus zu verlassen, vorgängig zu packen und dann auch zu verreisen.

Liegt es an den jetzt gerade so schönen, blauen, reifen, biologischen, süssen  Trauben an der Südwand meines Heimetlis?

Warum kann ich nicht einfach wie früher eine Ersatzunterhose, Toilettensachen, Fotoapparat und Geldbeutel in einen kleinen Rucksack stopfen und losfahren?

Warum werden die Koffer, oder sind es nur meine Koffer, mit zunehmendem Alter grösser?
Warum, warum, warum?!

Geht es Dir auch so?

Um 01.30 Uhr kaputt ins Bett, tiefer Schlaf bis 06.10 Uhr.

07.33 auf dem Interregio nach Interlaken. Dem Thunersee entlang schaue ich auf die herbstlichen Nebelfetzen an den Bergflanken und döse ungewollt ein.

Basel, ein weiteres Umsteigen. Der gebuchte Fensterplatz nur 35 (Wagen 14) im ICE 370 entpuppt sich als Platz an der Aussenwand, aber hinter einem breiten Wandbalken, mit kaum 30 Zentimeter freiem Sichtfeld, schrecklicher Beschiss!

Bis Mannheim kann ich einen anderen, wirklichen Fenstersitzplatz belegen. Dann aber füllt sich der Zug bis auf den letzten Platz bzw darüber hinaus. Auch in der ersten Wagenklasse gibt es Stehplätze.

Irgendwann nach Hanau, beim Aufstieg zur Rhön spaziere ich durch 4 vollbesetzte Wagen zur rollenden Gaststätte. Obwohl es bereits früher Nachmittag ist, sind alle Sitzplätze belegt. Also trinke ich ein Wasser an der Bar. Bald habe ich aber Glück, kann mich ins Speiseabteil setzen und ein Nackensteak mit Kartoffelstampf bestellen.
Diese erste Mahlzeit mundet, während die Landschaft draussen immer schneller vorbeifliegt bzw der Zug durch unzählige Tunnel rast.

Göttingen – Hildesheim – Braunschweig – Wolfsburg. Der nächste Halt ist schon Berlin Spandau, um 17.11 Uhr.

Umsteigen auf einen KISS, einen Doppelstockzug (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stadler_Dosto) der ODEG, der OstDeutschen EisenbahnGesellschaft (http://odeg.de) von Stadler Schweiz. Das farbenfrohe Design muntert auf. Nach nur knapp 8 Minuten Fahrt muss ich aussteigen. Bahnhof Berlin Zoologischer Garten.

Ja, es gibt sie noch immer, die Kinder vom Bahnhof Zoo (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wir_Kinder_vom_Bahnhof_Zoo), die unzähligen jungen und angejahrten Drogen- und Alkoholsüchtigen, die Buben und Mädchen die ihre Unschuld und ihre Sexualorgane für ein paar Euro bzw für einen Schuss vermieten, die bettelnden und jolenden Obdachlosen, schlimm!

Knappe 10 Minuten zu Fuss durch die Baustellen rund um den Bahnhof Zoo zum Hotel Wyndham Berlin Excelsior Hotel. Das Gasthaus soll 4 – 5 Sterne haben, wirkt aber abgegriffen. Sehr freundlicher Empfang, miserables rauchiges Zimmer im 1. Stock, zur stark befahrenen Strasse raus. Nein hier kann ich nicht bleiben, in diesem Zimmer übernachte ich nicht! Ich packe meinen Koffer gar nicht erst aus, sondern beschwere mich sofort am Empfang. Mir wird mit viel Blabla zugesichert, für mich ein Nichtraucherzimmer im ausgebuchten Hotel zu finden.

Spaziere zum Bahnhof Zoo, Zoo Palast, am Zoo vorbei, Kaiser Wilhelm Gedächtnis Kirche, leider wird die Kirche gerade geschlossen als ich da endlich ankomme. Also weiter zum Kurfürstendamm und zur Tauentzienstrasse. Viel Volk auf der Strasse, Freitagabendshopping!

KaDeWe, das Kaufhaus des Westens, 1905 gegründet und 1989 von den sich nach freiem Konsum sehnenden Ossis überrannt – es existiert immer noch (http://www.kadewe.de/de/das_kadewe/unser_haus_historie/).

Wittenbergplatz, altehrwürdige U-Bahnstation.

Hier biege ich rechts ab zur Lietzenburgerstrasse und trinke in einer mir wohl bekannten Kneippe einen Apero. Nur ein paar hundert Meter weiter in der Fuggerstrasse geniesse ich im Feinberg’s (http://www.feinbergs.de) sephardisches und israelitisches Essen: Carpaccio von roter Beete und Hamin, über Nacht gegartes Rindfleisch mit Gemüse und Hülsenfrüchten. Dazu trinke ich nebst Wasser ein Glas Rotwein aus der Wüste Negev. Tolle Kochkunst und liebenswürdige Bedienung!

Gegen 23 Uhr Spaziergang zum Wittenbergplatz, eine Station weit mit der U-Bahn zum Zoo und zu Fuss ins Hotel. Tatsächlich kriege ich ein anderes Zimmer, 7. Stock, Ausblick auf den Hinterhof.

Ein Gedanke zu “23.09.2016, Brienz – Berlin

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