19.03.2016: …. mehr als ein kleiner Wurm versteckt sich im System!

Gestern hat mir ein Zugchef gesagt, es gebe immer wieder mal einen kleinen Wurm im System der SNCB, dann sei eben der eine oder andere Zug oder alle Züge auf einer Linie den ganzen Tag über verspätet. Das Zugpersonal ist immer zu einem Spässchen aufgelegt. Das Häufigste das sie mir sagen, ‚ich höre es an deinem Dialekt, du bist Schweizer Eisenbahner. Heute morgen meinte einer: Ooohh lala auf so einen Fahrausweis (ich bin das letzte Mal mit einem Freifahrschein munterwegs) warte ich schon seit mehr als 5 Jahren, bei uns bedienen sich die Direktoren an Allem und geben uns nichts!
Heute Samstag scheinen mehrere Würmer das System der SNCB umzugraben! Aber der Reihe nach. Gemütliches Frühstück im Ibis bis gegen 9 Uhr die Russen einmarschieren und das Buffet und die Rezeption belagern. Henusode!

Den 09.11 Zug werde ich nicht mehr erreichen, das ist ausgesprochenes Pech, der 10.11 IC wird nämlich kurz darauf, wegen Infrastrukturproblemen, ab Charleroi nach Mouscron annulliert. Notgedrungen plane ich für 11.11 und bin rechtzeitig am Bahnhof. 

Da ändern sich die Anzeigetafeln: der Zug hat plötzlich 20 Minuten Verspätung, dann 31 Minuten. Um 11.46 trifft er schliesslich mit 37 Minuten Verspätung ein. 

Endlich schleicht er zum Bahnhof raus, des Elektromotor lärmt fast wie ein Diesemotorl, der Zug ruckelt; kaum fahren wir schnell gibt es auch schon die erste Schnellbremsung,   

5 Minuten später noch einmal, dieses Mal aber wegen einem roten Signal. Langsam geht’s weiter. Nach knapp 30 Minuten, erneut eine heftige Bremsung und Halt knapp vor einem roten Signal. 

Unverständliche Duchsage, der Zugführer kommt zum Lokführer. Diskussion bei offener Türe. Die Betriebsleitung sagt, das Signal sei Grün, wir sehen aber nur ein rotes Signal. Der Lokführer muss raus das Signal zu untersuchen, findet aber keinen Defekt. Nun erhält er den Auftrag weiter zu fahren. Kaum in Bewegung wird das Signal brandgelb, dann grün, komisch! Hinter einer Kurve, ca 400 Meter weiter, sind Infrabel-Mitarbeiter (INFRAstrukturgesellschaft BELgische Staatsbahn) an der Arbeit. Sie reparieren offenbar Kabel, sie lachen und grüssen das Personal unseres langsam rollenden Zuges.

13.15, Ankunft Tournai.  


Ausserordentlich, wegen der Verspätung, endet der Zug hier. Umsteigen auf Gleis 1, ein Zug aus Ath der um 12.46 hier hätte nach Tourcoing hätte fahren sollen, ist 35 Minuten verspätet. Kaum auf Gleis 1 angekommen heisst es, dieser IC falle aus, der nächste Zug verkehre um 13.46. 

Um 13.40 heisst es plötzlich der Zug sei 31 Minuten verspätet. Gleichzeitig wird auf Gleis 3 ein betont pünktlich fahrender Zug nach Bruxelles-Midi angesagt. Kurz entschlossen will ich über Bruxelles nach Gent reisen. 

 Ausser Atem erreiche ich den Zug. Kaum habe ich die Jacke ausgezogen und den Rucksack auf die Ablage befördert, erfolgt die Lautsprecherdurchsage, dass der Zug wegen Terrorgefahr mit mindestens 30 Minuten Verspätung abfahren würde. 

Ich muss wieder aussteigen und gehe zurück zu Gleis 1. Um 14.03 erfolgt die nächste komisch anmutende Lautsprecherdurchsage: der Zug der um 13.46 hätte abfahren sollen, sei offiziell 30 Minuten verspätet, werde aber in ein paar Minuten ankommen und mit ungefähr 20-25 Minuten Verspätung abfahren. Generelles Kopfschütteln auf dem Bahnsteig! 

 
S C H R E C K L I C H dieses Durcheinander. Wie fühlen sich wohl erst normale Reisende bzw solche die nicht aufs Auto umsteigen können?

14.08 fahren wir los. Umsteigen in Tourcoing, erneutes Umsteigen in Kortrijk, 15.23 Ankunft in Gent Sankt Pieters, mit ungefähr 3 Stunden Verspätung auf den ursprünglichen Zeitplan. 
Dies sind, wie mir unterdessen mehrfach bestätigt wurde, alltägliche Reiseabenteuer hier in Belgien. Der Grund sei die lange Jahre vernachlässigte Pflege der Infrastruktur. 

Ich frage mich, ob uns in der Schweiz wohl auch so eine Art von Reisevergnügen bevorstehen wird, angesichts der von den SBB Chefs so lange Zeit vernachlässigten Infrastrukturpflege?    

Der Bahnhof Gent Saint Pieters (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Gent-Sint-Pieters, https://commons.m.wikimedia.org/wiki/Category:Interior_of_Gent-Sint-Pieters_train_station) ist ein tolles architektonisches Bauwerk. Er wurde 1912 für eine Weltausstellung neu erbaut. Leider werden links und rechts davon gegenwärtig neue Wolkenkratzer erbaut, die die alten unter Schutz stehenden Gemäuer wahrscheinlich „erdrücken“ werden.

Leiste mir wegen fehlender ÖPNV-Auskunft ein Taxi ins Hotel. Was mir sofort auffällt, alle ca 30 Taxifahrer die hier am Bahnhof auf Kundschaft warten sind dunkelhäutig. Generell denke ich später beim Spazieren, dass enorm viele Schwarze die Stadt bevölkern. Ohne Rücksicht auf Verkehrsregeln, bei Rot über Ampeln, Tram links auf Gegenspur überholend, Fussgängern auf den Streifen den Vortritt nehmend, mit allzugrosser Geschwindigkeit, sowie gleichzeitigem Schreiben von SMS und hantieren an der riesigen Stereoanlage, rasen wir durch die Innenstadt. Zum Glück bin ich angeschnallt und sitze auf dem Rücksitz! Werde nächstes Mal wiederum den ÖV berücksichtigen, ungeachtet möglicher Nachteile!
   



Nach dem Hotelbezug spaziere ich durch die Innenstadt, verweile mal hier und da, setze mich auf Brüstungen, Mauern und Sitzbänke und schaue dem Treiben zu. 
    
   
 
Am Groentenmarkt (https://visit.gent.be/de/groentenmarkt-0?context=tourist), dem ehemaligen Exekutionsplatz der Stadt, laufe ich durch historische Gebäude  



und staune ob den Unmengen an Süssigkeiten die die Genter kaufen, geniessen, in sich reinstopfen. Insbesondere eine süsseste Genter Spezialität lockt mich, Genter Nasen (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Cuberdon).
Als es zu kühl wird, um weiterhin draussen zu verweilen, schlürfe ich im Café Barrazza (10 Kaffee- und über 80 Biersorten) an der Hoefslagstraatje 6, unweit vom Groentenmarkt ein paar DARK SISTER Biere, beobachte das Treiben und lausche den Hits der 50er bis 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Einfach herrlich.  
Nach geraumer Zeit bemerke ich meine leichte alkoholische Benebelung. Also beschliesse ich, mal wieder die Lokalität zu wechseln und was essen zu gehen. 

Leider sind aber alle IN-Beizen (http://www.feeistmeinname.de/2015/02/und-gent-so-joa-lecker-ne-super-lecker.html) voll und teils hat es auch lange Schlangen davor. 

 Einzig im Amadeus, http://www.amadeusspareribrestaurant.be, einem Spareribsrestaurant grad neben meinem Novotel gibts freie Plätze für Einzelgänger (allerdings auch nur für die nächsten 5/4 Stunden). Besser jetzt als nie, erhalte ich innert Minuten eine grosse Platte gegrillter Rippchen. Dazu trinke ich heute mal Mineralwasser. 

Ein Gedanke zu “19.03.2016: …. mehr als ein kleiner Wurm versteckt sich im System!

  1. Salü Christoph, wirsind erfreut wieder von Dir zu lesen. Also haben Dich die Osterhasen angelockt für eine Osterreise!
    Deine Bericht sind wie immer schön zu lesen. Vielen Dank!
    Diese Woche fahren wir nach Holland über die Ostern.
    Eine gute Zeit wünschen Dir Klaus und Anneke

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