03.12.2020, Dämmerungsausflug am Brienzersee

Es ist kalt geworden. Der Winter ist da, wenn auch ohne Schnee im Dorf.

Naja, ganz richtig ist das nicht: Vor ein paar Tagen lag schon Schnee, auch über Nacht, die Landschaft lag ruhig unter der weissen Pracht, die Strasse und Trottoirs hingegen mussten gepflügt werden. Die Gehwege waren eisig, ich blieb möglichst zu Hause bzw trank nur meinen Frühstückskaffee vor dem Haus, ass da auch meine Frühstücks-Baumnüsse und genoss die ruhigere Welt.

Der Schnee war dann aber rasch wieder weg. Dafür zogen Nebelschwaden ums Haus und Brienz lag häufig unter einer schweren Nebeldecke.

Die Bahnstrecke entlang dem Brienzersee ist seit dem 26. Oktober wegen dringenden Arbeiten an den Brücken und Hangstrecken bis Betriebsschluss am 06.12.2020 gesperrt. Die Reise im meistens vollen Bus ist mühsam und unbequem.

Noch immer muss ich zweimal in der Woche ins Spital in Unterseen, um die nach wie vor offenen Wunden an den Unterschenkeln ambulant behandeln zu lassen. Nach der Heimkehr aus dem Spital bin ich meistens derart groggy, dass ich 2-4 Stunden schlafen muss oder den Rest des Tages kraftlos vor dem Fernseher liege und immer wieder döse und mehr als die Hälfte verpasse.

Daneben war auch mehrmals ein Heizungstechniker im Haus, um nach den Ursachen, der in letzter Zeit gehäuft auftretenden Störungen (80 Alarm- und Hinweismails seit Oktober 2020) an der Zentralheizung zu suchen. Seitdem die Firma der Zentralheizungen Rieben AG aus Oey und Lenk von der thurgauischen Schmid energy-solutions übernommen wurde, ist die Kontinuität nicht mehr gegeben. Alle Alarme gehen zwar automatisch auch an diese Firma, werden dort dann aber nicht bearbeitet. Fast jedes zweite Mal kommt nun ein anderer Heizungsmonteur.

Hätte ich anlässlich der Neuinstallation der Zentralheizung in den Jahren 2009-2010 gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich eine andere Firma berücksichtigt oder wohl anstelle der Pellets-wiederum eine Ölheizung einbauen lassen! Wärmepumpe stand für mich seit je her, wegen des zusätzlichen Energieverbrauchs nie zur Diskussion. Der Rohstoff meiner Pellets stammt übrigens ausschliesslich aus heimischen Wäldern rund um den Brienzersee und den angrenzenden Tälern. Sie sind zwar etwas teurer als die mehrheitlich aus Osteuropa stammenden Restenpellets, dafür kann ich die Wärme reinen Gewissens geniessen. Der Preis ist zudem immer gleichbleibend (egal ob 1 oder 11 Tonnen, Sommer oder Winter) und die Lieferfristen sind sehr kurz (am gleichen Tag wie die Bestellung ist möglich).

Mir wird es, alleine zu Hause auch nicht langweilig! Ich habe noch sehr viel zu lesen, Fachzeitschriften, online Artikel, familiäre Fachbücher. Ich habe eher zu wenig Zeit, da ich hin und wieder, nebst den täglichen TV-Nachrichten auch anderes, unterhaltsames Fernsehen geniesse.

Zusätzlich nehme ich auch Teil an diversen Online-Stammtischen. In Vor-Corona Zeiten geschah es eher selten, dass ich mich am Computer oder Laptop beziehungsweise am Handy und Tablet mit einer oder mehreren Personen gleichzeitig virtuell unterhalten habe. Seit Besuche und physische Stammtische aus Gründen der Ansteckungsgefahr nicht mehr ratsam beziehungsweise erlaubt sind (max 4 Personen an einem Tisch), stehe ich jeden Tag online und häufig auch visuell in Kontakt mit Freunden und Freundinnen. Die bildliche Übertragung hat den grossen Vorteil, rasch etwas mehr über den Gemütszustand des Gegenübers zu erfahren, gemeinsam zu weinen und zu lachen, Bilder und anderes mehr auszutauschen.

Heute Nachmittag will ich aber ganz kurz raus, mit dem Liegerad entlang dem Brienzersee fahren, sehen ob die Bauarbeiten an der Bahnstrecke abgeschlossen worden sind und die blaue Stunde der Dämmerung die mich im winterlichen Skandinavien immer wieder in eine wohltuende Melancholie hat fallen lassen, geniessen.

Als ich endlich auf meinem rollenden Liegestuhl sitze und durchs Dorf pedale, ist die Sonne bereits fast komplett hinter der aufziehenden Schlechtwetterbewölkung untergegangen.

am Sportboothafen im Zentrum vom Brienz.
Die blaue Stunde ist gestartet!
Nicht weit oberhalb des Dorfs ist der Wald schon verschneit!
Das Gleisbett auf dem moorigen Untergrund wurde komplett neu aufgebaut
Die hangseitige Verbindungsstrasse und der Radweg haben unter den Arbeiten und dem Befahren mit schweren Baumaschinen arg gelitten.

In Ebligen fahre ich zur Haltestelle der zb (“zum Beispiel“-Bahn) hoch, um von hier aus einen Panoramablick auf Brienz und die Schneeberge im Hasli zu erhalten.

Dieses Laubholz zieht mich immer wieder in seinen Bann!
Aha, eine Baumaschine im Gleis

Als ich gerade wieder runterfahren und heimkehren will, höre ich eine Baumaschine daherkommen. Aha ein Zweiwege-Radbagger von Vanoli.

Ausgerechnet jetzt will mein Fotoapparat, das Handy (Mobiltelefon bzw populäres schweizerisches Geschirrspülmittel) aufgrund der Temperaturen um den Gefrierpunkt, schlapp machen. Nur knapp und mit grosser Verzögerung nach dem Abdrücken, gelingen mir zwei Fotos von diesem Schottertransport.

Rasch wird es nun noch kälter. Ich bin froh, Handschuhe und Winterkappe (für über die Ohren) mitgenommen zu haben und nun an- beziehungsweise überziehen zu können.

Die paar wenigen Radfahrer, die mir entgegenkommen, sind allesamt unbeleuchtet. Ich ziehe es vor, zumindest auf Hauptstrassen ganztägig mit Beleuchtung zu fahren und Standlicht zu haben.

Ich sehe mich fast jeden Abend nach dieser fröstelig-blauen Stunde.

Aha, jetzt gibt es auch Lichter am geschlossenen Giessbachhotel.
Nun brennen auch schon in Brienz und Umgebung die Lichter.
Bald wird die Baubrücke wieder abgebrochen sein und einen schönen Blick zu diesem und anderen Bogenviadukten freigeben
Das helle Licht oben am See leuchtet die Baustelle der neuen Abwasserreinigungsanlage aus.

Immer wieder und vor allem einmalig schön, die Einfahrt in mein Heimatdorf.

Müsste ich nicht dringend, für eine Sitzung, nach Hause, würde ich mich jetzt noch eine Weile hier aufs Bänklein setzen und die Stimmung geniessen.


Nachtrag

06.12.2020

Über Nacht hat es bei Tiefsttemperaturen von minus 5 Grad Celsius mal wieder 5 Zentimeter geschneit.

Das neue oder auch nicht mehr ganz neue, aber zumindest nun privatisierte und nur auf pekuniären Gewinn ausgerichtete öffentliche Verkehrsmittel, Eisenbahn steht daher still!

Seit den frühesten Morgenstunden lärmen Schneepflüge und Salzstreuer über Strassen, Gehwege und Plätze.

Im Garten ist’s friedlich still.

Leider taut es aber am Nachmittag. Die weisse Pracht ist hier, im Gegensatz zur Südostschweiz, von wo ich diese Fotos erhalten habe,

sehr wahrscheinlich nur von kurzer Dauer. Vereinzelte Regentropfen fallen vom Nachthimmel, es taut und pflotscht (schweizerdeutsches Wort für Schneematsch).

Pflotsh, so heisst eine, nicht nur auf die Schweiz beschränkte WetterApp, die leider eine recht hohe Jahresgebühr hat. Ob die Nutzer damit wohl die teuren Prozess- und Lotterlebens-Kosten von Kachelmann zu bezahlen haben?


Nun wünsche ich Allen einen, trotz den nicht immer leicht zu ertragenden, ja mehrheitlich recht schweren, depressiv machenden Corona-Zeiten, einen friedlichen und erfreulichen Samichlaus bzw Sankt Nikolaus!

🦌♥️🦌

Blybet xund !

Bleibt oder werdet gesund ,

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