15.05.2016, Pfingsten ist Tramtag

Obwohl heute Pfingsten ist, können wir nicht bis Mittags ausschlafen, sondern treffen uns nach einem herzhaften Frühstück, bereits ab 09.30 Uhr an der Annasäule in der Maria-Theresien-Strasse. Überall in der Stadt sind Abschrankungen aufgestellt, versperren Barrikaden den freien Durchgang und dem ÖV die Durchfahrt. Allerorten dröhnen Dieselagregate, Lastwagenmotoren, Kühlschränke. Es stinkt nach Ausdünstungen von Maschinen und Menschen. Die Luft ist schon jetzt stellenweise miserabel schlecht. Heute ist mal wieder ein Grosskampftag der Sportbekleidungshersteller, Softdrinkpanscher und Bierbrauer. Die Stadt ist voll von Menschen, jungen und alten möchtegern SportlerInnen, in Sportkleidern gehüllten Unsportlichen. Für Alle die bewundert und beklatscht werden möchten, findet heute ein Stadtlauf statt. Nicht das Erlebnis in der freien Natur und der gesunden Luft steht im Vordergrund, sondern das Erlebnis des Sehens und Gesehen werdens – nein danke! 


Um 10 Uhr holen uns 2 historische Strassenbahnen ab und bringen uns zu den Depots und Werkstätten der Tiroler Strassen- und Museumsbahnen. Nach dem Umsteigen in einen Tramzug mit zwei Anhängern, verlassen wir am Fusse des Bergisel (auf dem Berg steht die futuristisch anzusehende Skisprungschanze von Innsbruck) alsbald die Stadt.

Durch lockeren Wald, der den Blick auf die immer tiefer unten liegende Stadt hin und wieder freigibt, steigen wir an der Südflanke der Stadt in Serpentinen hoch. Bald gehts durch einen Tunnel und wir erhaschen einen kurzen Blick auf Schloss Ambras. 

Die eingleisige Strecke weist nur einen Kreuzungsbahnhof auf, Tantegert, bis 1901 hiess der Hält Teutoburger Wald. Auch wir müssen hier eine Kreuzung abwarten bzw können den versteckten Ort als Fotostopp und Pippihalt nutzen. 

Im letzten Drittel der fast 9 Kilometer langen Strassenbahnstrecke auf diese Hochfläche des Mittelgebirges, können wir endlich frei über das Inntal, sowie von der vernebelten Nordkette bis zu den in Schneewolken dösenden Stubaier Gletschern blicken. 

Igls der Endpunkt der Strassenbahnlinie 6 liegt auf 900 m Seehöhe, also mehr als 300 Meter über der Stadt.Auf der Rückfahrt in die Stadt verlassen wir beim Stift Wilten die Strassenbahn und kehren ein ins Kulturgasthaus Bierstindl. Hier sind Tische für uns reserviert. Ich bin froh ums warme Essen, war ich doch während der ganzen Fahrt auf einem der kleinen Aussensitze eines Tramwagens.

Nachdem unsere Mägen Nahrung erhalten haben wandern wir ein paar Minuten zu den Tiroler Strassen- und Museumsbahnen zurück. Im alten Bahnhof der Stubaitalbahn, sowie in der dahinterstehenden Wagenremise befindet sich seit 1984 das Localbahnmuseum. In drei kleinen Schauräumen werden alle Lokalbahnen und Straßenbahnen von Alt-Tirol, dh Nord- und Südtirol sowie dem Trentino in Wort und Bild dokumentiert. In der ehemaligen Wagenremise sind viele Fahrzeuge hinterstellt. Unter anderem sehen wir auch einen 2-achsigen Tramanhänger aus Basel, sowie einen Trammotorwagen und -anhänger aus Zürich. 

Erneut starten wir nach 15 Uhr, wiederum im historischen Zug (wobei einer der 2-Achser wegen einer Flachstelle ausgewechselt wurde) zu einer Drämmlifahrt. 

Dieses Mal fahren wir ins Stubaital, wobei auch hier erneut grosse Steigungen und Gefälle mit bis zu 46 Promille, über Brücken und Tunnel. zu bewältigen sind. Den Klausbachgraben überquert die Strassenbahn auf einem 40 m hohen eisernen Trestlework-Viadukt, einer in Europa sehr seltenen Brückenkonstruktion. 


Anders als bei der Igiser Strassenbahn, sind hier alle Kilometer Kreuzungsbahnhöfe vorhanden. 
Zwischen Kreith und Telfes führt die Strecke auf über 1000 Meter über Meer entlang von saftigen, blumenreichen Wiesen und durch lockeren Lärchenwald, vorbei an weidenden Kühen und Schafen. 

Die Gegend wird bis heute durch keine Strasse erschlossen. Die Stubaitalstrassenbahn besitzt in diesem einzigartigen Erholungsgebiet also quasi ein Verkehrsmonopol. Die Berge sind leider immer noch im Nebel und von Wolken verhüllt, so dass wir keinen freien Blick zur Gletscherwelt der Stubaiier Alpen haben. 

In engen Haarnadelkurven absteigend erreichen wir nach etwas über einer Stunde den Endbahnhof Fulpmes. Mangels einer Schleife muss unser Zug mittels Zurückstossen der Anhängewagen zur Steigungsstrecke und Ablaufen lassen, gewendet werden. 

Anschliessend spazieren wir durch den Ferienort und plündern in der einzigen geöffneten Konditorei das Tortenbuffet.


Im historischen Tramzug rollen wir gegen 19 Uhr 


bis zum Insbrucker Hauptbahnhof. Die Sportler sind verschwunden, es herrscht wiederum Ruhe in der Stadt. 

Auch diese Fahrt verbrachte ich sitzend oder stehend draussen. Deshalb gehe ich nun kurz in die Hotelsauna um mich aufzuwärmen. Um 20 Uhr treffen wir an der Rezeption und gehen zu 8. zu unserem letzten Abendessen in den Stiftskeller und anschliessend zum Schlummertrunk ins Domcafe.

Irgendwann nach Mitternacht bzw am frühen Morgen finde ich mein Hotelbett. 

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