06.09.2015, Sonntag, Ängelholm – Herrljunga

Seit 6 Uhr in der Früh haben die Männer des Trafikverkets unseren Zug und den schwedischen Zug, möglichst leise und mit höchster Vorsicht, aus Rücksicht um die noch schlafenden Fahrgäste rangiert und aus dem Museumsgelände heraus zum Bahnhof manövriert, zusammengekuppelt, Bremsprobe gemacht und zur Abfahrt bereitgestellt.   

Für den heutigen Tag, von Ängelholm (Bildmitte, ganz unten) über Laholm – Halmstad – Varberg – Borås nach Herrljunga  

 
laufen wir mit unseren Wagen am Schluss des Zuges mit. Für die ersten Kilometer wird, weil unser Krokodil fehlt (wie geht es der alten Dame wohl) die Holzkastenlok D 109 die Zugspitze inne haben und die Stahlkastenlok 888 als 2. Lok unseren Zug ziehen.        
Vom Krokodil haben wir unterdessen erste, vorsichtig optimistische Meldungen erhalten. Die aus der Schweiz und von anderswo nach Berlin eingeflogenen Spezialisten, sind nach Wernigerode gefahren um ein oder mehrere neue Achslager zu giessen. 

Kurz nach halb 8 verlassen wir Ängelholm für die letzten 2 Tagesetappen nach Herrljunga und Gävle. Die 2 alten Loks der Baureihe D, Achsfolge 1’C1′, mit je einem Lokführer, ziehen insgesamt 58 Achsen Last. Zu unseren 5 Reisezug- und einem 2-achsigen Güterwagen, sind also noch insgesamt 9 Schlaf-, Küchen-, Restaurant-, Gepäck-, Salon- und andere Reisezugwagen aus Schweden aneinandergereiht worden. Die Bahnsteige an verschiedenen Orten sind eindeutig zu kurz für einen so langen Reisezug. 

Immer wieder mal gibt es während des Tages Änderungen in der Reihenfolge der Loks, damit auf den landschaftlich reizvollsten Strecke, die eine historische Lok an der Spitze des Zuges ist. Wenn die mit ATC ausgerüstete Lok den Zug führt, fährt (schiebt) die Holzkastenlok jeweils am Zugschluss mit. 

In Laholm kann ich während des Lokwechsels  

endlich mal eine Fotosession mit unserer Speisewagencrew organisieren.

Es ist einfach toll, was wir 3 Mal täglich und auch zwischendurch immer wieder serviert bekommen, danke viumau! 

An allen Unterwegsbahnhöfen ist viel Volk.

Fotografen haben Stunden lang gewartet und ein paar ältere Semester wissen noch immer nicht, dass unser Krokodil, wegen Defekts, in Berlin bleiben musste. Erstaunlicherweise haben die Leute aber gute Kenntnisse über den elektronischen Swiss Pass und die ÖV Reisemöglichkeiten in der Schweiz

   
  
Unser Salonwagen und der WR werden immer wieder mal von Schaulustigen gestürmt.

Ich kann unsere Reiseunternehmer und Schweiz Tourismus immer weniger verstehen! Warum haben sie diese einmalige Chance, den schweizerischen ÖV, die Bundesbahnen und im Speziellen SBB Historic und die Schweiz zu bewerben nicht genutzt? Warum können wir keine Prospekte, Flugblätter und anders verteilen, wonach ich an jedem Haltebahnhof und bei Besichtigungen immer wieder gefragt werde? 

Die Kleinsten mit Schweizer Schokolade abzufüttern ist ja ganz schön, aber mir tut es leid, dass ich jede Frage nach dem Swiss Pass nur rudimentär beantworten und keine echten Infos oder Prospekte abgeben kann. Während dem zweistündigen Mittagshalt in Varberg, müssen wir unsere Wagen während 90 Minuten abschliessen um nicht dauernd belagert zu werden.

Weiter geht die Reise, durch vorherbstlich schöne Landschaften, entlang riesigen Äckern und durch endlos scheinende Wälder, wo hin und wieder ein See durch die Birken schimmert. 

    
 
In Herrljunga,  

unserem Tagesziel, erwartet uns eine besondere Überraschung:

Die 1092 E2, eine Dampflok mit der Achsfolge 1′ D h2 wurde angeheizt und wartet auf uns, damit die Tanks unseres Speisewagen und Salonwagens endlich mal wieder bewässert werden können. 

Nach dem Entkoppeln vom restlichen Zug, werden unsere 3 mitzunehmenden Wagen lang gemacht, dh die Kupplungen so weit wie möglich auseinandergeschraubt.

Mit weiteren zusätzlichen, fotografierenden Reisenden werden unsere 10 Achsen (Hbils-vy, SR, WR), von der Dampflok, über verschlungene Weichenstrassen mit Doppel-S, ins Anschlussgleis des historischen Eisenbahndepots gezogen. 

   
Aus einem langen Schlauch tröpfelt bald einmal ein Wasserrinnsal in unseren Speisewagenwassertank. 

Währenddessen sausen auf den nebenanliegenden Streckengleisen X2000, Reginazüge und Flirts von MTR (http://www.stadlerrail.com/de/referenzen/mtr-express/) mit 200 Stundenkilometern vorbei. Ich bin jedes Mal zu langsam um eine eigene Foto zu schiessen. 

Schier endlos lange dauert das Wasserfassen.   

 Ich unterhalte mich leidlich gut mit anwesenden, freiwilligen Museumspraktikanten zwischen 16 und 80 Jahren. Für Hannes, den 16 jährigen Schulabschliesser, der schwedisch, und etwas deutsch und englisch spricht ist die Sache ein historisches Erlebnis! 

Ich führe ihn zwischendurch in unserem Zug herum. Freudig erregt und überschwänglich dankend nimmt er als Belohnung für seine Arbeit beim Wasserfassen „die weltbeste“ Schoklade und Appenzeller Biber in Empfang.

Endlich kann die Dampflok wieder arbeiten und unsere Wagen im Schritttempo und mit Zwischenstopps, zum Untersuch ob 


keine Gefahr einer seitlichen Überpufferung droht, zurück zum restlichen Zug schieben. 

Da wir hier in Herrljunga Spitzkehre machen müssen, werden nach Abkoppeln der Dampflok nun die Elektroloks an unser Zugsende bzw den Hbils-vy gekuppelt. 

   
 
Beim Versuch die gekuppelte Heizleitung einzuschalten gibt es einen Chlapf und die Leitung fliegt weg. Wir haben uns glücklicherweise ein paar Meter entfernt in Sicherheit gebracht. Nach Reparatur der Leitung und Putzen der total verdreckten Anschlussdose am Güterwagen (wir vermuten, dass der Dreck zum Kurzschluss geführt hat) gibt es einen neuen Versuch, erfolglos! Nebenan sausen immer wieder Hochgeschwindigkeitszüge vorbei. 

2 weitere Versuche bringen nichts, ausser Funkenregen, Donnergrollen, weissen Feuerwerkswolken und dem Gestank von verbrannten elektrischen Leitungen und Gummi.

Also muss der Güterwagen umfahren, dann Getränke in den WR umgeladen und der Wagen ans andere Ende des Zugs gesetzt werden.  

 

Endlich, um 21.30 Uhr ist unser Zug fahrbereit und wir können wieder an einen Bahnsteigfahren und die seit Stunden am Perron ausharrenden FotografInnen einsteigen lassen.

Nun ist es leider zu spät fürs Eisenbahnmuseum oder den schwedischen Ballenberg, da alle Reisenden um 22 Uhr an Bord sein müssen. 

Ebenso ist es zu spät um im Dorf einen wohlschmeckenden Herrljunga Cider zu kaufen und zu trinken.

An einen Abend vor 15-20 Jahren, zusammen mit Schweden und mit diesem sauer-süssen-süffigen alkoholischen Birnensaft habe ich immer noch schönste Erinnerungen. 

In der Umgebung von Hallsberg hat es in den vergangenen Tagen heftig und viel geregnet. Die geplante Reisestrecke von Herrljunga über Falköping – Gårdsjö – Hallsberg

 wurde verschüttet, steht teils immer noch unter Wasser, wir müssen einen Umweg am nordwestlichen Ufer des Vänernsees über Vänersborg – Amål –  

Kil – Nykroppa und weiter auf der Bergslagseisenbahnlinie nach Borlänge – Falun – Gävle fahren.

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