31.03.2016: Welsh Highland Railway nach Caernarfon und zurück

Habe gut und lange geschlafen in meinem Bungalowähnlichen Zimmer im Anbau des Hotels (http://www.royalsportsman.co.uk/hotel/). Gegen 9 erst bin ich bereit fürs Frühstück, fast zu spät für die royalen Sportsmen. Kriege ein warmes englisches und anschliessend das kontinentale Frühstück vom Buffet. Zum Glück gibt es viele frische Früchte; Darauf habe ich schon lange gewartet. Mir ist auch heute wie schon die ganze letzte Woche aufgefallen, wieviele übergewichtige und sehr dicke britische Familien in den Frühstückszimmern und Hotelgaststätten sitzen. Kinder die die T-Shirtgrösse XXXL tragen und sich kaum bewegen können. Viele Kleiderläden in der Stadt haben Grössen bis 5XL.
Allzu rasch muss ich den Frühstückstisch verlassen, um mein gestriges Tagebuch fertig zu machen und dann den ersten Zug der Welsh Highland Railway WHR (http://www.festrail.co.uk) nach Caernafon und zurück zu erwischen. Die WHR wurde nach deren Stilllegung in den 1930er Jahren erst vor knapp 30 Jahren streckenweise wiederaufgebaut und 2005 wieder komplett in Betrieb genommen. Die Internetseite http://www.whrsoc.org.uk gibt hierüber umfassende Auskunft und enthält auch weitere Projekte zur erneuten Sichtbarmachung  
dieses einst umfassenden Eisenbahnnetzes in Wales und besonders rund um Porthmadog. Auf der Internetseite der Open Railway Map http://www.openrailwaymap.org findet Mann/Frau weitere Details, wie auch jede Karte mit Schwerpunkt Eisenbahn, weltweit. Die Wikipediaseite http://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:OpenRailwayMap liefert weitere Erklärungen zu diesem gigantischen Projekt. 

10.15 aus dem Haus, 10.30 am Bahnhof, ein herrlicher Tag, aufgelockerte Bewölkung, die Sonne erwärmt langsam die fast erfrorene Natur. Anstehen für den Billettkauf. Dank Aufenthalt im Royal Scotsman Hotel kriege ich 20 Prozent Ermässigung. 5 Minuten vor Abfahrt habe ich endlich mein Billett, die Aufforderung zum Einsteigen erfolgt, also pressiere ich, um zum Zug zu kommen. Wo ist aber die Lok?  

Laut vor sich hinstampfend steht ‚unsere‘ Garrat, https://de.m.wikipedia.org/wiki/Garratt_(Lokomotive), eine total 10-achsige Gelenklokomotive mit der Nummer 87 (https://www.festipedia.org.uk/wiki/Locomotives_used_on_the_WHR) vor der ersten Weiche des Bahnhofs und bewegt sich nicht. Meine Nachfrage bei einem Lokführer ergibt, der Reversestick lasse sich nicht mehr bewegen, der hintere Teil der Lok zieht in die ‚falsche Richtung‘. Immer mehr Spezialisten eilen herbei um das Teil gemeinsam auszubauen.  

Alsdann kommt eine Diesellok und zieht die Lok in den breiteren und übersichtlicheren Bahnhofteil rein. Dann wird eiligst wieder zusammengebaut was zusammengehört.  

 Nach 30 Minuten bewegt sich die Garrat wieder von Alleine und wird nach ein paar Probebewegungen an die Spitze unseres 10-Wagenzuges gekuppelt. Nun heisst es rasch einsteigen, schon geht die Fahrt los, die Durchgängigkeit und Funktion der Vakuumbremse wird beim ersten Halt geprüft. Nach Verlassen der Ortschaft und Querung der Normalspurstrecke fährt der Zug durch die Ebene,  




vorbei an einsamen Bauerngehöften und tausenden von überwachten und gehüteten Schafen. Schon gestern sind mir etliche Schafe aufgefallen, die bis zu 4 Lämmer hatten. Heute wird mir nun von einer walisischen Mitreisenden erzählt, dieses Jahr seien es besonders viele Vierlingsgeburten, man wisse nicht warum. Bald fährt der Zug in ein Tal ein. nun steigt die Strecke an. Mehrere Serpentinen sind zu bewältigen, die Dampflok schnauft schwer.  




Herrliche Landschaften, Berge, Flüsse, Seen, Moore, endlose offene Wälder, schöne handgemachte Steinmauern mit Schieferplattenabschlüssen, viele gut unterhaltene, attraktive Wannderwege. Allerdings ist die Schneegrenze noch nicht allzu weit oben.  

Nach etwas über 2 Stunden Fahrt erreichen wir Caernarfon mit 20 Minuten Verspätung. Somit verkürzt sich der Aufenthalt auf 50 Minuten. Die Alternative hiesse Bus fahren. Mal sehen. Laufe schnurstracks ins Zentrum, auf den Stadtplatz, beobachte die strammen Soldaten, die Werbung machen als Diener auf Zeit für die britischen Krone. 40’000 Pfund und mehr für einen Captain (nach 3 Jahren), Steuerbefreit, bei freier Unterkunft und Verpflegung, sowie 6 Wochen bezahlten Ferien, scheinen mir für Britannien ein sehr gutes Salär (der gesetzliche Mindestlohn beträgt brutto 6 Pfund).  


 Schaue in ein paar Einkaufs- und Fussgängerpassagen rein, viel Volk aber nicht viel Sehenswertes. Laufe um die Festung bzw Burg herum zur Mündung des Afon Seiont Flusses ins Meer.  




Geniesse die unterschiedlichen Stadtansichten, bevor ich gemütlich wieder zurück zum Bahnhof gehe. Die Zeit hat vollkommen gereicht die Stadt und Burg zusehen. 

Pünktlich rollen wir los. Jetzt habe ich Hunger und Durst. Das Minibarwägeli liefert mir das beste je getrunkene alkoholfreie Ingwerbier. dazu geniesse ich ein warmes walisisches Senfschmalzbrot.  




Stetig leicht steigend erreichen wir nach 5/4 Stunden wiederum den Kulminationspunkt in Rhyd Ddu, im Snowdonia Nationalpark, auf rund 200 Metern über Meer.  



In der wunderbaren wärmenden Nachmittagsspnne lässt es sich gut leben. Einmal links, dann wieder rechts raus schauend geniesse ich diese Reise.  

Zurück in Porthmadog fotografiere ich die letzten Manöver und  



ausfahrenden Züge und geniesse die langsam einkehrende Ruhe. Ungefähr halb acht geht die Sonne unter.  


Was sind das für rote Büsche? Ich geniesse jeden Augenblick, bevor ich mich dem Hotel und  



dem Dinner daselbst zuwende. Das Abendessen war einsame Spitze. Habe noch nie in meinem Leben so einfallsreich und aromatisch, alle Sinne reizende Kost in England gegessen.  

Nun sitze ich im Salon, ein wohlig wärmendes Kaminfeuer wurde entfacht. In einem bequemen Ledersessel ruhend, trinke ich die letzten Tropfen eines Glas Rotwein und schreibe nebenher Tagebuch.

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