23.03.2016: kein Delfter Porzellan, aber eine Fährreise

Die Nacht war kalt, aber ich hatte gute Decken. Schlafe bis kurz vor 8 Uhr. Draussen geht grad eine Schauer nieder, wenigstens schneit es nicht. Kleines Frühstück mit einer typischen holländischen Zugabe HAGEL.  



Fotos vom Garten, den mir Riekje gestern Abend noch mit berechtigtem Stolz vorgeführt hat. Diverse Blumen blühen schon, nicht nur die obligaten Osterglocken. Was mich aber besonders verwundert sind die vielen verschiedenen Vögel die den Garten bevölkern und mit ihrem Gesang den Frühling ankündigen.
Riekje nimmt Heute das Auto für zur Arbeit. Normalerweise fährt sie bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad (Hut ab!). Sie setzt mich am Bahnhof ab. Ich laufe über das Parkdeck und verschlungene Wege bis aus Ende der Überdeckung.  

 9 Gleise, davon 2 für ICE+TGV, 3 für Güterzüge und 4 für den langsamen und normalschnellen Reiseverkehr durchschneiden das Dorf. Das muss vorher ja ein Höllenlärm gewesen sein. Da die Niederlande so nah am Meeresspiegel liegen, war es vor Jahrzehnten in dieser Gegend noch nicht möglich, die Eisenbahn unterirdisch zu führen. Diese ca 10-15 Meter hohe, begrünte Wand ist ein Segen für die Anwohner! Die Züge Richtung Rotterdam-Delft-Den Haag fahren jede Viertelstunde.  
Auf Anraten von Wim und Riekje besuche ich heute Delft, zwischen Den Haag und Rotterdam gelegen, wo ich bisher immer durchgefahren bin. Die erste Überraschung ist der neue, unterirdische Bahnhof und die grosszügigen Bahnhofshalle.  


 Die 4, die Stadt durchschneidenden Gleise und die 8-14 Bahnhofsgleise sind verschwunden, dafür entsteht jetzt oben eine neue Stadt- und Parklandschaft.  

 Das alte Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz.
Für das Einstellen meines Rucksacks muss ich ins ca 400 Meter entfernte Hotel Coen. Schönes, kleines Hotel mit allen Annehmlichkeiten und sehr freundlichem Personal. Zu Fuss weiter ins Stadtzentrum.  




Was mir extrem auffällt sind die unzähligen schiefen Häuser und Türme, die schmalen Kanäle und Strasse, die zumeist nicht einmal einen Meter breiten Fussgängerwege und die vielen Radfahrer. Im Stadtzentrum sind die Fussgänger und Autofahrer eindeutig eine Minderheit. Bis Mittags laufe ich kreuz und quer, dann esse ich in einer ruhigen Nobelgaststätte was Kleines.  



  

Gegen 15 Uhr beschliesse ich, angesichts der müden Beinen eine Grachtenfahrt zu unternehmen.  





  

Der Bootsführer erzählt allerlei Wissenswertes über die 100-tausend Einwohner der Stadt und die schmalen Kanäle. Gewisse Kanäle sind so schmal, dass der Bootsverkehr heutzutage mittels Ampeln geregelt wird, früher waren es Flaggenmänner. Die Strassen sind ebenfalls schmal, ein Kreuzen mit anderen Autos meist unmöglich, mehr als einmal im Jahr fallen Autos ins Wasser. Parkplätze zwischen 2 Bäumen sind kurz und parken nur mit mehrfachem Vorwärts- und Rückwärtsfahren möglich. Ungefähr einmal im Monat passiere es, dass Autofahrer nachdem sie erfolgreich eingeparkt haben übersehen, wie nahe am Wasser sie sind, und nach dem Öffnen der Autotüre direkt baden gehen.  




 Zwischen 250 und 500 Fahrräder landen jedes Jahr in den Kanälen. Die Grachtenbootsbesitzer müssen mehrmals im Jahr Velos rausfischen, hin und wieder ist aber dennoch kein Bootsverkehr mehr möglich. Der Turm der alte Kathedrale geriet bereits beim Baum um 1.20 Meter in Schieflage; deshalb wurden die obersten 4 Türmchen in entgegengesetzter Richtung gebaut.  

  

 Die breiteste Brücke ist fast 100 Meter breit und die schmalste Brücke knapp 1 Meter und nur für Fussgänger gedacht. Gegen 18 Uhr zum Hotel, Gepäck abholen und nach Hoek van Holland fahren. Ich habe unterdessen nämlich von Stena eine Mail erhalten, mein Billett sei nicht gültig.

Stimmungsvolle Reise in die Dämmerung, teils entlang der Maas. 19.30 in Hoek van Holland. Doch, doch, mein Billett ist gültig, ich habe nur den Kabinenzuschlag und die Mahlzeiten zu bezahlen. Kurzum kann ich rein in den Kahn, der 2010 von einer Warnow Werft erbaut wurde, mithin deutsche Wertarbeit darstellt. Dies stimmt mich glücklich, angesicht der letzten Überfahrt vor über 20 Jahren auf einem britischen Lotterkahn.

Nach 22 Uhr fährt das Schiff los und stampft nach dem Passieren der Maasmündung alsbald durch hohe Wellen. Ich esse im Selfservice schwedische Hackfleischkügeli mit Gemüse und Reis, für € 5.80, günstig. An der Wärme übermannt mich alsbald die Müdigkeit. Zudem will das Bord-WLAN nicht so richtig funktionieren. Also verzichte ich aufs Tagebuch und gehe kurzum schlafen.

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