27.03.2016: Reiseerlebnisse

Lasse mir Zeit mit dem Aufstehen, habe nämlich beschlossen, zu versuchen, auf das Frühstück zu verzichten. Naja, nicht ganz, aber immerhin fast. Also trinke ich auf dem Hotelzimmer nur einen Kaffee, eine heisse Schokolade und esse einen Apfel. Im Fernsehen wird von einem Unfall und Streckenunterbruch bei BRNetwork (das ist die für den Unterhalt des Schienennetzes zuständige Infrastrukturgesellschaft der Britischen Eisenbahnen) zwischen Aberdeen und Dundee berichtet. Also versuche ich möglichst frühzeitig am Bahnhof zu sein, um Näheres zu erfahren und meine Weiterreise zu planen. 

An Abfahrtstafeln und Bildschirmen im Bahnhof ist nichts angeschrieben, alles scheint normal, also steige ich in den langen Diesel-HST (High Speed Train) für den ich gestern eine Platzkarte gelöst habe. 9.45 Uhr werden die Türen geschlossen. Anstatt dass der Zug aber um 09.47 abfährt, spricht der Virgin-Rail-Manager über die Lautsprecheranlage: Wegen BR Network Bauarbeiten und Betriebsunregelmässigkeiten am Gleis südlich von Aberdeen kann bis am Mittag kein Zug auf dieser Strecke fahren. Es wird nun versucht festzustellen, wieviele Reisende im Zug sind und wieviele Reisende zu welchem Flughafen müssen. Alsdann werden Busse organisiert. Bleiben sie bis dann im Zug‘. 

Eine halbe Stunde später, erneut eine Durchsage: ‚es sind zuviele Reisende im Zug, es kann kein Bustransport organisiert werden. Der erste Zug der planmässig fahren wird, ist der 11.47 HST. 

Also nehme ich mein Gepäck, stelle es im Hotel wo ich übernachtet habe ab, und mache einen Stadtrundgang. Die Bewölkung nimmt ab, die Sonne scheint, aber es bläst ein eisig kalter Wind. Ich wünsche mir, ich hätte die dicke Mütze mit Ohrenschützern sowie Handschuhe mitgenommen.  

  
   

Gegen 12.30 bin ich erneut am Bahnhof. Soeben fährt der erste Zug südwärts. 12.47 fährt ein Expresszug nach Edinburgh. Mangels Rollmaterial besteht er aus 5 Wagen eines Vorortszuges, in dessen einem ich einen hervorragenden Sitzplatz, in einem Vierercoupé, auf der Seeseite, in Fahrtrichtung finde. Pünktlich geht die Reise los. Tolle Fahrt, teils direkt neben   
    
   
Steilküsten und Sandstränden. Hin und wieder prasselt ein Platzregen und reinigt die Fenster (oder auch nicht). Auf die Sekunde genau um 14.05 erreichen wir Dundee. Nach kurzem Aufenthalt wieder mal eine besondere Durchsage: Der vor uns fahrende Expresszug sei wegen Motorenschadens liegengeblieben. der Aufenthalt in Dundee betrage mindestens 40 Minuten. Ungefähr 10 Minuten später eine erneute Durchsage: die Strecke ist unterdessen frei geworden, wir vermissen aber unseren Lokführer, der hier in Dundee offiziell Feierabend hatte. Wie zur Bestätigung werden die Dieselmotoren abgestellt. Erneute Durchsage nach 5 Minuten: es sei ein Ersatzlokführer gefunden worden, der Zug werde in ungefähr 10 Minuten weiterfahren, Reisende nach Unterwegsstationen sollten aber bitte aussteigen, da unser Zug aufgrund der Verspätung keine Zwischenhalte mehr machen könne. Knapp 20 Minuten nach Ankunft in Dundee fährt unser Zug unvermittelt ab und lässt auf dem Bahnsteig ein paar verdutzte Raucher zurück! 

Im Coupé vis-à-vis von mir sitzt schon seit Aberdeen ein Päärchen mit Schosshündchen. Der verhätschelte Rüde und der Mann sehen sich sehr ähnlich. Das Hündchen springt zwischen Boden sowie den Sitzen und Tischen auf und ab, hin- und her. Und auch der Mann hält wenn er denn mal ruhig sitzt seine dreckigen Wanderschuhe ungeniert auf die Polstersitze. Ja, Hunde dürfen in Scotrailzügen offiziell auf den Polstersitzen Platz nehmen, sie bezahlen ja auch ein Billett.

Der Zug saust nur so dahin. Bald schon ist in der Ferne die Brücke über den  


 Firth of Tay und 40 Minuten später die Brücke über den  




Forth zu erblicken. 
Seit Dundee bin ich am zusammensuchen der Textzeilen meines in der Sekundarschule einst vorgetragenen Lieblingsgedichts von Theodor Fontane’s Brücke am Tay.

Wann treffen wir drei wieder zusamm? Um die siebente Stund‘, am Brückendamm. Am Mittelpfeiler. Ich lösche die Flamm. Ich mit, Ich komme vom Norden her. Und ich vom Süden. Und ich vom Meer. Hei, das gibt einen Ringelreihn, und die Brücke muß in den Grund hinein. Und der Zug, der in die Brücke tritt um die siebente Stund’? Ei, der muß mit. Muß mit!

Ob wir wohl heil rüberkommen über diese Brücken. Ich habe im Internet diverse interessante Seiten über diese Brücken gefunden:
Theodor Fontanes Gedicht

https://de.m.wikisource.org/wiki/Die_Brück’_am_Tay
Der Eisenbahnunfall auf der Firth of Tay Brücke

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_auf_der_Firth-of-Tay-Brücke
Die Brücke über den Firth of Forth

http://www.bernd-nebel.de/bruecken/index.html?/bruecken/3_bedeutend/firthofforth/forth.html

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Forth_Bridge
Nebenher mache ich aber auch noch ein paar Fotos und geniesse die besondere Stimmungs- und Wetterlage. 

Endlich mit 10 Minuten Verspätung erreichen wir Edinburgh. Die Anschlusszüge sind weg. Also mache ich eine gemütliche Pipipause und steige in den 16.30 Uhr Express gen Süden ein. Auch auf dieser Strecke sind wiederum interessante  

 Landschaften zu beobachten. nebenher buche ich noch rasch eine Unterkunft für Heute Abend.  

17.11, Ankunft in Berwick-upon-Tweed. Gemütlicher Fussmarsch ins 500 Meter entfernte Bed&Breakfast. Der Hausherr erwartet mich und zeigt mir rasch Alles notwendige. Zuerst muss ich kurz die Akkus von Tablet und Handy aufladen. Genehmige mir unterdessen einen Grüntee, schmöckere in Gestgeberempfehlungen, lagere meine Beine hoch. 

Kurz nach 18 Uhr kann ich endlich aufbrechen, ganz runter in die Stadt laufen, über die grosse Strassenbrücke über den Tweed laufen, Eisenbahnbogenviadukt, alte Bogenbrücke und die Stadt fotografieren, am Ufer des Tweed entlanglaufen und über die alte Bogenbrücke und die Altstadt ins B&B heimkehren. 

   
 

   
 

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